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Smartphone als Desktop-Ersatz Samsung Dex macht Galaxy S8 zum PC

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Mit dem Dex-Dock wird das S8 zum PC - fast.

(Foto: jwa)

Mit dem Smartphone-Dock Dex will Samsung das Galaxy S8 zum Desktop-Ersatz machen. Die Voraussetzungen sind gut, aber kann Dex den Praxistest bestehen und eine "Desktop Experience" bieten?

Samsungs Galaxy S8 ist ein kleiner Kraftprotz, mit seinem Exynos 8895 oder dem Snapdragon 835 und 4 Gigabyte Arbeitsspeicher gibt es kaum ein Einsatzszenario im Alltag, das das Flaggschiff ernsthaft ins Schwitzen bringt. Aber taugt es auch als Ersatz für den Desktop-PC? Mit seiner Docking-Station Dex ("Desktop Experience") will Samsung genau das beweisen - n-tv.de hat sie ausprobiert.

Skepsis ist zuerst einmal angebracht, wenn ein Hersteller sein Smartphone als PC-Ersatz bewirbt. Zuletzt versuchte es Microsoft mit Continuum, das Mobilgerät als Rechner ohne viel Komfortverlust an einen großen Bildschirm anzuschließen. Davon war aber zuletzt nicht mehr viel zu hören. Im ersten Praxiseinsatz von Dex rücken die Zweifel vorerst in den Hintergrund, denn das System präsentiert sich von seiner besten Seite.

Leichte Einrichtung

Die Einrichtung des Docking-Systems könnte einfacher nicht sein. Dex ist nicht viel mehr als ein schwarzer Plastik-Puck mit ein paar Anschlüssen, dessen Deckel sich in eine Schrägstellung aufschieben lässt. Darunter wird der USB-C-Ladeanschluss sichtbar. Klar: Hier kommt also das S8 drauf. Dann noch mit HDMI-Monitorkabel, USB-C-Stromkabel und bei Bedarf mit einem LAN-Kabel verbinden. Dann noch Tastatur und Maus anschließen (via Bluetooth oder USB), und schon kann's losgehen.     

Bei der ersten Einrichtung haben Nutzer die Wahl: "Samsung Dex starten" oder nur den Bildschirm spiegeln? Das Desktop-Erlebnis kommt natürlich nur im Dex-Modus rüber, die Entscheidung ist also klar. Fortan übernimmt das Smartphone die Rechenarbeit, der Monitor zeigt einen übersichtlichen Desktop, auf dem sich Windows- und Mac-Nutzer gleichermaßen zurecht finden.

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Die Dex-Station hat auch einen aktiven Lüfter.

(Foto: jwa)

Erfreulich ist, wie intuitiv alles funktioniert, inklusive vielgenutzter Tastenkombinationen wie Strg+C und Strg+V oder Alt+Tab. Selbst Kombinationen mit der Windows-Taste liefern das gewünschte Ergebnis, zum Beispiel Windows+Druck für Screenshots oder Windows+Tab für eine Übersicht aller offenen Anwendungen. In einer Symbolleiste am rechten unteren Rand werden Benachrichtigungen, Empfang und Akkustand, Datum und Uhrzeit sowie weitere System-Symbole angezeigt. Ein Klick aufs Datum öffnet, ähnlich wie bei Windows, den Kalender. In der linken unteren Ecke finden sich die drei Navigationstasten, daneben gibt's ein Dock mit den geöffneten Apps, ähnlich wie bei Mac OS oder der Taskleiste von Windows.     

Kleine Macken             

Die Einarbeitungszeit in Dex ist gleich Null, somit bleibt viel Zeit, um das System auszuprobieren. Sehr nützlich ist, dass alle im Tagesverlauf vielgenutzten Apps auf dem Desktop erscheinen, inklusive Messenger, Kalender, E-Mail-Dienst, Browser oder Unterhaltungs- und Spiele-Apps. Manche Anwendungen entfalten auf dem großen Bildschirm erst ihre ganze Wirkung, so bietet zum Beispiel Gmail eine zweispaltige Ansicht, und die Bildbearbeitung mit Lightroom Mobile ist um Längen komfortabler als auf dem kleinen Display. Nicht jede Anwendung ist aber an das große Format angepasst. Facebook etwa oder Googles Bildbearbeitungs-App Snapseed zeigt Dex nur im Fenstermodus, dessen Größe man nicht verändern kann. Das trübt das Nutzererlebnis etwas.

Im Browser setzt sich das fort, bemerkt "Androidpit": Manche Websites erkennen, dass das S8 im Desktop-Modus ist und zeigen die entsprechende Version an, andere Websites bleiben bei der Mobilansicht. "Areamobile" merkt an, dass zum Beispiel in Google Maps die Zoom-Geste nur mit einer adaptierten Touch-Eingabe funktioniert (Einmal Klicken, gedrückt halten, nach oben oder unten ziehen) und dass in der Google-Suche die Treffer nicht angeklickt werden können. Ein weiterer kleiner Nachteil ist die reduzierte Auflösung: Dex unterstützt nur Full HD, egal wie hoch die Auflösung des Monitors ist.

Bedenken müssen Nutzer, die mit Dex arbeiten, dass ihr Smartphone die Rechenleistung erbringt und am Stecker hängt. Um Anrufe entgegenzunehmen oder selbst anzurufen, sollte man daher ein Bluetooth-Headset verbinden. Der Audio-Ausgang ist verdeckt. Nimmt man das S8 aus der Docking-Station, wird auch Dex beendet. Das Smartphone merkt sich zwar den Status und die geöffneten Apps, Daten werden aber "möglichweise" nicht gespeichert, warnt eine Mitteilung. In Dokumenten war das im Test nicht der Fall, Spielstände werden aber zum Beispiel nicht gespeichert - zum Zocken ist Dex aber ohnehin nicht geeignet.

Desktop-Ersatz? Ja, aber ...

Produktiv arbeiten kann man mit Dex deshalb nur mit Einschränkungen. Wenn man mit der Software auskommt, die auf dem Galaxy S8 installiert ist oder im Play Store angeboten wird, und wenn diese Apps von Dex im Vollbildmodus angezeigt werden, kommt man gut damit zurecht. Das Arbeitstempo ist schnell genug, lange Wartezeiten oder Denkpausen gibt es nicht. Man muss sich aber damit abfinden, dass in manchen Anwendungen Dinge nicht oder nur über Umwege funktionieren und dass Dex einige Einschränkungen mit sich bringt, die es bei vollwertigen Windows-PCs nicht gibt. Ein Beispiel: Youtube stoppt, sobald man das Fenster minimiert oder parallel in einer anderen App arbeiten möchte.

Damit ist Dex eine tolle Lösung mit viel Potenzial, die den PC bei den meisten professionellen Nutzern zwar nicht ersetzen kann. Zum Surfen, für Mails und Messenger und das Arbeiten zum Beispiel mit Googles Office-Programmen reicht das System aber vollkommen aus. Die Anschaffung für 150 Euro ist allerdings an Bedingungen geknüpft: Nutzer brauchen neben Monitor, Tastatur und Maus auch ein S8, ein HDMI-Kabel und ein USB-C-Stromkabel, denn im Lieferumfang ist außer der Dex-Station nur noch eine Schnellanleitung enthalten. Und so flexibel und leicht zu transportieren wie ein Laptop ist das System damit auch nicht. 

Quelle: n-tv.de

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