Technik
HomePod (links) und Sonos One sind ungefähr gleich groß.
HomePod (links) und Sonos One sind ungefähr gleich groß.(Foto: kwe)
Dienstag, 03. Juli 2018

Apple-Nutzer haben die Wahl: HomePod besser als Sonos One?

Von Klaus Wedekind

Der HomePod klingt prima, so viel steht fest. Aber kann Apples smarter WLAN-Lautsprecher auch gegen den Sonos One bestehen? n-tv.de hat die Geräte einzeln und im Stereo-Duo gegeneinander antreten lassen.

Weil der HomePod schon seit Februar auch in Großbritannien zu haben ist, haben schon viele Apples smarten WLAN-Lautsprecher ausprobiert. Die meisten Tester sind von Siri enttäuscht, vom Klang aber hellauf begeistert. Doch ohne Vergleich ist es leicht zu glänzen, weshalb n-tv.de den HomePod gegen den Sonos One antreten ließ, um zu hören, was er wirklich auf dem Kasten hat.

HomePod unkomplizierter, Sonos One vielseitiger

Der HomePod ist in ein raffiniertes Gewebekleid gehüllt.
Der HomePod ist in ein raffiniertes Gewebekleid gehüllt.(Foto: kwe)

Die Einrichtung ist bei beiden Lautsprechern leicht. Apple macht es aber besonders unkompliziert, man benötigt nicht mal eine App. Einschalten, iPhone neben den HomePod halten und die wenigen folgenden Anweisungen befolgen. Das ist schon klasse, aber das klappt auch nur so gut, weil sich der HomePod ausschließlich mit Apple-Geräten abgibt.

Wegen der Eingleisigkeit braucht man auch nach dem Erstkontakt keine Dienste einzurichten. Gestreamt wird nur Apple Music, basta! Wer Spotify, Deezer & Co. oder eigene Musik auf dem HomePod hören möchte, hat aber wenigstes die Möglichkeit, dies via Airplay zu tun. Doch das funktioniert ebenfalls nur mit Apple-Geräten.

Beim Sonos One müssen iPhone-Nutzer auch keine große Geduld aufbringen, die App identifiziert die Lautsprecher schnell und wenn man nur Apple Music streamen möchte, gibt's auch weiter nicht viel zu konfigurieren. Aber Nutzer haben die Wahl zwischen vielen Streaming-Diensten und wissen, dass künftig weitere hinzukommen. Sonos ist in dieser Hinsicht das genaue Gegenteil von Apple: je mehr Vielfalt, desto besser.

Bei Apple kann man sitzen bleiben

Beide Lautsprecher bieten eine Anpassung des Sounds an ihre Umgebung. Auch hier macht der Sonos One mehr Arbeit, Nutzer müssen, das iPhone schwingend, durch den Raum gehen, während der Speaker laute, fiepende Töne ausstößt. Es lohnt sich, denn je nach Standort kann es hörbare Verbesserungen geben. Probleme gibt's aber bei knarzenden Holzdielen, denn bei der Anpassung darf es keine Umgebungsgeräusche geben.

Mehr Anschlüsse als das Stromkabel gibt's beim HomePod nicht.
Mehr Anschlüsse als das Stromkabel gibt's beim HomePod nicht.(Foto: kwe)

Der HomePod ist da erneut unkomplizierter. Bei ihm muss der Nutzer nichts weiter tun, der Apple-Lautsprecher erledigt die Raumanpassung sozusagen nebenbei. Wie gut das klappt, ist schwer zu beurteilen, da ja kein Vorher-Nachher-Vergleich möglich ist.

HomePod klingt klasse, Sonos One besser

Was man aber auf jeden Fall hört, ist dass der HomePod wirklich sehr gut klingt. Der kleine Zylinder beeindruckt dabei vor allem durch starke Bässe und einen raumfüllenden Sound. Auch die Mitten und Höhen können gefallen und bei Party-Lautstärke vibriert, zischt oder klirrt nichts. In seiner Größenklasse findet man schwer einen WLAN-Lautsprecher, der dem HomePod beim Klang das Wasser reichen kann.

Es geht allerdings doch noch etwas besser, wie der Sonos One zeigt. Seine Bässe sind zwar deutlich zurückhaltender als die des Apple-Konkurrenten, aber sie wirken natürlicher. Ob man das eine oder andere besser findet, ist Geschmackssache. Eindeutig ist die Sache aber bei den entscheidenden Mitten, die der One viel klarer und definierter rüberbringt.

Stereo verstärkt den Eindruck

Beide Lautsprecher haben an der Oberseite eine Touch-Steuerung.
Beide Lautsprecher haben an der Oberseite eine Touch-Steuerung.(Foto: kwe)

Die Vorteile kann der Sonos One aber nur ausspielen, wenn er in Richtung des Zuhörers strahlt. Der Homepod bietet einen 360-Grad-Sound und geht als Sieger vom Platz, wenn er einen Standort in der Mitte eines Raums finden kann.

Sowohl die HomePods als auch alle verschiedenen Sonos-Lautsprecher lassen sich zu Multiroom-Systemen verbinden. Im Test interessierte aber vor allem die Möglichkeit, zwei Geräte zu einem Stereo-Paar zu koppeln. Diese Disziplin ging etwas deutlicher an den Sonos One. Er klingt als Duo einfach doppelt so gut wie als Solist und liefert ein wundervolles Stereo-Erlebnis. Das ist im Prinzip beim HomePod nicht anders, aber im Doppelpack sind seine Bässe noch dominanter und die Mitten noch etwas unschärfer.

Unterschiede nicht allzu groß

Was den Klang betrifft, sieht der Sonos One also wie der klare Sieger aus. Allerdings hat n-tv.de den Vergleich nicht in einer neutralen Test-Umgebung gemacht und in einer anderen Wohnung, in anderen Räumen mit anderer Einrichtung klingt vielleicht der HomePod besser. Die Unterschiede sind nicht sehr groß und nur weil der Sonos One besser klingt, heißt das nicht, dass der HomePod schlecht ist. Er ist der Zweitbeste und bietet ebenfalls einen hervorragenden Klang.

Consumer Reports, das US-amerikanische Stiftung Warentest, ist kürzlich zu einer ähnlichen Ansicht gekommen. Die Profi-Tester finden allerdings auch den hier noch nicht erhältlichen Google Home Max und die 2.0-Anlage Edifier S1000DB klanglich überzeugender.

Dass Siri zuhört, ist beim HomePod nicht zu übersehen.
Dass Siri zuhört, ist beim HomePod nicht zu übersehen.(Foto: kwe)

Letztere sind allerdings keine WLAN-Lautsprecher mit Sprachassistenz, während der Sonos One Amazon Alexa an Bord hat und der HomePod Siri integriert hat. Beim Vergleich beider Assistenten kommt es darauf an, was man von ihnen erwartet. Sollen sie vor allem die Wiedergabe regeln oder Informationen liefern? Wenn es um die Musik geht, macht Siri nämlich eine ganz gute Figur.

Siri hört besser zu, versteht aber weniger

Der HomePod hört Kommandos auch bei hohen Lautstärken meistens problemlos, ohne dass der Nutzer schreien muss. Bei der Spracherkennung hat der HomePod die Nase vorne, da kann der Sonos One nicht mithalten, bei dem man auf zwei Meter Entfernung schon lauter werden muss, wenn die Musik spielt. Siri stellt sich allerdings ziemlich dumm an, wenn man nach englischen Song-Titeln sucht. Aber das geht ihren Kollegen nicht viel besser, wenn die Sprache auf Deutsch gestellt ist.

Wenn's um Informationen und Organisation geht, ist Apples Assistentin nach wie vor keine große Nummer. Sie kann beispielsweise beantworten, wie das Wetter wird, sagen, welches Lied gerade spielt oder eine SMS versenden. Aber sie hat keinen Zugriff auf den Kalender und kann keine E-Mails verschicken. Bei der Steuerung von Smart-Home-Geräten zeigt sie dagegen keine Schwächen, so lange diese nach Apples Regeln spielen.

Diese Disziplin beherrscht Alexa aber ebenfalls bestens und ist auch beim System nicht so wählerisch. Sie spricht außerdem nicht so roboterhaft wie Siri, beherrscht Folgefragen und ist eigentlich in jeder Hinsicht talentierter. Das Gleiche gilt für den Google Assistant, der mit einem Update demnächst ebenfalls auf den Sonos One kommen wird. Dafür kann Apple mit Privatsphäre punkten, Nutzerinformationen werden nicht für Werbung gesammelt und ausgewertet.

Möchte man Alexa beim Sonos One nicht nutzen, schaltet man sie einfach ab und kann dann den Lautsprecher immer noch bequem über die App oder auch Spotify Connect kontrollieren. Nutzt man beim HomePod Siri nicht, klappt das via Airplay ähnlich.

Der Preis macht den größten Unterschied

Unterm Strich ist der HomePod für Nutzer perfekt, die ausschließlich Apple-Produkte haben. Denn für sie ist er supereinfach einzurichten und zu bedienen. Der Klang ist erstklassig und wenn man eh nur Apple Music hat, kann es einem egal sein, dass man mit Spotify & Co. beim HomePod nicht zu Potte kommt. Siris Schwächen spielen ebenfalls kaum eine Rolle, wenn's beim WLAN-Lautsprecher nur um die Musik geht.

Wer aber gerne die Wahl hat oder einen echten digitalen Assistenten wünscht, greift besser zum Sonos One, der auch noch etwas schöner klingt als der HomePod. Außerdem ist er wesentlich günstiger. Einzeln bekommt man ihn für deutlich unter 250 Euro, das Doppelpack gibt's für rund 450 Euro. Der HomePod kostet alleine schon 350 Euro und zwei eben doppelt so viel. Wer auf eine Sprachsteuerung komplett verzichten kann, fährt am besten mit zwei Sonos Play: 1. Sie sind weitgehend baugleich zum One, klingen daher genauso klasse und kosten nur 350 Euro.

Quelle: n-tv.de