Technik

Ganz nah am iPhone 6 Oneplus X ist ein edles Top-Schnäppchen

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Edles Oneplus X: Das glatte Schwarz des Gehäuses reflektiert Farben und Licht.

(Foto: jwa)

Das Oneplus X ist eines der schönsten Smartphones des Jahres: kompakt, perfekt verarbeitet, edel anmutend - und dabei fast schon unverschämt günstig. Gibt es auch einen Haken?

Wer an die Haptik eines iPhone 6s gewohnt ist, wird sich nur schwer wieder umgewöhnen können. Das gewölbte Display-Glas, das leicht mattierte Metallgehäuse, die kompakte Form - es gab in diesem Jahr nur wenige Android-Smartphones, die dem Apple-Flaggschiff in dieser Hinsicht das Wasser reichen konnten. Die meisten waren entweder zu groß und zu klobig oder es fehlte ihnen schlicht an Eleganz. Kurz vor Jahresende kommt nun aus China ein Smartphone, das dem iPhone zumindest haptisch nahe kommt. Das Oneplus X ist ein Smartphone-Juwel aus Glas und Metall, es fühlt sich toll an - und es kostet nur einen Bruchteil der in der Oberklasse üblichen Preise.

Es ist das dritte Smartphone des chinesischen Herstellers Oneplus und der Nachfolger des im Sommer vorgestellten Oneplus 2. Das Medieninteresse ist dieses Mal nicht ganz so hoch wie bei den Vorgängern, doch während beim Oneplus 1 die anfängliche Begeisterung über das schier unmögliche, weil zu gute Preis-Leistungsverhältnis recht schnell dem Ärger über ein kompliziertes Einladungssystem und andere PR-Flops gewichen war, überwiegt jetzt das Lob. Die umständlichen Einladungen gibt es zwar nach wie vor, doch das Oneplus X ist einfach zu günstig und echte Leckerbissen in seiner Größenklasse sind zu selten, um sich darüber aufzuregen.

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Handliches Format: Das Oneplus X hat eine gute Größe.

(Foto: jwa)

Es hat ein 5-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung und ist dabei kaum größer als das iPhone 6s mit seinen 4,7 Zoll. Die Pixeldichte ist höher, was bei genauem Hinsehen auch auffällt - das Display des Oneplus X ist schärfer und nicht merklich dunkler als der Bildschirm des iPhone 6s. Die Amoled-Technologie beschert dem Fünfzöller zudem konstant gute Darstellung auch bei schrägen Blickwinkeln, satte Kontraste und ein tiefes Schwarz, das die Grenzen des Displays verbirgt - ein schöner Effekt besonders bei dunklen Hintergründen, bei denen der Bildschirm nahtlos ins Gehäuse übergeht und ein Rand nicht sichtbar ist.

Clevere Details

Wie das iPhone, das HTC One A9 und das Huawei Mate S hat auch das X ein sogenanntes 2,5-D-Displayglas. Auch die Rückseite steckt hier aber hinter gewölbtem Glas - eine schöne Symmetrie und dank glatter Oberfläche mit Antifett-Beschichtung ein Schmeichler für die Hand, auch wenn der geriffelte Metallrand scharfkantig ist. Interessantes Ausstattungsdetail: An der linken Seite befindet sich ein dreistufiger Schalter ("Alert Slider") für die Lautstärkeprofile "Alle Benachrichtigungen", "Nur wichtige Unterbrechungen" oder "Keine Unterbrechungen" - hier dürfte Apples Lautlosschalter Pate gestanden haben, nur dass Oneplus noch eine dritte Zwischenstufe anbietet.

Die wichtigsten technischen Daten
  • System: Android 5.1.1, Oxygen OS 2.1.2
  • Display: 5 Zoll AMOLED, Full HD (1920 x 1080 Pixel), 441 ppi
  • Prozessor: Snapdragon 801, Quad Core, 2,3 GHz
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 16 GB + Micro-SD
  • Kamera: 13 MP
  • Frontkamera: 8 MP
  • Akku: 2525 mAh
  • LTE, WLAN 2,4 GHz b/g/n, Bluetooth 4.0
  • Dual-SIM/1 Nano-Sim und 1 Micro-SD
  • Abmessungen: 140 x 69 x 6,9 mm
  • Gewicht: 138 g

  Der Prozessor des bisher kleinsten Oneplus-Smartphones ist bereits betagt: Der Snapdragon 801 war Anfang 2014 ein Top-Chipsatz. Inzwischen gibt es neuere, sparsamere Modelle mit besseren Grafik-Einheiten, doch der 801 ist nach wie vor flott und im Praxiseinsatz über Zweifel erhaben. Das mag auch an der schlanken Software liegen, bei der Oneplus bis auf einige wenige zusätzliche Optionen und Funktionen wie Gestensteuerung, ein UKW-Radio oder App-Berechtigungen auf nahezu pures Android setzt. Besonders die Gesten sind nützlich, sie erlauben zum Beispiel bei ausgeschaltetem Display das Aufwecken des Telefons durch zweimaliges Klopfen, die Steuerung der Musik oder das Starten der Kamera. Nutzer können zudem frei wählen zwischen Navigationstasten auf dem Bildschirm oder den nahezu unsichtbaren kapazitiven Tasten unterm Display. Allen drei Tasten können je zwei weitere Funktionen bei langem Druck oder Doppeltipp zugeordnet werden.

Im Test traten gelegentliche Aussetzer des Touchscreens auf, ein Problem, das auch schon bei den Vorgänger-Modellen für Unmut unter den Nutzern sorgte. In diesen Fällen reagierte der Touchscreen nicht oder erst nach langer Wartezeit auf Eingaben, Links in Benachrichtigungen von Chrome konnten nicht durch Tippen geöffnet werden. Unklar ist, ob das ein Problem der Hardware oder der Software ist.

Die Kamera ist der Schwachpunkt

Trotzdem: Weder Verarbeitung noch Nutzererlebnis lassen auf den ersten Blick auf ein Mittelklasse-Smartphone für unter 300 Euro schließen. Anders ist das aber bei der Kamera, die nicht über Mittelklasse-Niveau herauskommt - hochwertigere Komponenten hätten den Preis für das Smartphone unweigerlich nach oben schnellen lassen. Die App ist mager und bietet kaum mehr als grundlegende Funktionen, manuelle Einstellungsmöglichkeiten finden sich kaum. Bei Tageslicht gelingen akzeptable und scharfe Bilder, die korrekt belichtet sind. Im Dunkeln knickt die Kamera aber schnell ein, Fotos werden verwaschen, detailarm und verrauscht. Auch die Frontkamera mit üppigen 8 Megapixeln Auflösung kann vor allem bei Tageslicht überzeugen.

Die Angst der Kritiker vor einem zu knapp bemessenen Akku ist indes unbegründet. Das Amoled-Display hilft beim Energiesparen, im Standby ist der Stromverbrauch sehr gering. Im Test hielt das Smartphone im gemischten Einsatz einen ganzen Tag durch, bevor es an den Strom musste, bei sparsamerer Nutzung sind auch anderthalb Tage drin. Spitzenleistungen erzielt der Akku damit nicht, doch seine Ausdauer liegt auf einem Niveau mit der teureren Konkurrenz.

Damit hat das Oneplus X kaum Schwachpunkte, aber viele Argumente, die für einen Kauf sprechen. Wer sich mit der mittelmäßigen Kamera abfinden kann und die gelegentlich auftretenden Touchscreen-Probleme akzeptiert, die durch ein angekündigtes Software-Update eventuell behoben werden können, bekommt für 270 Euro ein wirklich tolles Smartphone, das sich in Gesellschaft der High-End-Konkurrenz nicht zu schämen braucht.

Quelle: ntv.de

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