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Andauerndes Update-Dilemma Fast jedes Android-Handy ist veraltet

Preview für Android O

Die Android-Vielfalt ist ein großes Problem für das Betriebssystem.

(Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Auf fast keinem Smartphone läuft das aktuellste Android, nur auf einer kleinen Minderheit ist die Version des Vorjahres installiert. Updates kommen spät oder gar nicht. Wird das irgendwann mal besser?

Updates sind in der Android-Welt alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Das war in den vergangenen Jahren so und daran hat sich auch in diesem Jahr nichts geändert. Der offiziellen Statistik nach lief die neueste Version 8.0 alias "Oreo" rund drei Monate nach seiner Veröffentlichung am 9. November gerade mal auf mickrigen 0,3 Prozent der laut Google über 2 Milliarden Android-Geräte weltweit. Bei Android 7 ("Nougat") sieht es etwas besser aus, aber auch hier beträgt der Anteil der Smartphones und Tablets, die die aktuellere Version 7.1 haben, nur 3 Prozent. 17,7 Prozent der Nougat-Geräte sind nicht über Android 7.0 hinausgekommen.

Monatliche Patches sind wichtig

Fast ein Drittel aller Android-Nutzer hat ein Handy, auf dem Android 6 ("Marshmallow") läuft, ein Betriebssystem aus dem Jahr 2015. Das drei Jahre alte "Lollipop" liegt mit rund 27 Prozent auf dem vierten Platz, gefolgt von "KitKat" (2013) mit knapp 14 Prozent. Noch ältere Betriebssysteme haben nur rund 7 Prozent aller Geräte.

Ein veraltetes Android ist nicht nur ärgerlich, weil man eventuell bestimmte Funktionen nicht nutzen kann, sondern es ist oft auch ein Sicherheitsrisiko, weil betagtere Betriebssysteme häufig Schwachstellen haben, die aktuellere Versionen nicht mehr aufweisen. Deshalb wäre es wichtig, dass die Geräte wenigstens zeitnah die Sicherheitspatches erhielten, die Google monatlich veröffentlicht. Doch was das betrifft, sieht es kaum besser aus als bei Android-Updates. Wie Googles Sicherheitsreport 2016 zeigt, versorgen Hersteller vor allem ihre Flaggschiffe zügig mit Sicherheitspatches - aber auch nicht immer. In Europa waren im vergangenen Jahr nur 73 Prozent aller Top-Geräte auf einer Sicherheitsebene, die nicht älter als drei Monate war.

Mehr als zwei Jahre gibt es selten

Die Fragmentierung ist und bleibt ein großes Problem in der Android-Welt. Vier Jahre lang Updates ohne Verzögerung wie bei iPhones, bei denen Geräte und Betriebssystem aus einem Haus kommen, wird es hier für Smartphones und Tablets vielleicht nie geben. Sogar für die eigenen Pixel-Smartphones garantiert Google nur drei Jahre. Technisch ist wahrscheinlich nicht mehr drin, weil unter anderem der Chip-Hersteller danach vielleicht keine Treiber mehr für seinen Chipsatz aktualisiert.

Zwei Jahre sind aber immerhin noch ein Jahr mehr, als Käufer eines anderen Top-Smartphones erwarten dürfen. Besitzer günstigerer Geräte können sogar davon noch träumen. Aber es gibt Ausnahmen. Nokia beispielsweise gibt auch für seine Mittel- und Budget-Klasse Update-Garantien. Erst kürzlich erneuerte Produktchef Juho Sarvikas auf Twitter das Versprechen, auch noch dem Nokia 3 ein Oreo-Update zu bescheren. Bei den Sicherheitspatches sind die Finnen ebenfalls flott, alle Geräte dieses Jahres sind auf dem Stand Oktober 2017. Das Nokia 5 hat sogar schon den November-Patch erhalten.

Treble macht Hoffnung

Umgehende System-Updates kann aber auch Nokia-Hersteller HMD Global nicht liefern. Das ist eigentlich auch nur bei Nexus- oder Pixel-Geräten möglich. Denn verzögerte Aktualisierungen sind nicht unbedingt auf die Unlust des Herstellers zurückzuführen, sondern auf technische und organisatorische Gegebenheiten. Zwischen Fertigstellung des Betriebssystems bei Google und dem Update des Empfängergeräts müssen die Chipsatz-Hersteller Treiber veröffentlichen, bevor die Smartphone-Produzenten loslegen können. Dann folgen noch Tests und Abnahmen. Am Ende steht Googles finale Zertifizierung, auf die die Hersteller oft lange warten müssen.

Gibt es Hoffnung, dass sich die verfahrene Update-Situation bei Android irgendwann mal bessert? Ja, denn mit Android Oreo hat Google "Project Treble" gestartet. Dabei wird das eigentliche Betriebssystem samt Chip-Anpassungen von den Benutzeroberflächen der Hersteller getrennt. So müssen die Einzelschritte nicht mehr koordiniert werden, wodurch Updates theoretisch schneller verteilt werden können.

Wer ein Smartphone hat, auf dem Android 8 läuft, kann mit der App Termux der XDA Developers testen, ob sein Gerät auch sicher Treble unterstützt. Ist die Anwendung geöffnet, gibt man getprop ro.treble.enabled ein und tippt auf Eingabe. Wird "true" angezeigt, ist dies der Fall und man darf hoffen, dass das nächste Update zügiger da ist.

Quelle: n-tv.de

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