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Urbanista Los Angeles im Test Funktioniert ein Kopfhörer mit Solarzellen?

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Der Urbanista Los Angeles tankt auch bei bewölktem Himmel und unter Kunstlicht auf.

(Foto: kwe)

Der Urbanista Los Angeles ist ein schwedischer ANC-Kopfhörer, der über Solarzellen in seinem Bügel Sonnenenergie tankt. ntv.de hat ausprobiert, ob das tatsächlich funktioniert und welche Qualitäten das Gerät akustisch auf die Ohren bringt.

Wer mit seinem Kopfhörer viel unterwegs ist, lädt das Gerät wahrscheinlich irgendwann mal über Nacht auf, wenn die Anzeige bedenklich niedrig ist oder eine Stimme vor einem bald leeren Akku warnt. Beim Urbanista Los Angeles wird das theoretisch nie passieren, denn er hat Solarzellen im Bügel, die die Batterie bei Sonnen- und Kunstlicht aufladen.

ntv.de hat ausprobiert, ob damit Steckdosen hinfällig werden und ob auch der Klang und weitere Eigenschaften 200 Euro für den schwedischen Kopfhörer rechtfertigen.

Hochwertiger erster Eindruck

Der erste Eindruck ist gut. Urbanista verkauft den Los Angeles mit einer robusten Transporttasche mit verstärkten Wänden. Der Bügel des Kopfhörers bleibt frei und man kann die Tasche aufrecht hinstellen, um einen besseren Winkel zur Sonne oder anderen Lichtquellen zu haben.

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Die Solarfläche sitzt auf der Außenseite des Bügels.

(Foto: kwe)

Der Los Angeles macht mit seinem schlichten, aber schicken mattschwarzen Design insgesamt einen sehr stabilen und hochwertigen Eindruck. Nichts knarzt oder klappert und die stufenlos verschiebbaren Muscheln halten ihre Position zuverlässig.

Grundsätzlich ist der 320 Gramm schwere Kopfhörer mit dicken Polstern auch sehr bequem. Allerdings sitzt er sehr straff auf dem Kopf und die Muscheln sind für größere Ohren zu klein, um sie zu umschließen. In so einem Fall kann der Los Angeles ziemlich unangenehm drücken.

Einfache Bedienung

Die Bedienung ist erfreulich einfach gehalten. Der Kopfhörer hat auf der rechten Muschel zwei Lautstärketasten, die zusätzlich durch längeres Drücken einen Song vor- oder zurückspringen. Dazwischen sitzt die Taste zum Pausieren der Wiedergabe sowie zum Annehmen, Beenden oder Ablehnen von Anrufen.

Auf der rechten Muschel sitzt eine Funktionstaste, mit der man zwischen aktiver Geräuschunterdrückung (ANC), verstärkten Außengeräuschen und Standardmodus wechseln kann. Drückt man sie länger, meldet sich auf Wunsch der Sprachassistent.

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In seiner Transporttasche kann man den Kopfhörer zum Auffladen in die Sonne stellen.

(Foto: kwe)

Die Tasten der rechten Muschel sind zwar etwas klein, aber man kann sie durch Erhöhungen auf den Lautstärkereglern gut unterscheiden. Ihr Druckpunkt ist gut und sie verursachen auch kein allzu lautes Klacken im Ohr. Die automatische Trageerkennung arbeitet zuverlässig und schnell. Sobald man den Kopfhörer absetzt, pausiert die Wiedergabe und legt auch ebenso flott wieder los, wenn er zurück auf den Kopf kommt.

Mit der zugehörigen App kann man nicht viel mehr anfangen, als Firmware-Updates durchzuführen. Ihre wichtigste Funktion ist die Ladeanzeige. Damit ist nicht nur der Akkustand gemeint, man sieht auch, ob der Kopfhörer gerade mehr Strom verbraucht als er über die Solarfläche aufnimmt.

Sogar die Novembersonne reicht aus

Und das funktioniert tatsächlich. Auch im November ist mittags die Stromaufnahme bei Sonnenschein größer als der Verbrauch, sogar bei aktiviertem ANC. Allerdings ist der Überschuss recht gering und man lädt den Kopfhörer nicht wirklich auf, wenn man ihn nutzt. Im Frühling und Sommer klappt das sicher besser. Laut Urbanista genügt im Idealfall eine Stunde in der Sonne für bis zu drei Stunden Wiedergabe.

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In der App sieht man, wie viel Strom der Los Angeles gerade verbraucht und über die Solarzellen aufnimmt.

(Foto: kwe)

Abgeschaltet gelang es ntv.de, die Batterieanzeige innerhalb einer Stunde um 1 Prozent zu erhöhen, indem der Kopfhörer in seinem Case im Sonnenlicht auf dem Fensterbrett stand. Bei Kunstlicht lädt der Kopfhörer auch, allerdings muss man dann bei normaler Beleuchtung ziemlich lange warten, bis sich die Anzeige verändert. Zu Hause nutzt man ohnehin besser das mitgelieferte Ladekabel.

Der Los Angeles hält auch ohne Sonnenenergie sehr lange durch. Urbanista gibt 80 Stunden Batteriereserve an. Bei aktiviertem ANC und mittlerer Lautstärke sind geschätzt an die 45 Stunden drin, was eine Top-Laufleistung darstellt.

Gutes ANC, dumpfer Klang

Das ANC ist effektiv, auch wenn es nicht in der obersten Liga mitspielt. Verkehrsrauschen wird gut unterdrückt, im Zug genügt leise Musik, um Umgebungsgeräusche auszublenden. Verschiedene Stufen oder eine individuelle Anpassung bietet das ANC des Los Angeles nicht.

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Klanglich ist der Urbanista Los Angeles eher besserer Durchschnitt als Oberklasse. Seine Bässe haben ordentlich Wumms, aber gelegentlich zu wenig Substanz. Gehen Songs ohnehin ordentlich in die Tiefe, kommen sie manchmal ins Schwimmen und lassen den Mitten zu wenig Raum. Die Höhen könnten etwas klarer sein und mehr Details bieten. Insgesamt ist der Klang etwas dumpf.

Unterm Strich hinterlässt der Urbanista Los Angeles einen zwiespältigen Eindruck. Die Aufladung über die Solarfläche funktioniert wirklich gut und im Sommer kommt man wahrscheinlich tatsächlich ohne Steckdose aus, wenn man mit dem Kopfhörer viel im Freien ist. Die Verarbeitung ist hervorragend und das ANC recht effektiv. Der Kopfhörer klingt aber nicht gut genug, um den hohen Preis von 200 Euro zu rechtfertigen.

Quelle: ntv.de

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