Technik

Ersatz für Google Maps TomTom liefert Huawei Kartenmaterial

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Huawei ist entschlossen, mit eigenen Diensten unabhängig von Google auch in Europa zurück in die Erfolgsspur zu finden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Huawei erhält für seine Smartphones Kartenmaterial von TomTom. Damit gelingt den Chinesen angesichts eines andauernden US-Boykotts ein wichtiger Schritt, um mit eigenen Anwendungen Alternativen zu den Google-Diensten zu bieten.

TomTom hat bekannt gegeben, mit Huawei einen Vertrag abgeschlossen zu haben, der den Chinesen erlaubt, Kartenmaterial und Dienste des niederländischen Navigations-Spezialisten zu nutzen. Damit kommt der Smartphone-Hersteller seinem Ziel näher, Alternativen zu den Google-Diensten anbieten zu können, auf die er verzichten muss, seit die Trump-Regierung US-Unternehmen nur in Ausnahmen die Zusammenarbeit mit ihm erlaubt. Laut "Reuters" kam der Deal schon vor einiger Zeit zustande, TomTom hat ihn aber erst jetzt publik gemacht.

Zwischenstand in Barcelona

Wann Huawei erste Apps mit dem Kartenmaterial, Verkehrsinformationen und Navigations-Software der Niederländer auf seinen Smartphones installiert, ist noch nicht bekannt. Möglicherweise wird das Unternehmen auf seiner Pressekonferenz beim Mobile World Congress (MWC) Ende Februar weitere Angaben zum Stand der Entwicklung seines eigenen App-Stores (App Gallery) machen. Spätestens wenn die Chinesen voraussichtlich im März das P40 Pro vorstellen, wird man sehen, wie groß der Fortschritt bei den Huawei-Diensten ist.

Wenn es einem Smartphone-Unternehmen zuzutrauen ist, Google Konkurrenz zu machen, dann ist es Huawei. Das Unternehmen investiert Milliarden, um die eigenen Dienste (Huawei Mobile Services) voranzutreiben und Entwickler dazu zu bringen, daran angepasste Apps bereitzustellen. Zuletzt veranstaltete der chinesische Konzern in London den Huawei Developer Day, wo er "The Register" zufolge unter anderem britischen und irischen Entwicklern 20.000 Pfund pro Anwendung bot, die bis zum 31. Januar in der App Gallery veröffentlicht wird. Laut Huawei hat das Unternehmen weltweit bereits 1,3 Millionen Entwickler für sich gewinnen können und rund 50.000 Apps nutzen im Kern schon die Huawei Mobile Services.

Zweigeteilte Android-Welt?

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Das Huawei Mate 30 Pro ist zwar eines der aktuell besten Smartphones, fristet aber ohne Google-Dienste ein Schattendasein.

(Foto: Huawei)

Erfolg haben die Chinesen vor allem im heimischen Markt und anderen asiatischen Ländern. Dort sind Nutzer schon länger an Google-Alternativen gewöhnt. In China heißt beispielsweise die größte Suchmaschine Baidu, Alibaba lässt Amazon klein aussehen und statt Whatsapp nutzen die Chinesen WeChat, das auch gleichzeitig Google Pay und Apple Pay ersetzt. Es ist also durchaus ein realistischer Alptraum Googles, dass der Handelskrieg dazu führt, dass die Android-Welt zweigeteilt und seine Vormachtstellung beendet wird.

Die Entwickler-Veranstaltungen in Europa zeigen, dass Huawei auch weiter verbissen um die hiesigen Märkte kämpft, obwohl es für die Chinesen viel schwieriger ist, das Vertrauen westlicher Nutzer zu gewinnen. Doch mit einem langen Atem könnten sie vielleicht auch in Europa Google Konkurrenz machen, wenn sie ein gleichwertiges Ökosystem aufbauen und beweisen können, dass Nutzerdaten bei ihren Diensten sicher sind. An der Qualität der Smartphones scheitert das Vorhaben jedenfalls nicht, wie zuletzt im vergangenen Herbst das Huawei Mate 30 Pro zeigte.

Quelle: ntv.de, kwe