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Nicht kaufen! An den breiten Rändern des Bildschirms sieht man schon, dass der Fernseher nicht ganz neu ist.
Nicht kaufen! An den breiten Rändern des Bildschirms sieht man schon, dass der Fernseher nicht ganz neu ist.(Foto: imago/Westend61)
Donnerstag, 29. November 2018

Vorsicht vor alten "Schnäppchen": Was muss ein neuer Fernseher können?

Von Klaus Wedekind

Wenn man einen günstigen Fernseher kaufen möchte, fällt man leicht auf vermeintliche Schnäppchen herein, die nur deshalb so preiswert sind, weil ihre Technik veraltet ist. Deshalb ist es gut zu wissen, was ein neues TV-Gerät können muss. n-tv.de klärt auf.

Gerade in den Wochen vor Weihnachten locken Elektromärkte und Online-Händler mit großen Rabatten für Fernseher. Doch wie Stiftung Warentest festgestellt hat, lohnen sich Schnäppchen nur selten. Oft handelt es sich bei den Angeboten auch um Ladenhüter mit veralteter Technik, manchmal taugen die Geräte grundsätzlich wenig. Trotzdem rentiert es sich, nach günstigen Fernsehern Ausschau zu halten. Man muss nur wissen, worauf zu achten ist, damit ein preiswertes Gerät auch ein gutes ist.

Full-HD oder UHD?

Die meisten neuen Fernseher haben inzwischen UHD-Auflösung (4K). Das bedeutet, der Bildschirm hat ungefähr viermal so viele Pixel wie ein Full-HD-Display. Wenn man aber nur ein kleineres Gerät haben möchte, bringt die hohe Auflösung alleine nicht viel. Denn dann muss man schon sehr nahe vor dem Gerät sitzen, um einen Unterschied zu sehen.

Greift man zu einem 50-Zoll-Fernseher, bringt die höhere Auflösung erst bei einem Abstand von 2 Metern oder weniger. Je größer die Bildschirmdiagonale ist, desto mehr lohnt sich also der Kauf eines UHD-Gerätes. Als Faustregel kann man festlegen, dass man über 50 Zoll die höhere Auflösung wählen sollte, auch wenn man aktuell vielleicht hauptsächlich HD- oder Full-HD-Inhalte konsumiert. Das könnte sich künftig ändern und außerdem können gute Fernseher eine geringere Auflösung "hochrechnen".

Für HDR gerüstet?

Es lohnt sich aber auch noch aus einem anderen Grund, einen UHD-Fernseher zu kaufen. Denn die hohe Auflösung ist auch eine Voraussetzung, um Inhalte in HDR-Qualität zu genießen, also mit besonders schönen Kontrasten und Farben. Hier gilt das Gleiche wie bei UHD: Noch braucht man es nicht unbedingt, weil entsprechende Filme und Serien bisher selten sind, aber HDR gehört die nahe Zukunft.

Ob ein Gerät HDR kann, ist für Käufer oft nicht leicht zu erkennen, vor allem nicht, ob es dies auch gut genug kann. Um sie nicht mit Werbesprüchen und nichtssagenden Bezeichnungen alleine zu lassen, hat die UHD Alliance das Qualitäts-Logo Ultra HD Premium (UHD Premium) ins Leben gerufen. Damit sich ein Fernseher damit schmücken kann, muss er mehrere technische Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören neben der UHD-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) auch Mindestwerte für Farbtiefe, Farbraum, Helligkeit und Schwarzwert. Die geforderten Spezifikationen bilden auch den Standard HDR10, der unter anderem von den Spielekonsolen Playstation 4 Pro, Xbox One S und X sowie vielen Blu-Ray-Playern unterstützt wird.

Doch es geht noch besser: Während es bei HDR10 eine Einstellung für einen kompletten Film gibt, werden bei Dolby Vision oder HDR10+ einzelne Filmsequenzen optimiert. Welcher der beiden Standards sich durchsetzen wird oder ob beide eine Zukunft haben, muss sich noch herausstellen. Dass es sich um ein Kopf-an-Kopf-Rennen handelt, sieht man unter anderem daran, dass Netflix neben HDR10 auf Dolby Vision setzt, Amazon Video dagegen auf HDR10+. Auch wenn man hier keine Empfehlung abgeben kann, gilt: Geräte, die diese Standards anbieten, haben gewöhnlich auch sonst eine hohe Bildqualität.

OLED oder LCD?

TV-Displays sind entweder LCDs mit Hintergrundbeleuchtung oder OLED-Bildschirme, bei denen jedes Pixel selbst leuchtet. OLEDs können so ein echtes Schwarz darstellen können, weil dann Pixel einfach nicht leuchten. Bei hochwertigen LCDs kann die Hintergrundbeleuchtung zwar gezielt abgeschaltet werden, aber perfektes Schwarz kriegen sie kaum hin. Außerdem sind OLED-Fernseher besonders stabile Blickwinkel. Das heißt, das Bild trübt von der Seite betrachtet nicht ein. LCD-Displays sind da anfälliger.

Dafür können LCDs viel heller leuchten, was wie gute Schwarzwerte für eine gute HDR-Darstellung wichtig ist. Hochwertige LCDs können außerdem Farben ebenso schön darstellen wie OLEDs. Der größte Vorteil von LCD-Fernsehern ist aber, dass sie meistens wesentlich günstiger zu haben sind als OLED-Geräte.

Ein Test von Stiftung Warentest hat gezeigt, dass zwar die besten Fernseher oft mit OLED-Displays ausgestattet sind, aber auch moderne LCDs können noch mithalten. Entsprechende Geräte sind aber auch teurer. Wichtig ist auch hier, darauf zu achten, ob Geräte HDR10+ oder Dolby Vision unterstützen. Bei der Kaufentscheidung sollte man außerdem berücksichtigen, ob man hauptsächlich in gut abgedunkelten Räumen vor dem Fernseher sitzt oder eher in einer helleren Umgebung. Im ersten Fall sind OLEDs in Vorteil, im zweiten LCDs.

Welche Ausstattung muss ein Fernseher haben?

Moderne Fernseher sind gewöhnlich internetfähig und bieten unter anderem Apps von Streaming-Diensten, Mediatheken oder Spiele an. Man muss aber keinen allzu großen Wert auf die smarten Talente eines Fernsehers legen. Bevor man 100 Euro mehr ausgibt, lohnt es sich eher eine Set-Top-Box oder einen günstigen Streaming-Stick zu kaufen, die oft smarter als jeder Smart-TV sind.

Wichtiger sind andere Ausstattungsmerkmale. So sollte man darauf achten, dass genügend und die richtigen Anschlüsse vorhanden sind. Ein Fernseher sollte vier oder mehr HDMI-Anschlüsse haben, damit man nicht dauernd umstecken muss, wenn Spielkonsole, Blu-ray-Player, Soundbar, Set-Top-Box und andere Geräte Anschluss suchen. Dabei ist wichtig, dass HDMI 2.0 unterstützt wird. Außerdem sollte ein optischer Digitalausgang an Bord sein, den Receiver ohne HDMI-Anschluss benötigen. Für ältere Geräte benötigt man auch analoge Cinch-Ausgänge und vielleicht ein, zwei SCART-Anschlüsse.

Gute Fernseher sind in der Lage, TV-Sendungen auf USB-Speicher aufzunehmen, wofür ein Anschluss da sein sollte. Und für Pay-TV oder private HD-Sender braucht man einen sogenannten CI+-Slot, der die Karten zur Freischaltung der Angebote aufnimmt.

Schließlich sollte der Fernseher einen sogenannten Triple Tuner haben, damit man ohne Zusatzgeräte Fernsehempfang über Satellit (DVB-S), Kabel (DVB-C) oder Antenne hat. Beim Antennenempfang ist wichtig, dass der neue Standard DVB-T2 unterstützt wird.

Quelle: n-tv.de