Jabra Evolve3 75 und 85Diese "bügelfreien" Kopfhörer machen die Arbeit schöner
Von Klaus Wedekind
Der Jabra Evolve3 85 und sein kleinerer Bruder Evolve3 75 sind besonders schlanke und bequeme, aber top ausgestattete Office-Kopfhörer, die ohne Mikrofonarm ausgezeichnete Sprachqualität bieten. Obendrein klingen sie gut, was ein zusätzliches Headset für die Freizeit überflüssig macht.
Im Büro oder Homeoffice sind Headsets mit Mikrofonarm nach wie vor Standard, da sie normalerweise die beste Sprachqualität bei Telefonaten und Videokonferenzen bieten. Der dänische Hersteller Jabra hat jetzt aber zwei Kopfhörer im Sortiment, die das auch "bügelfrei" hinbekommen. Außerdem sind der Evolve3 85 und der Evolve3 75 ausgesprochen leicht und bieten einen hohen Tragekomfort. Und wie der Praxistest von ntv.de ergeben hat, sind sie auch unterwegs, in Pausen und nach Feierabend ein Vergnügen.
Hochwertig, kompakt und sehr bequem
Der Evolve3 85 ist ein Kopfhörer mit ohrumschließenden Muscheln (Over-Ear), während sie beim kleineren Evolve3 75 auf den Ohren aufliegen (On-Ear). Beide Headsets sind nicht nur außergewöhnlich kompakt, sondern auch leicht: Der 85 wiegt nur 220, der 75 180 Gramm. Dafür hat Jabra überwiegend Plastik eingesetzt, aber Aufhängungen und Gelenke bestehen aus Aluminium. Allgemein sind die Kopfhörer einwandfrei verarbeitet und wirken insgesamt hochwertig.
Das Gleiche gilt auch für ihre Etuis, in denen die Headsets flach zusammengeklappt untergebracht werden. Sie sind jeweils nur rund 4 Zentimeter dick, aber trotzdem robust genug, um die Kopfhörer zuverlässig zu schützen
Beide Varianten sind sehr bequem, was unter anderem großzügigen Polstern zu verdanken ist, die mit Stoff statt mit schwitzigem Kunstleder bespannt sind. Die Headsets sitzen fest genug auf dem Kopf, um auch bei stärkeren Bewegungen nicht zu verrutschen.
Der Evolve3 85 drückt auch nach mehreren Stunden nicht unangenehm. Beim 75 kommt es wie bei anderen Kopfhörern dieses Formfaktors darauf an, wie empfindlich die Ohrmuscheln sind. Verträgt man allgemein die sogenannten On-Ears, ist der neue Jabra definitiv eine komfortable Wahl.
Bewährte Steuerung
Erfreulicherweise haben die Dänen auf einen Wechsel zu Touchflächen verzichtet und setzen weiter auf mechanische Tasten. Deren Vielfalt kann für Jabra-Neulinge zwar zunächst verwirrend sein, aber man gewöhnt sich schnell daran, und weiß dann zu schätzen, dass die Funktionen klar verteilt sind. Links sitzen der Ein- und Ausschalter, der gleichzeitig zur Bluetooth-Kopplung dient, sowie eine Taste, um zwischen verschiedenen Modi zu wählen.
Rechts findet man die üblichen Tasten für Telefonate und Musikwiedergabe. Zusätzlich haben die Jabra-Kopfhörer einen separaten Knopf, um bei Gesprächen das Mikrofon ein- oder stummzuschalten. Ansonsten dient die Taste dazu, einen Sprachassistenten aufzurufen.
Auf Wunsch als echter Teams-Player
Die Testgeräte haben zusätzlich in der Mitte der rechten Außenseite eine große Taste, mit der man direkt Microsoft Teams öffnen kann, wenn man angemeldet ist. Hält man den Knopf in einer Videokonferenz länger gedrückt, hebt oder senkt man die Hand. Nutzt man Teams gar nicht oder nur gelegentlich, gibt es die Kopfhörer auch ohne diese Taste.
Immer dabei ist ein USB-Dongle, der im Etui einen festen Steckplatz hat. Er macht die Verbindung mit einem PC besonders einfach und stabil. Die Kopfhörer können dabei nicht nur mit zwei Geräten gleichzeitig verbunden sein, sondern unterstützen mit Bluetooth LE Audio auch Auracast. Damit kann man beispielsweise bei Führungen in Museen den eigenen Kopfhörer nutzen. Für die Verbindung genügt es, einen Code zu scannen.
Guter Klang, befriedigendes ANC
Hochauflösende Codecs bieten Evolve3 85 und 75 leider nicht, trotzdem klingen sie gut. Das gilt speziell für den Over-Ear-Kopfhörer, der nicht nur ausgeglichene Mitten und saubere Höhen, sondern auch besonders kräftige, aber nicht übertriebene Bässe liefert. Beim On-Ear sind die Tiefen nicht ganz so druckvoll, aber trotzdem präsent. Insgesamt können die Jabra-Kopfhörer in ihren Klassen nicht ganz mit den Besten mithalten, platzieren sich aber im oberen Mittelfeld.
Hört man Musik über den Dongle, scheint die Qualität der Wiedergabe noch etwas besser zu sein. Außerdem gibt es die Möglichkeit, in der zugehörigen App verschiedene Klangmodi abzurufen oder mit einem Equalizer Anpassungen vorzunehmen. Der Evolve3 85 bietet auch die Option, Zuspieler über ein Klinkenkabel zu verbinden.
Etwas größer ist der Abstand zur Spitzengruppe bei der aktiven Geräuschunterdrückung (ANC). Beide Kopfhörer unterdrücken gleichmäßiges Rauschen in Zügen oder Flugzeugen effektiv, aber nicht auf dem höchsten Niveau. Bürogeräusche wie Stimmen und klappernde Tastaturen zu dämpfen, gehört nicht zu den Stärken der neuen Jabras. Windgeräusche blenden sie nicht aus, lassen sich davon aber auch nicht wirklich aus der Ruhe bringen.
Der Transparenzmodus der Kopfhörer ist gut. Umgebungsgeräusche haben etwa die gleiche Lautstärke wie ohne Kopfhörer, und wie beim ANC ist auch das Eigenrauschen gering. Die Stärke des Effekts lässt sich in drei Stufen regeln.
Exzellente Gesprächspartner, akzeptable Ausdauer
Eine glänzende Vorstellung boten im Test beide Kopfhörer bei Telefonaten und Videochats. Auch ohne Mikrofonarm isolieren sie mit KI-Unterstützung die eigene Stimme so effektiv, dass Gesprächspartner kaum etwas von der Umgebung mitbekommen, selbst wenn es dort etwas lauter zugeht. Man klingt dabei auch angenehm natürlich. Hinzu kommt, dass man bei aktiviertem ANC in sechs Stufen einstellen kann, wie stark man die eigene Stimme hören möchte. Wie zu erwarten war, ist auch hier der größere Evolve3 etwas besser, speziell die Stimme hat mehr Volumen.
Der 85 hat auch wenig überraschend bei der Laufzeit die Nase vorn, immerhin spielt er bei aktiviertem ANC etwa 20 bis 25 Stunden Musik ab. Für seine Größe ist der Evolve3 75 mit ungefähr 17 bis 19 Stunden aber ziemlich ausdauernd. Bei beiden Headsets genügen bei einem leeren Akku fünf Minuten am Netzteil, um ohne ANC wieder rund fünf Stunden Musik hören zu können.
Beide Kopfhörer lassen sich auch induktiv auf einer beliebigen Qi-Station auftanken. Jabra bietet entsprechendes Zubehör an, das man allgemein für etwa 50 Euro bekommt. Der Hersteller selbst verkauft die Station im Bundle mit einem der beiden Evolve3-Headsets, der Jabra-Store ist allerdings eine viel zu teure Option, um Kopfhörer und Zubehör zu kaufen.
Der Evolve3 85 kostet dort fast 690 Euro, der 75 mehr als 480 Euro. Im Online-Handel findet man die Geräte stattdessen bereits für rund 400 beziehungsweise 270 Euro.
Fazit
Wer einen Bügelkopfhörer sucht, der bei der Arbeit ein echter Profi, aber auch in der Freizeit ein unterhaltsamer und kompakter Begleiter ist, findet im Jabra Evolve3 85 oder 75 nahezu ideale Kompromisse. Kauft man die Headsets nicht direkt beim Hersteller, bieten sie auch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

