Technik

Starker Browser-Neuling Ist Vivaldi besser als Firefox und Co.?

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Ein moderner Klassiker? Vivaldi wird den hohen Erwartungen gerecht.

(Foto: Vivaldi)

Die Macher von Opera stellen einen neuen Browser vor: Vivaldi sieht schick aus, lässt sich bis ins Detail anpassen und bietet viel mehr Funktionen als die herkömmlichen Alternativen wie Firefox, Chrome oder Safari. Ist er damit der neue Browser-Champion?

Browser gibt es reichlich. Die meisten Menschen, die mit Chrome, Firefox, Safari, Internet Explorer oder Edge im Netz surfen, sind zufrieden und haben wohl nur wenig Bedarf nach einer Alternative. Aber haben die gängigen Surf-Hilfen auch für anspruchsvolle Nutzer genug Funktionen und Anpassungsmöglichkeiten? Und was wäre eigentlich, wenn ein Browser noch viel mehr könnte, als man das so gewohnt ist? Die Macher von Vivaldi haben sich diese Fragen gestellt und einen Browser entwickelt, der vieles anders und manches besser macht als die bekannteren Alternativen.

Anders und besser, das bedeutet im Falle von Vivaldi vor allem: mehr. Mehr Funktionen, mehr Schnellzugriffe, mehr Übersicht und mehr optische Anpassungsmöglichkeiten. Der Kopf hinter Vivaldi ist Jón von Tetzchner, Mitgründer und langjähriger Chef von Opera, und Vivaldi ist die Fortsetzung des bei Kennern beliebten Opera-Browsers. Das Projekt ist von ihm selbst finanziert, mit Vivaldi will er Chrome, Safari und Co. zeigen, wo es langgeht.

Vielfalt schon bei der Einrichtung

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Die Startseite: So empfängt Vivaldi die Nutzer.

(Foto: Vivaldi)

Sympathien verdient sich Vivaldi 1.0 vor allem durch seine aufgeräumte, flache Oberfläche, die an andere aktuelle Browser wie Microsofts Edge erinnert, sowie durch seine umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten, auf die unter anderem "Golem" detailliert eingeht. Das geht bei der Einrichtung los: Der Nutzer hat die Wahl zwischen drei hellen und drei dunklen Designs, kann wählen, ob die Tabs oben, unten, links oder rechts angezeigt werden und welches Hintergrundbild die Startseite bekommt.

Bekannt aus anderen Browsern ist die Schnellwahl-Seite mit rechteckigen Kacheln, auf der häufig besuchte Websites landen. Hier können neue Kacheln oder Ordner hinzugefügt werden. Entscheidender Vorteil ist die Tastaturbedienung: Ähnlich wie bei Opera kann auch Vivaldi beim Navigieren durch Webseiten gut mit den Tasten bedient werden. Außerdem gibt es Kurzbefehle für die Tastatur, um Browserfunktionen schnell zu starten. Tastenkürzel können Nutzer selbst festlegen und an ihre Bedürfnisse anpassen. Neben den Tastenkürzeln gibt es viele Mausgesten, die auch mit dem Touchpad funktionieren. Auch hier ist eine gewisse Eingewöhnungszeit nötig, bis die Gesten das Arbeiten wirklich erleichtern und beschleunigen.

Nützliche Paneele

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Twitter im linken Paneel, daneben der Hauptbildschirm: So kann Vivaldi aussehen.

(Foto: Vivaldi)

Nützlich sind die Paneele am linken Rand des Browserfensters, die per Schalter ein- und ausgeblendet werden. Hier werden Lesezeichen und Downloads verwaltet, außerdem gibt es ein Notizfenster, das sich jederzeit neben dem Hauptbildschirm öffnen lässt. Websites können auf Wunsch als Paneel abgelegt werden, das ist besonders praktisch für Nachrichtenseite oder Dienste wie Twitter, die dann in einem beliebig breiten Fenster parallel zum Hauptfenster angezeigt werden.

Wer gerne viele Tabs offen hat, kann diese per Drag and Drop zu Gruppen sortieren – das spart Platz und bringt mehr Übersicht. Tabgruppen können als Kachelvorschau angezeigt, Browsersitzungen gespeichert werden. So kann zum Beispiel eine Websuche zu einem Thema gespeichert werden, ohne stets alle Tabs geöffnet zu lassen. Die Sitzungsfunktion merkt sich den Verlauf der Tabs und speichert die letzte Position auf der Webseite.  

Um bei vielen offenen Tabs nicht zu viel Speicher zu belegen, bedient sich Vivaldi eines Tricks. Wenn man alle Hintergrund-Tabs in den Ruhemodus versetzt, reduziert sich der Ressourcenhunger auf ein Minimum. Der Nachteil: Weckt man Tabs aus dem Ruhestand auf, müssen sie erst wieder gerendert werden, neu geladen werden sie aber nicht. Automatisch kann der Ruhemodus zudem noch nicht aktiviert werden.

Wer bereits mit Opera vertraut ist, wird um die Nutzung von Vivaldi nicht herumkommen, denn viele Funktionen des nicht mehr weiterentwickelten Kritikerlieblings finden sich bei Vivaldi wieder, weitere Elemente dürften mit der Zeit dazukommen, nicht alles ist schon perfekt ausgereift. Vivaldi ist ein toller Browser, der mehr kann als die meisten anderen und in Version 1.0 schon stabil und zuverlässig sowie ressourcenschonend läuft. Surf-Profis und sogenannte "Power User" dürften sich mit Freude auf den Neuzugang im Browserzirkus stürzen. Doch der Durchschnittsnutzer wird die vielen Möglichkeiten von Vivaldi kaum auszuschöpfen wissen geschweige denn die Muße besitzen, sich in die Bedienung einzuarbeiten. Ein Browser für die Masse wird Vivaldi schon deshalb nicht werden. Aber für jeden Internetnutzer mit Anspruch ist er eine willkommene Alternative.  

Quelle: ntv.de, jwa