Technik

Steve Jobs einen Korb gegeben Intel könnte iPhone-Scharte auswetzen

10 jahre iphone012.jpg

Das erste iPhone hätte mit einem Intel-Chip auf den Markt kommen können, doch der Hersteller lehnte damals ab.

Apple

Trumps Verbot der Qualcomm-Übernahme durch Broadcom wird Intel mit großer Erleichterung aufgenommen haben. Denn der Chip-Hersteller hätte seine Chance verloren, eine 13 Jahre alte Fehleinschätzung wenigstens ein bisschen wiedergutzumachen.

Für unglaubliche 146 Milliarden Dollar wollte Broadcom Qualcomm gegen dessen Willen übernehmen. Die feindliche Übernahme hätte die gesamte Mobilfunk-Branche erschüttert - schließlich stecken Chips des US-Unternehmens in sehr vielen Smartphones und anderen mobilen Geräten. Besonders dürfte aber Intel aufgeatmet haben, als Präsident Trump überraschend schon vor einem gelungenen Broadcom-Deal das Geschäft untersagte. Denn der US-Chip-Hersteller hätte womöglich seine letzte Chance verpasst, eine vor rund 13 Jahren getätigte, katastrophale Fehleinschätzung wenigstens ein kleines bisschen wiedergutzumachen.

Nicht aufs Bauchgefühl gehört

Wie der ehemalige Intel-Chef in einem Interview mit "The Atlantic" verriet, lehnte er 2005 ein Angebot von Steve Jobs ab, die Prozessoren für das iPhone zu liefern. Der Erfolg des Apple-Smartphones sei zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar gewesen, sagte Paul Otellini. Man müsse bedenken, dass das Angebot kam, bevor das iPhone 2007 vorgestellt wurde und Apple habe einen Preis geboten, der für Intel nicht akzeptabel erschien. Er hätte damals auf sein Bauchgefühl hören sollen, so der Manager. Es habe ihm geraten, Ja zu sagen.

Trotz der kapitalen Fehlentscheidung liefen die Geschäfte für Intel in den folgenden Jahren nicht schlecht, aber der Smartphone-Boom ging an dem Hersteller weitgehend vorbei. Zwar gab es eine Zeitlang noch Versuche, mit Mobil-Prozessoren für Android-Geräte einen Fuß in die Tür zu bekommen. Doch für mehr als Achtungserfolge wie beim Motorola Razr reichte es nicht mehr. Offenbar waren noch Smartphones und Tablets mit Windows 10 geplant, aber das Gemeinschaftsprojekt mit Dell kam nicht mehr zustande - vermutlich weil Intel im Frühjahr 2016 die Entwicklung von Atom-Chips für mobile Geräte endgültig eingestellt hatte.

Deal mit Apple möglich

Ein bisschen "Intel Inside" galt aber nach der Kapitulation trotzdem noch für Smartphones: Intel ist auch ein Hersteller von Funk-Modulen, die in zahlreichen Geräten stecken. Und der US-Hersteller hat unerwartet eine neue Chance bekommen, ins iPhone-Geschäft einzusteigen. Wegen eines andauernden Patentstreits mit Qualcomm plane Apple, Intel als alleinigen Modem-Lieferanten für die neue iPhone-Generation einzusetzen, sagte der renommierte Analyst Ming-Chi Kuo voraus. Einen Teil der Module liefert der US-Hersteller jetzt schon.

Doch auch dieses Geschäft und möglicherweise noch viele weitere Deals hätten sich in Luft auflösen können, wenn Broadcom Qualcomm geschluckt hätte. Intel sei notfalls sogar bereit gewesen, seinerseits Broadcom für noch weit mehr als 146 Milliarden Dollar zu übernehmen, berichtete "The Wall Street Journal".

Für die Zukunft gerüstet

Einerseits liefert Broadcom Apple bereits Bluetooth-Module und andere Bauteile und hätte mit großer Wahrscheinlichkeit als neuer Qualcomm-Eigner eine gütliche Einigung mit Apple erzielen wollen - Intels Exklusivvertrag hätte sich damit in Luft auflösen können. Andererseits wäre durch die Übernahme ein mächtiger Gegner für weitere zukunftsträchtige Geschäftsbereiche entstanden, in die Intel aufgrund der PC-Flaute große Hoffnungen setzt. Dazu gehören das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz oder 5G.

Intel kann jetzt die Kriegskasse geschlossen halten und bekommt vielleicht doch noch einen lukrativen Exklusivvertrag mit Apple zustande. Das macht die 13 Jahre alte Fehlentscheidung nicht wett, aber die Zukunft für den Chip-Hersteller rosiger. Das sehen auch die Börsen so: Der ohnehin schon steigende Kurs der Intel-Aktie hat nach dem Trump-Veto weiter zugelegt.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema