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Nutzer sollen selbst schuld sein Greift Facebook auch Anrufe und SMS ab?

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Das Image von Facebook bröckelt.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Nutzer finden in ihren heruntergeladenen Facebook-Daten auch Anruf- und SMS-Protokolle, die angeblich ohne ihr Wissen angefertigt wurden. Das soziale Netzwerk wehrt sich gegen die Vorwürfe, sagt, die Betroffenen hätten dies so gewollt. Aber stimmt das auch?

Wegen des Cambridge-Analytica-Skandals trauen viele Menschen Facebook jetzt so ziemlich jede Daten-Schufterei zu, die man sich vorstellen kann. Dazu passt, dass "Ars Technica" und andere Medien über Android-Nutzer berichten, die in ihren heruntergeladenen Informationen entdeckt haben, dass das soziale Netzwerk über Jahre hinweg Uhrzeiten und Kontakte aller Anrufe und SMS gespeichert hat. Gewusst hätten sie davon nichts, sagen sie. Wenn das stimmt, wäre dies tatsächlich ein dicker Hund und das I-Tüpfelchen auf der gigantischen Menge von Nutzerdaten, die Facebook abgreift, sammelt und handelt.

Jetzt ist es Opt-in

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So sieht das Protokoll des "Ars Technica"-Redakteurs aus.

(Foto: Ars Technica)

Facebook hat diesmal schnell auf die neuen Vorwürfe reagiert und eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin bestreitet das Unternehmen zwar gar nicht, Anrufe und Nachrichten zu protokollieren. Es wehrt sich aber gegen die Vorwürfe, dies ohne Wissen der Nutzer zu tun. Es handle sich um eine 2015 eingeführte Opt-in-Funktion für Leute, die die Messenger-App oder Facebook Lite nutzten, heißt es in der Stellungnahme. Die Synchronisierung dieser Daten diene dazu, mit den Menschen, die einem wichtig sind, in Kontakt zu bleiben und ermögliche eine bessere Erfahrung über alle Facebook-Funktionen hinweg, so die Erklärung in PR-Sprech. iOS-Nutzer standen nie vor dieser Wahl, weil das Betriebssystem grundsätzlich keinen Zugriff auf Anruf-Daten im Hintergrund gewährt.

Tatsächlich wird Android-Nutzern bei der Anmeldung in der Messenger-App oder Facebook Lite die Option vorgeschlagen, permanent Kontakt-Infos sowie Anruf- und SMS-Protokolle hochzuladen. Sie können die Funktion dann aktivieren, mehr erfahren oder mit "Jetzt nicht" ablehnen. Die "laufende Synchronisierung" kann man auch nachträglich in den Einstellungen ausschalten. Und es gibt eine Webseite, auf der man Einsicht in die gespeicherten Kontakte hat und sie löschen kann. Außerdem versichert Facebook, es würden niemals Inhalte von Gesprächen oder Nachrichten aufgezeichnet, die Daten sicher gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben.

Früher versteckt in App-Berechtigungen?

Also alles im grünen Bereich, die Leute waren halt nur leichtsinnig? Vielleicht doch nicht. Denn "Ars Technica" schreibt, Nutzer hätten bis zur Android-Aktualisierung auf Version 4.1 der kontinuierlichen Synchronisierung von SMS und Anrufen auch unwissentlich zugestimmt, wenn sie bei der Installation von Facebook-Apps akzeptiert hätten, dass Kontakte ausgelesen werden dürfen. Und: Wenn die App auf die Schnittstelle von Android 4.0 ausgerichtet gewesen sei, habe sie auch nach dem Update weiter ohne explizite Zustimmung des Nutzers Anruf- und SMS-Protokolle erstellt, schreibt "Ars Technica". Erst im Oktober 2017 hat Google die alte Schnittstelle deaktiviert. Bis zu diesem Zeitpunkt seien in den gespeicherten Facebook-Informationen diese Daten synchronisiert worden.

Ein betroffener Nutzer versicherte der Website, lediglich 2015 bei der Installation der Messenger-App 2015 die dafür geforderten Berechtigungen akzeptiert zu haben. Auch der Autor des Beitrags fand in seinen Informationen bis Oktober 2017 SMS- und Anruf-Protokolle. Und dass, obwohl die Apps auf den Geräten, die er tatsächlich genutzt habe, gar nicht installiert gewesen seien. Er habe die Messenger-App auf einem Nexus-Tablet und einem Blackphone 2 gehabt. Von einem bewussten Opt-in in die laufende Synchronisierung kann also offenbar in vielen Fällen nicht die Rede sein. Hat Facebook dafür keine plausible Erklärung, ist es mit seiner Stellungnahme nicht vom Haken.

Quelle: n-tv.de, kwe

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