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Verkaufs-Flop trotz Top-Technik? Niemand will das iPhone 8

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Geringes Interesse: iPhone 8 und 8 Plus stehen im Schatten des iPhone X.

(Foto: Apple)

Apples starkes Smartphone-Duo iPhone 8 und 8 Plus hat viel zu bieten. Doch die Nachfrage ist gering, wie aktuelle Zahlen zeigen. Schuld daran ist Apple selbst - ernsthafte Sorgen muss sich der Hersteller aber wohl kaum machen.

Es gibt Dinge in der Technik-Welt, auf die kann man sich verlassen. Wenn etwa Apple ein neues iPhone vorstellt, läuft es normalerweise so, dass das Gerät kurze Zeit später im Handel erhältlich ist, binnen weniger Tage Millionen von Vorbestellungen eintrudeln und die Kunden Apple die Handys förmlich aus den Händen reißen. Beim iPhone 8 ist das aber anders: Das Smartphone hat die undankbare Rolle, unweigerlich im Schatten des iPhone X zu stehen. Das spiegelt sich auch im Kundeninteresse wider. Vereinfacht gesagt: Niemand will das iPhone 8.

Wenig Begeisterung

Spürbar war das schon während des Events zur Vorstellung der neuen Geräte: Obwohl Tim Cook und Konsorten viel Zeit darauf verwendeten, das 8er-Duo mit all seinen Vorzügen anzupreisen, wollte der Funke im Publikum nicht so recht überspringen - alle warteten auf das "One more thing", das iPhone X, das im Vorfeld bereits so umfassend geleakt wurde, dass alle wussten, was noch kommen würde.

Dabei haben es diejenigen, die aufs iPhone X warten, alles andere als leicht. Anfang November sollen zwar die ersten Geräte endlich ausgeliefert werden, doch der hohen Nachfrage kann Apple nicht einmal ansatzweise gerecht werden. Zum Verkaufsstart am 3. November sind wohl nur 2 bis 3 Millionen Geräte zu haben, bis Weihnachten vielleicht 25 bis 30 Millionen Geräte. Viele werden bis Februar oder März warten müssen, bis sie eines der begehrten iPhones bekommen.

Produktion zurückgefahren

Nun könnte man meinen, dass ungeduldige Käufer sich dann doch für ein iPhone 8 entscheiden, doch das ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Nachfrage ist so gering, dass Apple inzwischen, nur wenige Wochen nach dem Marktstart, die Produktion des iPhone 8 und 8 Plus um beinah die Hälfte zurückgefahren hat, meldet Forbes unter Berufung auf Meldungen von Reuters und der chinesischen "Economic Daily News". Da half es wohl auch nicht, dass Apple mit dem Tag der Vorstellung der neuen Modelle den Verkauf der 256-Gigabyte-Versionen des iPhone 7 und 7 Plus eingestellt hat, um die Verkäufe der neuen Geräte anzukurbeln, wie "PhoneArena" berichtet.

Nach dem ersten Wochenende im Verkauf kamen die neuen 8er-Modelle auf einen weltweiten Marktanteil von 0,3 und 0,4 Prozent, basierend auf den Nutzerzahlen, die ihre Geräte erhalten und in Betrieb genommen haben. Die von "Localytics" ermittelten Zahlen zeigen, dass die Nachfrage nach dem iPhone 8 deutlich niedriger ist als nach dem iPhone 7 (1 Prozent Marktanteil nach dem ersten Wochenende) und dem iPhone 6 (2 Prozent). Das Plus-Modell ist mit 0,4 Prozent aber stärker nachgefragt als die Vorjahresmodelle (7 Plus: 0,2 Prozent; 6 Plus: 0,3 Prozent). Das liegt womöglich am guten Ruf der starken Kamera, die einen Mehrwert zum kleineren Modell bietet.

Design zu altbacken?

Laut "PhoneArena" verkauft sich aktuell sogar das iPhone 7 besser als das iPhone 8. Denn obwohl das in vielen Belangen dem Vorgänger überlegen sei, sähen die Käufer keinen ausreichend großen Unterschied zwischen beiden Modellen und entschieden sich daher fürs Vorjahresmodell, um Geld zu sparen. Das iPhone 7 gibt's bei Apple aktuell ab 629 Euro, das iPhone 8 kostet mindestens 799 Euro.

Verübeln kann man es den Sparern nicht. Dass der Verkaufs-Flop vor allem mit dem Design zu tun hat, das in seinen Grundzügen seit 2014 nicht mehr verändert wurde, darin sind sich Kenner einig. Wer jetzt ein iPhone 8 kauft, wird spätestens im kommenden Jahr ein Smartphone haben, das zwar technisch top ist, aber ein veraltetes und auf den ersten Blick unzeitgemäßes Design hat. Im Hinblick auf die zu erwartenden Rekordumsätze im kommenden Jahr, wenn das iPhone X flächendeckend verfügbar ist und im Herbst dann schon das nächste Upgrade ansteht, kann Apple die stagnierenden Verkaufszahlen sicher verkraften.

Ärgerlicher ist es da schon, wenn die Kunden zur Konkurrenz überlaufen. Genau das empfiehlt das unabhängige Verbraucherportal Consumer Reports (CR), meldet FoxNews: Samsungs Galaxy S8 und das S8+ schneiden im Vergleich etwas besser ab (81 Punkte) als das iPhone 8, das mit 80 Punkten gleichauf mit dem Galaxy S7 liegt. Im direkten Vergleich empfiehlt CR trotzdem das S7, weil es eine bessere Akkulaufzeit und höhere Gesprächsqualität biete. Ob treue Apple-Kunden deshalb aber zu Samsung überlaufen, ist fraglich. Viele werden wohl schlicht abwarten und dieses Jahr gar kein neues iPhone kaufen. Gründe dafür gibt es genug.

Quelle: n-tv.de

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