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Intel, AMD, Nvidia zahlen Preis USA torpedieren Chinas Supercomputer

Tianhe-3

Der vom Supercomputing Center in Tianjin entwickelte Tianhe-3 könnte 2020 der welterste Exaflops-Supercomputer werden.

(Foto: Ge jinfh - Imaginechina)

Das US-Handelsministerium verbietet jetzt auch den Verkauf von US-Technologie an chinesische Supercomputer-Hersteller. Der Schuss könnte allerdings nach hinten losgehen.

Kurz vor dem geplanten Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping beim G20-Gipfel in Japan weiten die USA das Handelsembargo auf die chinesischen Hersteller von Supercomputern aus. Laut "Wall Street Journal" dürfen US-Unternehmen ohne Sondergenehmigung keine Technologie mehr an Sugon, dessen Tochterunternehmen sowie das Wuxi Jiangnan Institute of Computing Technology verkaufen.

Die offizielle Begründung ist der Einsatz der Supercomputer für militärische Zwecke - was nicht von den Hand zu weisen ist. Chinas Verteidigungsministerium ist einer der größten Auftraggeber und Wuxi Jiangnan ist sogar direkt dem Militär unterstellt.

Doch auch in den USA werden solche Computer vom Militär genutzt. Das ist nicht weiter verwunderlich, da die enorme Rechenleistung unter anderem für die Entwicklung von Nuklearwaffen, Raketenabwehrsystemen oder die fortgeschrittene Ver- und Entschlüsselung benötigt wird.

Auf einer anderen Ebene geht es den USA aber wohl wie beim Huawei-Bann darum, die eigene Vormachtstellung zu sichern. So stehen in den aktuellen Top500 der Supercomputer zwar zwei US-Anlagen vor den beiden leistungsstärksten chinesischen Systemen an der Spitze. Doch insgesamt gibt es mehr chinesische Supercomputer und die Fertigstellung des Tianhe-3 steht kurz bevor. Er wird voraussichtlich mit mehr als einer Trillion Berechnungen pro Sekunde das erste Exaflops-System der Welt sein. Es soll im kommenden Jahr in Betrieb gehen und würde damit wohl den Wettlauf mit den in den USA entwickelten Supercomputern Aurora und Frontier gewinnen. Sie werden mit Intel- beziehungsweise AMD-Prozessoren gebaut und legen voraussichtlich erst 2021 los.

Aggressive Maßnahmen gefordert

Die National Security Agency (NSA) und das Energieministerium der USA warnten bereits im Dezember 2016 vor schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft und die Nationale Sicherheit. In einem Positionspapier wiesen sie darauf hin, dass der aktuell drittplatzierte Supercomputer Sunway TaihuLight mit chinesischen Chips realisiert wurde und eine allgemeine Vorherrschaft der Chinesen beim Supercomputing ab dem Jahr 2020 drohe, wenn man nicht zu "aggressiven Maßnahmen" bereit sei.

Es geht den USA also auch oder sogar vor allem um einen Zeitvorteil im Wettrüsten mit China. Ob das Kalkül aufgeht, muss sich aber erst noch zeigen. Denn obwohl in vielen chinesischen Supercomputern Prozessoren und andere Technologien der US-Hersteller Intel, AMD und Nvidia stecken, geht China auf diesem Gebiet eben schon länger auch erfolgreich eigene Wege.

Tianhe-3 rein chinesisch?

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Sugon, das mit AMD kooperiert, wird durch das Embargo wohl aus dem Rennen geworfen.

(Foto: Li shengli - Imaginechina)

Einem Bericht von "The Next Platform" zufolge hat die chinesische Regierung bei der Entwicklung eines Exaflops-Systems einen Wettlauf von drei verschiedenen Architekturen angesetzt, von denen durch das Embargo wohl nur der von Sugon entwickelte Prototyp (NRCP) direkt getroffen wird, da er unter anderem von AMD lizenzierte Prozessoren nutzt. Das von Sunway stammende System basiert aber wie der TaihuLight auf rein chinesischer Technologie.

Der dritte Prototyp (NUDT) wurde zwar auch überwiegend mit heimischer Technik entwickelt. "The Next Platform" vermutet aber, es könnten ARM-basierte Prozessoren eingesetzt werden, wie sie unter anderem vom japanischen Unternehmen Fujitsu hergestellt werden. Dann hätte dieses Projekt eventuell ein Problem. Denn obwohl ARM eine britische Firma ist, könnte US-Technologie verwendet werden. Das stellt bereits ein großes Problem für Huawei dar, die künftig keine Mobilfunk-Chips mit lizenzierter ARM-Architektur mehr bauen dürfen.

Die USA verschaffen sich beim Wettrennen zum ersten Exaflops-Supercomputer mit dem Handelsverbot vielleicht einen Vorteil. Mittel- und langfristig könnte der Schuss aber nach hinten losgehen. Denn die chinesische Regierung wird die Förderung der eigenen Technologie verstärken und schon bald könnten rein chinesische Supercomputer die Top500 dominieren.

Wer zahlt den höheren Preis?

Den Preis für das Handelsembargo zahlt also möglicherweise nicht Peking, sondern Intel, AMD und Nvidia, denen lukrative Aufträge und Kooperationen wegbrechen. Wie teuer die Boykott-Maßnahmen für die US-Wirtschaft sein können, zeigt das Beispiel Huawei. Zwar rechnet das Unternehmen selbst mit Verlusten von mindestens 30 Milliarden Dollar in den kommenden zwei Jahren, falls das Embargo aufrechterhalten wird. Doch auch die US-Wirtschaft muss die Zeche bezahlen, und zwar nicht zu knapp. Einem Bericht von mydrivers.com zufolge hat Huawei bisher jährlich US-Technologie im Wert von 11 Milliarden Dollar eingekauft. Huawei-Manager Andrew Williamson geht davon aus, dass sich die Exportverluste der USA auf 56 Milliarden Dollar aufsummieren werden und 74.000 Arbeitsplätze kosten können.

Obwohl der Huawei-Manager die Zahlen wahrscheinlich aus taktischen Gründen überdramatisiert, zeigen sie, dass das Handelsembargo letztendlich die US-Wirtschaft schlimmer als die chinesische treffen könnte. Unter Druck entwickelt der Gegner schneller eigene Technologie-Alternativen und macht sich damit unabhängig. Den US-Firmen entgehen so direkte Geschäfte mit den Chinesen in großer Milliardenhöhe, und es drohen gewaltige Einnahmeverluste durch entgangene Aufträge, die sich die erstarkte chinesische Konkurrenz schnappen könnte. In einem Handelskrieg gibt es keine Gewinner, nur größere und kleinere Verlierer.

Quelle: n-tv.de

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