Technik
Facebook sammelt eine Unmenge von Daten und gibt sie auch weiter.
Facebook sammelt eine Unmenge von Daten und gibt sie auch weiter.(Foto: imago/Rene Traut)
Mittwoch, 21. März 2018

Digitale Selbstverteidigung: Ist es Zeit, Facebook zu löschen?

Von Klaus Wedekind

Für Whatsapp-Mitbegründer Brian Acton ist es Zeit, Facebook zu löschen. Gründe dafür gibt es genug - schon vor dem Wirbel um Cambridge Analytica. Nutzer, die nicht so weit gehen möchten, sollten sich wenigstens so gut wie möglich schützen.

Die Aufregung um Cambridge Analytica ist groß, die illegale Verwertung der Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern schlägt hohe Wellen. Der eigentliche Skandal sind dabei zwar die schmutzigen Methoden der britischen Firma, die weltweit Wahlen manipuliert. Doch die Affäre wirft auch ein enthüllendes Licht auf die Praktiken des sozialen Netzwerks, das mit Nutzerdaten wohl einen schwunghaften Handel treibt.

Unbegrenzte Sammelwut

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Ja, Facebook wurde wahrscheinlich tatsächlich selbst betrogen und darf sich auch als Cambridge-Analytica-Opfer betrachten. Doch der Skandal hat auch - mal wieder - ans Tageslicht gebracht, dass das Netzwerk Unmengen von Nutzerdaten sammelt, zusammenführt, auswertet und weitergibt. Nicht ohne Grund hat das Bundeskartellamt Facebook als marktbeherrschendes soziales Netzwerk eingestuft, das "missbräuchlich handelt, indem das Unternehmen die Nutzung des sozialen Netzwerks davon abhängig macht, unbegrenzt jegliche Art von Nutzerdaten aus Drittquellen sammeln und mit dem Facebook-Konto zusammenführen zu dürfen."

Interessant sind in diesem Zusammenhang vor allem die "Drittquellen". Denn dass Likes und andere Aktivitäten auf Facebook oder der Konzerntochter Instagram für zielgerichtete Werbung ausgewertet werden, dürfte selbst den arglosesten Nutzern bekannt sein. Doch wie die Behörde weiter feststellt, gehören zu den Drittseiten "auch Webseiten und Apps anderer Betreiber, auf die Facebook über Schnittstellen zugreifen kann".

Facebook erfährt alles

Wie das funktioniert, beschreibt das Netzwerk teilweise auch selbst auf seiner Info-Webseite. Unter anderem werden vom Besuch über Anmeldungen bis hin zu Einkäufen auf Seiten Informationen gesammelt, die das "Facebook-Pixel" installiert haben. Laut Einschätzung des Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) kann so "das komplette Online-Verhalten des Nutzers durch Facebook nachvollzogen werden.

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Rechtlich ist der Rahmen für die Betreiber der Webseiten sehr eng gesetzt und der Behörde zufolge ist der Einsatz der Tracker "nur aufgrund einer informierten Einwilligung der Kunden zulässig". Doch das BayLDA hat festgestellt, dass Nutzer oft gar nicht oder nur unvollständig über den Pixel-Einsatz informiert werden und kein Widerspruchs-Verfahren (Opt-Out) zur Verfügung gestellt wird.

Ohne Einwilligung kein Abgleich erlaubt

Der Abgleich mit Kundenlisten ist sogar nur erlaubt, wenn Unternehmen vorab die Einwilligung der Nutzer einholen - nicht erst nachträglich. Die eingesetzte Anonymisierung der Namen, Telefonnummern, Anschriften und E-Mail-Adressen könne mit geringem Aufwand entschlüsselt werden, so das BayLDA. Ohne Einwilligung der Betroffenen solche personenbezogenen Daten an Facebook zu verschicken, "ist datenschutzrechtlich unzulässig".

Besonders leicht machen es Nutzer Facebook und Werbepartnern, wenn sie ihr Login zur Anmeldung auf anderen Websites oder in Apps verwenden, die dann eifrig Daten weitergeben. Immerhin wird man zuvor darauf hingewiesen, welche Daten Facebook bekommt.

Smartphone-Nutzer teilen dem Werbe-Netzwerk außerdem über die Facebook-App ihren Standort mit, wenn sie dies in den Kontoeinstellungen nicht deaktivieren. Installierte Anwendungen, deren Anbieter mit Facebook kooperieren, greifen Daten ab, egal ob der Nutzer angemeldet ist oder nicht. Auf jeden Fall weiß das Werbenetzwerk, welche Apps installiert sind, was alleine schon sehr aussagekräftig ist.

Kaum eine Info fällt durch die Maschen

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Wie ein aktueller Alltags-Test von "The Wall Street Journal" zeigt, nutzen auch andere Datenhändler die gesammelten Daten, fügen sie ihren eigenen Informationen hinzu und geben sie wiederum weiter. Summa summarum kommt so ein äußerst engmaschiges Werbe-Netzwerk zusammen, das mehr über Facebook-Nutzer weiß, als sie ahnen. Die "Washington Post" hat 2016 einmal zusammengetragen, was das Geflecht von Datensammlern alles über Facebook-Nutzer weiß. Insgesamt zählt die Zeitung 82 zum Teil sehr persönliche Informationen auf. Sie reichen vom Arbeitgeber bis hin zu Trinkgewohnheiten. "Netzpolitik.org" hat die Liste übersetzt.

Wenn man sieht, was Facebook und seine Werbepartner alles über einen wissen, müsste man eigentlich wie Whatsapp-Mitbegründer Brian Acton zu dem Schluss kommen, dass es Zeit ist, Facebook zu löschen. Seine Meinung teilen jedenfalls viele Twitter-Nutzer, die sich unter dem Hashtag #deleteFacebook vereint haben.

Whatsapp gehört auch dazu

Konsequenterweise müssten Facebook-Verweigerer auch Whatsapp den Rücken kehren und zu dem von Brian Acton und Edward Snowden unterstützten Signal oder einer anderen Alternative wechseln. Aber das ist vorerst wohl noch nicht unbedingt nötig. Whatsapp gehört zwar auch zum Unternehmen, aber noch hält sich Facebook wahrscheinlich an die gesetzlichen Vorgaben und gibt keine Nutzerdaten seines Messengers weiter.

Wie "Golem" berichtet, plant das Netzwerk aber offenbar nach Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutzverordnung einen neuen Anlauf. Außerdem wurden die beiden Firmen in Spanien zu einem Bußgeld verdonnert, weil angeblich Infos über Gerät, App oder Nutzereinstellungen geteilt wurden.

Doch wahrscheinlich sind die meisten Facebook- oder Instagram-Nutzer nicht bereit, sich von ihren sozialen Netzwerken zu trennen. Dann gilt es, sich wenigstens so gut wie möglich der Datenkrake zu entziehen und die entsprechenden Einstellungen vorzunehmen.

Die wichtigsten Einstellungen

In den Einstellungen klickt man im Browser dazu zunächst unter Allgemein auf Privatsphäre und schränkt die Zugriffsmöglichkeiten auf Aktivitäten und die Möglichkeiten, gefunden zu werden, ein. Auch bei Chronik und Markierungen sollte man mit Daten knausrig umgehen. Dann schaut man sich unter Allgemein die Apps an, die mit dem Facebook-Konto verknüpft sein. Bei jeder Anwendung checkt man, ob sie wirklich mehr als das öffentliche Profil sehen muss und löscht sie gegebenenfalls komplett.

Unter Apps, Webseiten und Plugins kann man auch die Anmeldung via Facebook abschalten, in dem man Plattformen deaktivieren klickt. Außerdem ist es eine gute Idee, bei Von anderen Personen verwendete Apps alle Kästchen zu deaktivieren.

Und dann gibt es in den Einstellungen noch den Punkt Werbeanzeigen. Hier sollte man sehr genau Punkt für Punkt abarbeiten. Vor allem bei Deine Informationen ist es ratsam kritisch zu sein. Auf Werbeanzeigen in Apps und auf Webseiten, die nicht zu Facebook gehören kann man ebenso verzichten wie auf Werbeanzeigen mit deinen sozialen Handlungen.

Außerdem kann man unter Werbeanzeigen basierend auf deiner Nutzung von Webseiten und Apps die Funktion nicht nur deaktivieren, sondern auch die European Interactive Digital Advertising Alliance besuchen, wo alle teilnehmenden Unternehmen gelistet sind. Man kann dort versuchen, die nutzerbasierte Werbung für alle Webseiten zu deaktivieren, Verbindungsprobleme verhindern dies aber in vielen Fällen.

Quelle: n-tv.de