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Experten erklären Displayschäden Ist Samsungs Galaxy Fold noch zu retten?

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Das Galaxy Fold ist schon Samsungs zweites Pannen-Phone.

(Foto: Samsung)

Samsungs Galaxy Fold fällt in den ersten Alltagstests krachend durch, weil das Display reihenweise kaputtgeht. Experten kennen die möglichen Gründe und sehen kaum Hoffnung für das revolutionäre Falt-Smartphone.

Nach dem Debakel um das brandgefährliche Galaxy Note 7 hat Samsung jetzt die nächste große Smartphone-Panne in nur zwei Jahren. Das Galaxy Fold sollte das erste Smartphone mit faltbarem Display eines großen Herstellers werden, Vorserienmodelle waren bereits ausgeliefert, der offizielle Verkaufsstart fest eingeplant. Doch bei den ersten Testgeräten gab es zahlreiche Probleme, von halb bis ganz ausgefallenen Displays über flackernde Anzeigen bis hin zu unerklärlichen Beulen im Display.

Dunkle Vorahnungen bestätigt

Während Samsung aktuell alle Testgeräte wieder zurückruft und den Verkaufsstart auf unbestimmte Zeit verschoben hat, fragen sich alle, wie es zu einem derartigen Fiasko kommen konnte. Auch die Experten von "Ifixit" haben sich ihre Gedanken dazu gemacht - sie sehen Vorahnungen bestätigt und die Erklärungsansätze sollten auch anderen Herstellern zu denken geben.

Vielleicht der wichtigste Punkt: OLED-Bildschirme, wie sie in den meisten High-End-Smartphones heutzutage verbaut werden, sind empfindlich. Sie sind in vielen Punkten besser als LCDs, aber eben auch sehr anfällig und mögen etwa Sauerstoff und Feuchtigkeit gar nicht. Selbst kleinste Risse und Schäden in der Beschichtung können zum Totalausfall führen.

Keine "magische Membran"

Dass es Probleme mit dem OLED des Galaxy Fold geben könnte, war laut Ifixit-Autor Kevin Purdy deshalb absehbar. Nahaufnahmen der Testgeräte, etwa bei "The Verge", zeigen Lücken und Spalten am Scharnier, durch die Staub und Schmutzpartikel leicht ins Innere des Smartphones eindringen können, wenn keine "magische Membran" das verhindert, erklärt Ifixit-Cheftüftler Sam Lionheart. Dass Samsungs Galaxy Fold keine IP-Zertifizierung hat, deutet darauf hin, dass ein solcher Schutz fehlt.

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Das Scharnier des Samsung Galaxy Fold auf einer Röntgenaufnahme.

(Foto: Samsung)

Das würde auch die Beule unterm Display erklären, die unter anderem "The Verge"-Autor Dieter Bohn bei seinem Testgerät beobachtet hat. Sie könnte daher stammen, dass kleine Teile, etwa Schmutzpartikel, durchs Klapp-Scharnier ihren Weg ins Geräteinnere gefunden haben und dort von hinten gegen das OLED-Panel drücken.

Dass eine Schutzfolie auf dem Display von einigen Testern abgezogen wurde, obwohl sie für ein intaktes Display essenziell war, ist eine weitere ärgerliche Panne, die man den unvorsichtigen Testern in die Schuhe schieben kann. Auch das zeigt aber, wie empfindlich das OLED ist, das im Galaxy Fold verbaut ist: Es reicht schon, die Schutzfolie abzuziehen, wie viele Tester es aus Gewohnheit bei einem neuen Smartphone sofort machen, um durch Kontakt mit den Händen und den Fingernägeln und durch ungleichmäßigen Druck aufs OLED das Display zu zerstören.

Dass Samsung diese Schwachstellen vorher nicht erkannt hat, ist fahrlässig. Es hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass der Faltmechanismus von Robotern getestet wurde. Samsungs Roboter haben das Scharnier 200.000 Mal ohne Pannen auf und zu gemacht. Aber sie haben sich dabei nicht eben menschlich verhalten. Jeder öffnet und schließt das Fold anders und übt dabei ungleichmäßigen Druck auf verschiedene Stellen des Geräts aus, erklärt Ifixit-Autor Purdy.

Roboter sind keine Menschen

Die Belastungen, die ein Gerät wie das Galaxy Fold im Alltag aushalten muss, kann kein Roboter realistisch simulieren, und das ist das Problem. Das Falten selbst macht den Geräten nichts aus. Aber schon kleine Schmutz- und Staubteilchen unterm Display oder ungleichmäßiger Druck können dem Gerät zu schaffen machen. Ein weiteres Problem sehen die Ifixit-Experten darin, dass es keine klare Knicklinie in der Mitte des Displays gibt. Das ist zwar ästhetischer, kann aber eben auch dazu führen, dass sich das Display leicht verschiebt.

Wie Samsung die Probleme in den Griff bekommen will, ist völlig offen. In einer kurzen Stellungnahme versichert der Hersteller, den Schutz und die Stabilität des Displays zu verstärken und seine Kunden besser über den Gebrauch und den Schutz des Displays zu informieren. Die genannten Schwachstellen gehen aber auf Mängel in der Konstruktion zurück und lassen sich möglicherweise nicht so einfach beheben, ohne das Design zu überarbeiten und die erste Generation des Galaxy Fold damit noch vor dem offiziellen Verkaufsstart einzustampfen. Für Huawei, das im Juli sein Mate X auf den Markt bringen will, sollte der Fall eine Lehre sein.

Quelle: n-tv.de, jwa

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