Technik
Die Beta von Android P ist ab sofort verfügbar.
Die Beta von Android P ist ab sofort verfügbar.(Foto: Google/Screenshot jwa)
Dienstag, 08. Mai 2018

I/O 2018 mit KI und Android P: So sieht bei Google die Zukunft aus

Von Johannes Wallat

Google eröffnet seine Entwicklermesse I/O. Die Keynote gibt einen tiefen Einblick in Googles Arbeit mit Künstlicher Intelligenz, einen spannenden Vorgeschmack auf das heiß ersehnte Android P - und sie beginnt mit einem Bug.

Das Schlimmste für einen Software-Entwickler ist ein Fehler im System. Während der Eröffnungsveranstaltung zur Google I/O sind über 7000 Gäste aus der weltweiten Tech- und Entwicklerszene geladen, und Google-Chef Sundar Pichai beginnt seine Ansprache genau damit: mit einem "Major Bug", einem schweren Fehler.

Doch die Schocknachricht stellt sich - natürlich - schnell als Witz heraus: Pichai spricht von Googles Hamburger-Emoji, bei dem der Käse lange Zeit falsch geschichtet war. Eine Lappalie, die aber weltweit für Aufsehen sorgte und die Google inzwischen "gefixt" hat - genau wie das Bier-Emoji, das ein halbvolles Glas mit voller Schaumkrone zeigte.

Innovationen statt Bugs

Pichai lacht über diese Ausrutscher und das Publikum lacht mit ihm - besser könnte man eine Konferenz nicht eröffnen, bei der es vor allem darum geht, wie Google die technologische Zukunft mitgestaltet. Denn da haben Fehler und Bugs keinen Platz mehr, stattdessen steht der Rest der Keynote ganz im Zeichen der Innovationen, auf die Google besonders stolz ist. Dazu gehören eine ganze Reihe von Verbesserungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz - und natürlich beim Smartphone-Betriebssystem Android.

Vorher geht es aber um das weite Feld der Künstlichen Intelligenz und da bekommt Googles Assistant viel Platz eingeräumt. Das Google-Team stellt einige neue Projekte vor, darunter die Verbesserung der Stimme, die immer natürlicher und menschlicher klingen soll. Der Assistant soll in Zukunft im Hintergrund selbstständig Anrufe tätigen können, zum Beispiel, um einen Friseurtermin zu machen oder einen Tisch im Restaurant zu reservieren.

KI für Gmail, News, Fotos ...

Künstliche Intelligenz wird auch tiefer in Gmail integriert und macht zum Beispiel Vorschläge zum automatischen Vervollständigen von Sätzen in E-Mails. Googles Fotos-App wird dank KI künftig auch mehr drauf haben - sie kann unter anderem automatische Bildbearbeitungen vorschlagen, Schwarz-Weiß-Fotos nachkolorieren und Dokumente erkennen, automatisch in PDF umwandeln und gerade ausrichten.

Google News soll mithilfe von KI in Zukunft seinen Nutzern noch besser zugeschnittene Nachrichten liefern können, inklusive einer persönlichen News-Auswahl und anderen neuen Features: "Newscast" zeigt eine Vorschau der wichtigsten Inhalte einer Meldung, "Full Coverage" sammelt in Echtzeit und ungefiltert Hintergrundinformationen zu einem Thema, liefert verschiedene Standpunkte und gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Google bietet außerdem in Zukunft ein Abo-Modell an, bei dem man mit seinem Google-Konto bezahlten Journalismus abonnieren kann und die Inhalte auf allen Geräten sehen kann, auf denen man angemeldet ist. Damit positioniert sich Google - auch wenn das nicht direkt angesprochen wird - klar gegenüber der Art, wie bei Facebook Nutzer Nachrichten gezeigt bekommen und setzt ein Zeichen in der anhaltenden Fake-News-Debatte.

... Maps und Lens

Die Navigation mit Maps soll einfacher werden, indem die Informationen von Maps mit der Kamera verbunden werden - ein gutes Beispiel für eine nützliche Umsetzung von Augmented Reality, um sich in fremden Umgebungen zurecht zu finden. Google nutzt die Kamera außerdem für "VPS", das die Positionsbestimmung mittels GPS-Daten plus visueller Landmarken ermöglicht.

Google Lens wird auch schlauer und unterstützt Copy und Paste direkt von Fotos, zum Beispiel um Text von Restaurant-Karten oder Rezepten auf dem Smartphone weiter zu nutzen. Mittels "Style Match" erkennt Lens ähnliche Dinge, von Möbelstücken bis zu Kleidung, was zum Beispiel beim Shoppen helfen kann.

Android P: Mehr Akkulaufzeit, ...

Interessantester Punkt für viele Zuschauer ist aber wohl Android: Die finale Version von Android P wird erst im Herbst vorgestellt, doch im Rahmen der Keynote gibt Dave Burke, Androids Vice President of Engineering, schon viel von dem Preis, was die Milliarden Android-Nutzer auf der Welt erwarten können.

Das Dashboard zeigt, wann man welche Dienste wie lange genutzt hat.
Das Dashboard zeigt, wann man welche Dienste wie lange genutzt hat.(Foto: Google / Screenshot jwa)

Erster wichtiger Punkt: die Akkulaufzeit. Android P bekommt eine bessere Akkukontrolle, indem das System lernt, welche Apps man wann benutzt und Hintergrundprozesse von Apps einschränkt, die in der nächsten Zeit nicht genutzt werden.

Auch die automatische Helligkeit soll cleverer werden. "Adaptive Helligkeit" lernt, in welchem Umgebungslicht der Nutzer die Helligkeit wie einstellt und passt die Automatik des Smartphones daran an.

"App Actions" sagt vorher, welchen Schritt man als nächstes tun will - eine App starten, jemanden anrufen oder zum Beispiel ein Workout starten - und macht dem Nutzer entsprechende Vorschläge.

... leichtere Bedienung ...

Der zweite Punkt: eine einfachere Bedienung und eine abgespeckte Benutzeroberfläche. Kernpunkt ist die neue Systemnavigation. Mit Android P gibt es nur noch einen zentralen Homebutton. Ein Aufwärtswisch bringt den Nutzer zur App-Übersicht, ein zweiter Wisch bringt den Nutzer zur App-Sammlung, dem App-Drawer. Ein Seitwärtswisch dient zum Scrollen durch die zuletzt genutzten Apps. Die App-Übersicht wird auch intelligenter und unterstützt zum Beispiel die smarte Textauswahl - markiert man einen Bandnamen, kann man von dort aus direkt die Streaming-App starten.

Die Lautstärkekontrollen wurden auch angepasst: Wer lauter oder leiser drückt, kontrolliert mit Android P automatisch die Medienlautstärke, auch wenn man sich gerade nicht in einer Medien-App befindet.

... und digitales Wohlbefinden

Sameer Samat, Produktmanager bei Google, betont im Anschluss, wie wichtig das "digitale Wohlbefinden" sei, die sogenannte Phone-Life-Balance. Android P soll den Nutzern dabei helfen. Dazu zeigt es unter anderem eine Übersicht mit detaillierten Statistiken zur Smartphone- und App-Nutzung. Jeder Entwickler kann selbst entscheiden, welche Informationen seine App dort anzeigen soll.

Android P erlaubt es auch, sich selbst Zeitlimits zu setzen - ist das Limit einer App erreicht, kann man sie für den Rest des Tages nicht mehr nutzen. Im verbesserten "Nicht Stören"-Modus werden bei P auch visuelle Benachrichtigungen unterdrückt. Dreht man das Smartphone auf dem Tisch mit dem Display nach unten, wechselt es automatisch in diesen Modus - Nutzer können eine Liste mit Ausnahmen erstellen, die immer durchkommen. Im "Wind Down"-Modus wechselt das Smartphone automatisch in den Nicht-Stören-Modus und der Bildschirm wechselt auf Schwarz-Weiß, um Abends besser zur Ruhe zu kommen. 

Neue, bahnbrechende oder wenigstens spannende Geräte zeigt Google übrigens nicht auf dieser Keynote. Doch es gibt trotzdem eine erfreuliche Neuheit: Die Beta von Android P ist ab sofort verfügbar - nicht nur auf allen Pixel-Geräten, sondern auch auf manchen Geräten von insgesamt sieben anderen Herstellern verfügbar, unter anderem von Nokia, Oneplus und Sony.

Quelle: n-tv.de