Technik

Ein iPad ist doch kein Ersatz Laptops feiern in Corona-Krise Comeback

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In der Corona-Krise kaufen vor allem Unternehmen für ihre Mitarbeiter im Homeoffice Laptops.

(Foto: imago images/MiS)

Weil in der Coronavirus-Krise viele Menschen zu Hause arbeiten, steigt die Nachfrage nach Laptops kräftig an. Die Menschen stellen fest, dass im Ernstfall ein iPad kein echter PC-Ersatz ist. Doch das Virus macht auch den Notebook-Herstellern schwer zu schaffen.

Nachdem es laut Statista bis 2016 mit den Laptop-Verkäufen stetig bergab gegangen war, hat sich der Markt für die mobilen Computer in den vergangenen Jahren stabilisiert. 2019 stieg der weltweite Absatz sogar wieder leicht von 162,3 auf 166 Millionen Geräte. Das liegt zu einem guten Teil am Support-Ende für Windows 7. Andererseits haben sich die Hersteller etwas einfallen lassen, um mit Lifestyle-Geräten das Laptop aus der Langweiler-Ecke zu holen. In erster Linie aber sind Notebook-Käufer Menschen, die ein Arbeitsgerät brauchen. Und so ist es kein Wunder, dass in der Coronavirus-Krise die Nachfrage nach den Klapp-Rechnern kräftig steigt.

Schon Mitte März berichtete die "Financial Times", europäische Unternehmen horteten Laptops, um genügend Geräte für ihre Mitarbeiter im Homeoffice zu haben. Ein italienischer Händler sagte, bei ihm sei die Nachfrage um das 20-fache gestiegen, nachdem die Regierung die Ausgangssperren verordnet hatte. Der größte britische Computerhändler sagte der "Financial Times", die großen Unternehmen hätten massiv bestellt und legten auch keinen allzu großen Wert mehr auf prestigeträchtige Namen. Kleinere Betriebe kauften "in Panik" einfach alles, was zu haben ist.

Tablets noch kein echter PC-Ersatz

Wenn es hart auf hart kommt, sind Tablets offensichtlich doch in den meisten Fällen kein echter PC-Ersatz. Sie dienen in erster Linie der Unterhaltung. Selbst das iPad Pro kann bei der Produktivität (vorerst) nicht mithalten. Mit dem jüngsten iPadOS-Update, das Maus- und Trackpad-Unterstützung bringt, ist Apple zwar auf dem richtigen Weg. Aber man sieht auch, dass das Unternehmen das Bedürfnis nach solchen Eingabemethoden unterschätzt hat. Microsofts Surface-Tablets mit Tastatur könnte man als Gegenargument bringen. Allerdings sind sie voll funktionsfähige PCs, was auch für ähnliche Windows-Geräte gilt.

Denn auch wenn die Hardware eines iPad Pro konkurrenzfähig ist, ist es iPadOS noch nicht. Unternehmen wollen systemübergreifend die Kontrolle behalten und entsprechend Software einsetzen, die auf Windows- oder Mac-Rechnern läuft. Diese ist aber nur selten mit iPadOS kompatibel, wenn nicht die gesamte Infrastruktur auf Apple abgestimmt ist. Und selbst dann ist ein MacBook immer noch die bessere Wahl fürs Homeoffice.

Markus Seifert von Fujitsu sagt auf "ChannelPartner": "Teils wurden Tablets gekauft, ohne vorher die Nutzungsszenarien zu analysieren." Sein Dell-Kollege Marcus Reuber ergänzt, Tablets und Smartphones seien in den meisten Fällen lediglich Ergänzungen, könnten klassische Notebooks aber nicht ersetzen. Laptop-Aussteiger Samsung sieht zwar die Zukunft immer noch in Premium-Tablets, akzeptiert aber auch, dass Convertibles und 2-in-1-Geräte vorne mitspielen.

Der Nachschub bleibt knapp

Laptops sind aber nicht nur Krisengewinnler, sondern wie andere Elektrogeräte auch Pandemie-Verlierer. So berichtet "The Wall Street Journal" über leergekaufte Notebook-Regale in den USA, die wegen Nachschubproblemen nicht wieder aufgefüllt werden könnten. Das Problem sind die Fabriken in China, die monatelang stillstanden.

Zwar laufen die Bänder dort allmählich wieder an, doch es wird noch einige Zeit dauern, bis Lieferketten wieder vollständig hergestellt sind. Und letztlich muss auch immer noch der Transport funktionieren. Außerdem habe die Branche schon vor der Coronavirus-Krise mit einer Chip-Verknappung zu kämpfen gehabt, weil Intel nicht genug produzieren konnte, schreibt "The Wall Street Journal".

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So könnte sich der Krisen-Boom für die Notebook-Hersteller als Strohfeuer herausstellen. Canalys-Analysten rechnen damit, dass sich der Nachschub erst im dritten Quartal wieder normalisieren wird. Dies führe insgesamt zu einem Rückgang der PC-Verkäufe um mindestens 3,4 Prozent, im schlimmsten Fall um 9 Prozent.

Wer jetzt noch ein Laptop kaufen möchte, muss sich also vielleicht in den kommenden Wochen auf steigende Preise einrichten. Aktuell schlägt sich die verstärkte Nachfrage im Online-Handel aber kaum nieder. Zwar erreichen die Preise kaum mehr Schnäppchen-Niveau, es gibt aber bisher noch genügend faire Angebote. Möglicherweise wird die Gier der größeren Unternehmen durch die Kaufzurückhaltung von existenziell bedrohten Firmen, Selbständigen und Arbeitnehmern ausgeglichen.

Quelle: ntv.de