Erste Geräte mit neuem StandardWas ist eigentlich Aliro?
Von Klaus Wedekind
Seit Februar ist der neue Standard Aliro am Start. Mit ihm ist das Öffnen von smarten Türschlössern per Smartphone einfacher als das Bezahlen im Supermarkt. Erste Aliro-zertifizierte Geräte sind bereits erhältlich, wobei ein neues Schloss nicht unbedingt nötig ist.
Smarte Türschlösser hatten es zunächst schwer. Das Misstrauen vieler Nutzerinnen und Nutzer war verständlicherweise groß, schließlich geht es um den Zugang zu den eigenen vier Wänden, den man nicht einfach mal so einer neuen Technik anvertraut. Inzwischen haben die Geräte etablierter Hersteller bewiesen, dass sie sicher sind und man sieht sie immer häufiger an Türen. Einen neuen Schub für die Beliebtheit könnte Aliro bringen, ein neuer, offener Standard, der die Nutzung eines Smartphones als Schlüssel einfacher als das Bezahlen im Supermarkt macht.
Alle machen mit
Offen bedeutet, dass die Technologie keine definierte Hardware-Software-Kombination erfordert. Man muss also beispielsweise keine Hersteller-App oder eine spezifische Lösung wie Apple Home Key nutzen, um ein smartes Schloss zu öffnen. Es soll auch keine Rolle spielen, ob man ein iPhone oder Android-Handy verwendet. Ähnlich wie beim Bezahlen an Kassenterminals genügt es, ein Smartphone an das Schloss oder ein verbundenes Eingabegerät zu halten (Tap-to-Unlock), idealerweise muss man es dafür nicht einmal entsperren.
Um das zu ermöglichen, hat die Connectivity Standards Alliance (CSA) 2023 mit der Entwicklung von Aliro begonnen. Dem internationalen Industrieverband gehören hunderte Unternehmen an, unter ihnen alle Schwergewichte wie Apple, Samsung oder Google. Bei der Internationalen Funkausstellung (IFA) im vergangenen Jahr in Berlin und im Januar auf der Consumer Electronics Show (CES) wurden erste Geräte präsentiert, die das standardisierte Kommunikationsprotokoll unterstützen; jetzt kommen sie auf den Markt.
Aliro ist nicht Matter
Aliro erinnert an Matter, das ebenfalls von der CSA ins Leben gerufen wurde, die allgemein offene Standards für die Vernetzung von Smart-Home-Geräten entwickelt und verwaltet. Der Unterschied liegt darin, dass Matter dafür da ist, dass die Geräte verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren können, beispielsweise ein Fenstersensor von Firma A mit dem Heizkörper-Thermostat des Unternehmens B. Dafür kommuniziert Matter über ein vorhandenes IP-Netzwerk (Wi-Fi oder Thread).
Aliro ist spezialisiert auf digitale Zugangssysteme, wobei die Kommunikation direkt zwischen Smartphone und Schloss stattfindet. Dabei kommen mehrere Funktechnologien zum Einsatz, die gemeinsam die Bedienung besonders komfortabel und sicher machen.
Direkt am Schloss wird wie bei Kassenterminals NFC (Near Field Communication/Nahfeld-Kommunikation) für Tap-to-Unlock genutzt. Eine willkommene Eigenschaft dieser Technologie ist, dass viele Smartphones dabei einen Modus unterstützen, bei dem NFC auch bei leerem Akku eingeschränkt weiter funktioniert, sodass sich die Tür in solchen Fällen dennoch öffnen lässt.
Zur Vorbereitung von Tap-to-Unlock nutzt Aliro Bluetooth Low Energy (Bluetooth LE). Damit erkennt das Schloss ein kompatibles Smartphone bereits auf mittlerer Distanz und baut eine Verbindung auf. Anschließend wird die Identität des Geräts (beispielsweise über digitale Schlüssel oder Zertifikate) geprüft und die Berechtigung zum Öffnen verifiziert.
Gewöhnlich wird auch ein sogenanntes kryptografisches Challenge-Response-Verfahren durchgeführt. Dabei gibt das Schloss dem Smartphone eine zufällige Aufgabe, die nur ein berechtigter Teilnehmer korrekt beantworten kann, ohne dabei sein geheimes Passwort preiszugeben.
Erst wenn dies erledigt ist, ist das Schloss bereit, die Tür zu öffnen. Das kann theoretisch unmittelbar geschehen, in der Regel ist aber noch ein weiterer Schritt nötig. Neben Tap-to-Unlock über NFC kommt dabei auch oft als weitere Funktechnologie Ultra-Wideband (UWB) zum Einsatz. Sie ermöglicht eine exakte Messung der Distanz zwischen Smartphone und Schloss beziehungsweise Eingabegerät, um die Tür bei einer bestimmten Entfernung automatisch zu öffnen. Dabei gewährleistet UWB eine hohe Sicherheit. Denn sogenannte Relay-Attacken, bei denen Funksignale verlängert werden, sind bei ihr ohne erheblichen technischen Aufwand praktisch nicht durchführbar.
Bestehende Technik ausbaufähig
Um Aliro zu nutzen, muss man nicht unbedingt ein neues smartes Türschloss kaufen, oft genügt ein kompatibles Eingabegerät. Laut dem österreichischen Hersteller Nuki ist sein Keypad 2 NFC, das gestern auf den Markt gekommen ist, das weltweit erste seiner Art im privaten Wohnbereich. ntv.de hat ein Testgerät bestellt und wird seine Erfahrungen damit in Kürze aufschreiben.