Technik

Das kleine Schwarze hat's drauf Sony XZ2 Compact - das perfekte Mini-Phone?

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Das Sony Xperia XZ2 Compact ist auch was für kleine Hände.

(Foto: jwa)

Das Xperia XZ2 Compact ist Sonys neuer Star der Kompaktklasse. In seiner Größe ist es ohne Konkurrenz, Technik und Ausstattung sind erstklassig. Trotzdem reicht es nicht ganz zum perfekten Smartphone.

Sony hat mit dem Xperia XZ2 Compact einen echten Trumpf im Ärmel, denn so ein Smartphone hat derzeit kein anderer Hersteller im Angebot: Es ist das einzige aktuelle Spitzenmodell mit 5-Zoll-Display. In seiner kompakten Hülle steckt beste Technik, doch zum perfekten Smartphone fehlt dem XZ2 Compact noch ein Stück.

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Das Xperia XZ2 Compact macht seinem Namen alle Ehre.

(Foto: jwa)

Nimmt man den neuen Sony-Zwerg zum ersten Mal in die Hand, fallen zwei Dinge auf: sein hohes Gewicht und das bauchige Gehäuse. Das XZ2 Compact ist mit seinem 18:9-Display für ein modernes Smartphone äußerst kompakt. Für ein Smartphone seiner Größe ist es aber erstaunlich schwer und wiegt fast etwas zu viel. Auch ist das Gehäuse gefühlt etwas zu dick, das kann auch der zu allen Seiten abgerundete Rücken nicht vertuschen.

Snapdragon 845 liefert ab

Sei's drum, dafür wird es seinem Namen gerecht und ist zudem randvoll gestopft mit Top-Technik. Im XZ2 Compact steckt nämlich die gleiche Hardware wie beim deutlich größeren und schwereren XZ2, und die ist spitze. Qualcomms Snapdragon 845 gibt den flotten Takt vor und liefert in Benchmark-Tests Spitzenwerte - da zieht das XZ2-Duo selbst am Leistungsbiest Galaxy S9 vorbei.

Technische Daten

  • System: Android 8 Oreo
  • Display: 5 Zoll, LCD, Full HD+ (2160x1080p)
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Kamera: 19 MP, f/2.0
  • Frontkamera: 5 MP, f/2.2
  • LTE Cat. 15, WLAN ac, Bluetooth 5.0
  • USB-C 3.1
  • Hi-Res Audio
  • IP65/68
  • Akku: 2870 mAh
  • Abmessungen: 135 x 65 x 12 mm
  • Gewicht: 168 g

 

Der Snapdragon 845 ist das Aushängeschild. 4 Gigabyte Arbeitsspeicher sind dagegen für ein aktuelles Flaggschiff zwar "nur" Durchschnitt, aber trotzdem mehr als ausreichend für flexibles Multitasken. Daten werden auf 64 Gigabyte gespeichert - eine microSD-Karte passt natürlich zusätzlich rein. Dazu ist es wasserdicht (IP65/68), hat Stereolautsprecher, die passabel klingen, und ein helles und brillantes Display mit hoher Auflösung.

Der Sensor sitzt zu tief

Nicht ganz optimal platziert ist der Fingerabdruck-Scanner auf der Rückseite - er sitzt mittig unterhalb der Kamera, aber gefühlt etwa einen Zentimeter zu tief. So muss man zum Entsperren entweder den Finger anwinkeln oder das ganze Gerät anders greifen, was dann den Schwerpunkt verlagert - das gleiche Problem hat auch das größere XZ2. Man gewöhnt sich aber schnell daran und der Sensor selbst arbeitet zackig und fehlerfrei.

Insgesamt wirkt das XZ2 Compact deutlich moderner als die Xperia-Vorgänger, es ist kaum größer als das XZ1 Compact und Sonys neu entdeckte Liebe zur abgerundeten Ecke ist gut für Nutzerhände und Hosentaschen gleichermaßen, denn das XZ Compact und andere Xperias drückten mit ihren Kanten mitunter unangenehm in Hände und Beine.

Kamera schließt zur Spitze auf

Hier hat Sony also nachgebessert, genau wie bei der Kamera: Sie schießt Ultrazeitlupen mit 960 Bildern pro Sekunde in Full-HD-Auflösung, das kann sonst keine - allerdings nur in einem Zeitfenster von 0,2 Sekunden, den richtigen Moment trifft man also nur mit Glück. Außerdem filmt sie Videos im HDR-Modus, auch das ist eine Besonderheit, und die ist im Alltag der meisten Nutzer wohl wichtiger als die Ultrazeitlupe. Die Videos wirken aber leider etwas verwaschen.

Fotos nimmt das XZ2 Compact mit 19 Megapixeln auf, Selfies mit 5 Megapixeln - etwas mehr dürfte es hier schon sein. An der Abbildungsqualität hat Sony erkennbar gearbeitet - die Bilder des neuen Compact sehen im Vergleich besser aus als die seiner Vorgänger, aber für die absolute Oberklasse reicht es nicht ganz.

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Das XZ2 Compact und sein Vorgänger (links) sind beinah gleich groß.

(Foto: jwa)

Vor allem bei weniger Licht sinkt die Qualität, dann verschwinden Details in der Rauschreduzierung und die Sony-typischen Weichzeichnungs-Artefakte werden erkennbar - allerdings erst, wenn man auf dem PC-Bildschirm hereinzoomt. Bei Tageslicht sind Aufnahmen ansprechend und scharf aufgelöst. Der Fokus braucht aber spürbar länger zum Scharfstellen als etwa beim Galaxy S9. Während Hersteller wie Samsung und Huawei mit ihren Flaggschiffen den Kampf an der Spitze unter sich ausmachen, läuft Sony mit seinen Kameras trotz guter Features in Sachen Bildqualität hinterher.  

Die Kamera-App, bei der man horizontal durch die Modi wischt, ist immer noch Geschmackssache und teils unübersichtlich: Häufig genutzte Foto-Modi wie "Panorama" oder "Bokeh" sind als "Apps" auf eine eigene Seite ganz rechts ausgelagert, man muss immer erst am Video-Modus vorbeiwischen, um sie zu erreichen. Die HDR-Aufnahme kann man bei Videos per Schieberegler direkt im Sucher ein- und ausschalten, im manuellen Fotomodus muss man dafür erst aufs Einstellungsrad tippen. Die "Überlegene Automatik" bietet gar keine HDR-Wahlmöglichkeit und entscheidet selbst.

Kleine Dämpfer

Das ist etwas schade, auf der anderen Seite aber auch kein Drama. Trotzdem: Wer die höchsten Ansprüche an seine Smartphone-Kamera hat, wird mit dem XZ2 nicht restlos glücklich. Ein anderer, kleiner Dämpfer: Sonys kleiner Star unterstützt Schnelllade-Technologie und hat keinen Audio-Ausgang mehr. Im Karton liegen aber weder ein Schnellladegerät noch ein passendes Headset mit USB-C-Stecker, stattdessen gibt's nur einen Adapter und ein Standard-Netzteil (5V/1,5A) - den Schnelllader hat nur das größere XZ2. Das ist einem Flaggschiff nicht angemessen.

Unangebracht ist auch, dass Sony das Compact (wie andere Modelle auch) ab Werk nicht nur mit vielen eigenen Apps, sondern auch mit Dritt-Apps ausliefert, zum Beispiel von Amazon oder Facebook, die zwar deaktiviert, aber nicht deinstalliert werden können. Diese sogenannte Bloatware nervt, weil sie Speicherplatz frisst und dem Nutzer aufgezwungen wird.

Solche kleineren und größeren Schwächen trüben leider den Eindruck des ansonsten wirklich guten Kompakt-Japaners. Man wünscht sich regelrecht, dass Sony die seit mehreren Generationen bekannten Schwachstellen endlich behoben hätte. Doch ein bisschen Luft nach oben ist immer noch. So ist das XZ2 Compact nur ein fast perfektes kleines Power-Phone. Trotzdem: In seiner Liga ist es ungeschlagen, der Preis von rund 600 Euro ist angemessen und wer nach einem kleinen Handy mit Flaggschiff-Technik sucht, kommt an Sonys Compact nicht vorbei.

Quelle: n-tv.de

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