Technik

Edel-Uhr mit inneren Schwächen Huawei Watch ist fast perfekt

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Die Huawei Watch ist die derzeit edelste Android-Uhr.

(Foto: jwa)

Die erste Smartwatch von Huawei ist ein Schmuckstück. Sie hat ein kreisrundes Display, ist weniger klobig als die Modelle der Konkurrenz und in verschiedenen Varianten zu haben. Macht sie das zur besten Android-Uhr?

Huawei hat sich Zeit gelassen mit seiner ersten Smartwatch. Bereits auf dem Mobile World Congress im Frühjahr gab es die Uhr zu sehen, in Deutschland wurde sie aber erst während der IFA im September vorgestellt. Jetzt ist sie hier erhältlich, Käufer können zwischen drei Gehäusetypen samt den passenden Armbändern aus Metall oder Leder wählen. n-tv.de hat die Variante mit silbernem Gehäuse und schwarzem Lederarmband getestet.

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An der Innenseite des Edelstahl-Gehäuses der Huawei Watch ist der Pulsmesser.

(Foto: jwa)

Dass man es mit einer hochwertigen Uhr und nicht mit einem belanglosen Technik-Spielzeug zu tun hat, möchte Huawei schon beim Auspacken der Uhr deutlich machen: Sie kommt verpackt in eine schwarze, mit Kunstleder überzogene Schatulle, deren Inneres in beiges Leder ausgekleidet ist - ein Kästchen, in dem man sonst Schmuck oder eben eine teure Armbanduhr erwarten würde. Mit einem Musterbeispiel für Schweizer Uhrmacherkunst haben wir es hier aber natürlich nicht zu tun, sondern mit einer chinesischen Computeruhr, die mit Android Wear läuft.

So gesehen hat die Huawei Watch mehr Ähnlichkeiten mit den anderen Android-Smartwatches, als es Unterschiede gibt. Die Auswahl der digitalen Zifferblätter, der sogenannten Watchfaces, ist ähnlich, die Benutzeroberfläche quasi identisch. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal auf der Software-Seite - wie das clever ans runde Display der Gear S2 angepasste Tizen von Samsung - fehlt der Huawei Watch.

Android Wear macht Fortschritte

Tatsächlich ist Android Wear für runde Smartwatches nach wie vor nicht wirklich ansprechend, die Oberfläche wirkt auch zwei Jahre nach dem Start von Android Wear unreif und wenig ansprechend. Im Alltagsgebrauch treten zudem immer wieder ärgerliche Beschränkungen auf. Ein Beispiel: Wenn mehrere Whatsapp-Nachrichten von verschiedenen Kontakten eintreffen, werden diese nicht einzeln angezeigt und können auch nicht beantwortet werden - das Smartphone muss also doch aus der Tasche geholt werden. Und wenn Benachrichtigungen einmal weggewischt sind - zum Beispiel, weil sie störend ein Drittel des Displays verdecken - können sie nach kurzer Bedenkzeit nicht wieder aufgerufen werden.

Die wichtigsten technischen Daten
  • System: Android Wear 1.3
  • Display: 1,4 Zoll, AMOLED, 400 x 400 Pixel, 286 ppi
  • Prozessor: 1,2 GHz
  • Arbeitsspeicher: 512 MB
  • Interner Speicher: 4 GB
  • WLAN, Bluetooth 4.1
  • Bewegungssensor, Pulsmesser, Barometer
  • Kompatibilität: ab Android 4.3 und iOS 8.2
  • Akku: 300 mAh
  • Abmessungen: 42 x 11,3 mm

Fortschritte sind aber zu erkennen, mit Android Wear 1.3 ist die Bedienung schon deutlich besser und komfortabler geworden. Ein langer Druck auf den Homebutton führt zu den Apps, zur Kontaktliste oder zu weiteren Optionen. Zusätzliches Plus des neuen Android Wear: Die Smartwatches sind jetzt auch mit Apples iOS kompatibel. Zusätzlich zur Standardausstattung von Android Wear gibt es bei der Huawei Watch eine Reihe weiterer Funktionen, zum Beispiel eigene Anwendungen zum Fitness-Tracking, zur Aktivitätskontrolle oder zum Messen der Pulsfrequenz. 

Die Sprachsteuerung wird mit dem Kommando "OK Google" aktiviert. Mit ihr ist es möglich, die Uhr weitgehend berührungslos zu kontrollieren - zumindest theoretisch. Denn im Praxiseinsatz läuft es nicht immer rund. Hin und wieder versteht Google die Spracheingaben auch nach mehreren Versuchen nicht oder falsch, an manchen Stellen geht es nur weiter, indem man doch den Touchscreen bedient.  

Massiv und hochwertig

Doch die Software ist nur die eine Seite. Optisch macht die Huawei Watch etwas her. Das mit Saphirglas geschützte AMOLED-Display mit 1,4 Zoll Durchmesser ist hell und kontrastreich, mit satten Schwarzwerten und guter Ablesbarkeit. Mit 286 ppi ist es recht scharf, doch wer genau hinsieht, erkennt bei Schriften und schrägen Linien eine Rasterung - wirklich störend ist das aber nicht. Ihr größter Vorteil zum direkten Nebenbuhler Moto 360: Sie hat ein wirklich rundes Display, während bei der Motorola-Uhr ein schmaler Streifen schwarz bleibt. Das Gehäuse ist dabei mit 42 Millimetern genauso groß wie die kleinere Variante der neuen Moto 360, der Rand ums Display nicht dicker.

Trotzdem wirkt die Huawei Watch auch an einem durchschnittlichen Herrenhandgelenk recht massiv. Sie klobig zu nennen, wäre übertrieben, doch das 11,4 Millimeter dicke Gehäuse aus teils mattem, teils poliertem Edelstahl erhebt sich deutlich am Handgelenk des Trägers - unterm Hemds- oder Pulloverärmel verschwindet die Uhr nur, wenn man tüchtig nachhilft. Entsprechend schwer fällt es, zu "vergessen", dass man sie trägt, zum Beispiel beim Sport, wo ein dickes Uhrengehäuse eher stört.

Im Gehäuse stecken wie bei den meisten anderen Smartwatches ein Schrittzähler, ein Pulsmesser und ein WLAN-Modul. Ein Helligkeitssensor für die automatische Anpassung der Displaybeleuchtung fehlt leider. Aufgeladen wird der 300-Milliamperestunden-Akku über ein magnetisches Ladedock mit sogenannten Pogo-Pins. Die Laufzeit des Akkus ist durchschnittlich, bei moderater Nutzung und energieschonenden Displayeinstellungen sind anderthalb Tage drin, bei ständig eingeschaltetem Display und reger Nutzung machte der Akku im Test nach rund 7 Stunden schlapp.   

Somit kann sich die Huawei Watch auch hier nicht von den anderen Android-Wear-Konkurrenten abheben. Technische Ausstattung, Akkulaufzeit und Benutzeroberfläche unterscheiden sich kaum von anderen Android-Smartwatches, doch die Huawei-Uhr ist deutlich teurer - in der einfachsten Ausführung (Classic) kostet sie 400 Euro, die teurere Active kostet 450 Euro, je nach Kombination aus Gehäuse und Armband werden 1000 Euro und mehr fällig. Den Unterschied machen das Design und das Material: Wer eine edle und schlichte Android-Wear-Uhr möchte, ist im Moment tatsächlich am besten mit der Huawei Watch beraten. Doch mit der zweiten Generation der Moto 360 steht ein harter Konkurrent schon bereit: Auch diese Smartwatch ist rund und kommt in verschiedenen Ausstattungen, zudem kommt sie in zwei Größen und wird weniger kosten. Wichtigster Vorteil der Huawei Watch: Das wirklich kreisrunde Display. 

Quelle: ntv.de

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