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Super-App mit Bezahlfunktion Macht Musk Twitter zum Wechat-Klon?

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Elon Musk will Twitter offenbar zur Cashcow machen.

(Foto: IMAGO/UPI Photo)

Der bekannte Analyst Ming-Chi Kuo geht davon aus, dass Elon Musk Twitter zur "Super-App" umbauen möchte, um den Umsatz des Unternehmens zu verfünffachen. Als Vorbild soll das chinesische Wechat dienen, das unter anderem einen Bezahldienst à la Paypal beinhaltet.

Ming-Chi Kuo ist vor allem durch seine treffsicheren Voraussagen zu kommenden Apple-Produkten bekannt. Doch der Analyst kennt sich auch sonst in der Hightech-Branche sehr gut aus. Umso interessanter ist sein jüngster Tweet, indem es um Elon Musks Pläne zum Umbau von Twitter geht. Kuo erwartet, dass der Multimilliardär den Dienst nach der geplanten Übernahme zu einer "Super-App" im Stil von Wechat macht, um seine enorm hochgesteckten finanziellen Ziele zu erreichen.

Musk: Wechat "herausragende App"

Kuo bezieht sich in seinem Tweet auf eine Podiumsdiskussion, in der Musk von Wechat geradezu schwärmte. Es sei wirklich eine "herausragende App", zitiert ihn "Decrypt". Wer in China lebe, mache quasi alles mit Wechat. "Es ist so etwas wie Twitter, plus Paypal, plus eine ganze Reihe anderer Dinge. Und das alles mit einer großartigen [...] Benutzeroberfläche."

Außerhalb Chinas gebe es so etwas nicht, so Musk. Eine solche App "wäre wirklich nützlich", da sie jenen, die Content produzierten, auch eine Einnahmequelle böte. Zahlungen, ob Kryptowährung oder Fiat, könnten aus dieser Perspektive "sehr sinnvoll" sein, sagte Musk.

"Es muss irgendwie passieren"

So eine Super-App müsse nicht auf Twitter basieren, sagte der Multimilliardär. "Es könnte etwas Neues sein, aber ich denke, dieses Ding muss existieren." Es solle eine "maximal vertrauenswürdige und integrative" Plattform sein, auf der Menschen verschiedene digitale Aufgaben erledigen könnten und wichtige Ideen diskutiert würden. "Wir wollen einfach etwas, das unglaublich nützlich ist und das die Leute gerne benutzen. Es muss irgendwie passieren."

Wechat wird vom chinesischen Internet-Giganten Tencent betrieben, der die Chat-App zu einer multifunktionalen Plattform ausgebaut hat. Man kann damit unter anderem Essen oder Taxis bestellen, Arzttermine buchen und Rechnungen bezahlen. Die App bietet aber auch eine Partner- oder Jobvermittlung, ersetzt Facebook und ist eine Plattform für Web-Shops.

Kuo: "Twitter Pay könnte besser als Wechat Pay sein"

Twitter biete möglicherweise nicht die Vielfalt an persönlichen Multimedia-Abonnements wie Tencent, schreibt Kuo. Mit Musks Erfahrung als Paypal-Mitgründer könne Twitter aber möglicherweise Abonnements im Zusammenhang mit Finanzdienstleistungen anbieten, was Tencents Bereich Fintech & Business Services (Finanztechnologie und Unternehmensdienstleistungen) entspräche. Laut Kuo machte der Konzern alleine mit diesem Bereich im vergangenen Jahr umgerechnet rund 24,5 Milliarden Euro Umsatz.

Auf den Bezahldienst Wechat Pay kann laut Kuo in China fast niemand verzichten. "Twitter Pay" habe das Potenzial ähnlich gut oder durch die Einbindung von Kryptowährung sogar noch besser zu sein, schreibt der Analyst. Eine Wechat-ähnliche App beziehungsweise ein Tencent-ähnliches Geschäftsmodell sei der wahrscheinlichste Weg, um Elon Musks finanzielle Ziele mit Twitter zu erreichen.

Musk will Umsatz verfünfachen

Der Tesla-Chef präsentierte der "New York Times" zufolge einen Plan, der eine Umsatzsteigerung von 5 Milliarden (2021) auf 26,2 Milliarden Dollar 2028 vorsieht. Bisher macht Werbung mit 90 Prozent den Löwenanteil aus, künftig sollen es weniger als 50 Prozent sein, was aber nach Musks Rechnung immer noch 12 Milliarden Dollar sind. Über Abonnements sollen nahezu 10 Milliarden Dollar generiert werden, der Rest soll aus Geschäften wie der Datenlizenzierung kommen.

Mit einem Bezahldienst möchte Musk zunächst kleinere Brötchen backen, für 2023 strebt er Einnahmen in Höhe von 15 Millionen Dollar an, die bis 2028 auf 1,3 Milliarden Dollar ansteigen sollen. Bis dahin will er die Gesamtzahl der Nutzer von aktuell 213 Millionen auf 913 Millionen mehr als vervierfachen und den Umsatz pro Nutzer von 24,83 auf 30,22 Dollar steigern.

104 Millionen Kunden von werbefreiem Abo

Bei einem von Musk als X bezeichneten Posten geht die "New York Times" davon aus, dass es sich dabei um ein werbefreies Twitter-Abo handelt. Laut Investor-Präsentation soll es dafür 2023 bereits 9 Millionen Kunden geben, in sechs Jahren 104 Millionen.

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Musk hatte ausgehandelt, Twitter für insgesamt 44 Milliarden Dollar zu kaufen. Wie er den Deal finanzieren will, ist nicht ganz klar. Er will sich 13 Milliarden Dollar leihen und das mit einem Teil seiner Tesla-Aktien absichern. Er hat sich bereits einen weiteren Kredit von bis zu 6 Milliarden Dollar gesichert und dafür Twitter-Aktien hinterlegt. Außerdem will Musk Investoren ins Boot holen, die bis zu 27 Milliarden Dollar beisteuern sollen. Er soll auch Twitter-Aktionären mit großen Anteilen angefragt haben, ob sie ihr Geld in dem Unternehmen lassen könnten, statt sein Bar-Angebot anzunehmen.

Wie bei solchen Deals üblich, wird ein Großteil des Schuldendienstes dem Unternehmen aufgebürdet. "Bloomberg Intelligence" schätzt, dass Twitter bis zu einer Milliarde Dollar jährlich zahlen müsste. Im vergangenen Jahr lag die Summe bei etwas mehr als 50 Millionen Euro. Das zeigt, wie dringend Twitter bei einer Übernahme durch Musk seine Einnahmen erhöhen muss.

Quelle: ntv.de

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