Technik
Downloadraten von 45 Megabyte pro Sekunde sind in Deutschland nicht selbstverständlich.
Downloadraten von 45 Megabyte pro Sekunde sind in Deutschland nicht selbstverständlich.(Foto: jwa)
Mittwoch, 06. Juni 2018

Deutschland ist 4G-Schwächling: Wer hat das beste LTE-Netz?

Dass Deutschland nicht zu den Ländern mit der besten Netzabdeckung und den höchsten Downloadraten gehört, ist bekannt. Eine neue Studie zeigt, wie es um die LTE-Versorgung in Deutschland steht und wo Nutzer das beste Netz bekommen.

Das LTE-Netz in Deutschland ist imm­­­­er wieder Gegenstand von Untersuchungen - und nicht selten auch von hämischen Witzen. Der Industriestandort Deutschland hängt in Sachen Netzabdeckung im internationalen Vergleich hinterher. Das ist kein Geheimnis, und zum gleichen Ergebnis kommt auch eine neue Untersuchung von OpenSignal. Das britische Unternehmen hatte die Netzabdeckung in Deutschland zuletzt im Februar untersucht - mit erschreckenden Ergebnissen. Jetzt gibt es eine neue Studie.

Wer sich ein wenig mit der Mobilfunk-Situation in Deutschland auskennt, wird von den neuen Erkenntnissen von OpenSignal kaum überrascht sein. Aus mehr als 855 Millionen Datenstichproben von rund 69.000 OpenSignal-Nutzern im ersten Quartal 2018 haben die Briten ermittelt, bei welchem der drei großen Anbieter Telekom, Vodafone und O2 Geschwindigkeit und Verfügbarkeit des 4G-Netzes am besten sind.

Immer der gleiche Sieger 

Klarer Sieger ist die Deutsche Telekom. Das Unternehmen gewinnt fünf der insgesamt sieben Auszeichnungen, die OpenSignal zu vergeben hatte, darunter der Preis für die höchste Download-Rate im LTE-Netz und die beste Verfügbarkeit des schnellen Verbindungsstandards. In allen fünf Test-Regionen - West, Nord, Nordost, Süd und Südwest - konnte die Telekom laut OpenSignal den ersten Platz belegen, mit einem komfortablen Vorsprung von rund zehn Prozentpunkten zum Zweitplatzierten Vodafone.

Bei der Verfügbarkeit erreichte die Deutsche Telekom in allen Regionen Werte von über 80 Prozent, im Nordosten war der Wert mit 83,5 Prozent am höchsten. Vodafone-Nutzer brachten es in den Stichproben auf eine Verfügbarkeit von über 70 Prozent, allerdings nur in den Regionen Nord und Nordost. O2-Kunden brachten es nur in den Regionen Nordost und West auf mehr als 60 Prozent.

Vodafone in einer Kategorie besser

Auch bei den maximalen Download-Raten lag die Telekom in allen Regionen deutlich vorne, mit maximal 39 Megabyte pro Sekunde (MB/s) in der Region West. Vodafone konnte laut OpenSignal in drei Regionen lediglich die 20 MB/s-Grenze knacken, O2 brachte es nirgends auf über 20 MB/s.

In urbanen Regionen liegt Vodafone aber fast gleichauf mit der Telekom: In den Großräumen Düsseldorf, München, Hannover und Stuttgart schnitt Vodafone ähnlich gut ab wie die Telekom.  Bei der Latenz, also der Verzögerung, mit der Daten durchs Netz geschickt werden, liegt insgesamt Vodafone vorne. In dieser Kategorie kann O2 auch einen kleinen Erfolg verbuchen: In Hamburg ist die gemessene Latenz im O2-Netz ebenso gering wie bei Vodafone.

Wer ist Schuld am schlechten Schnitt?

Wie repräsentativ diese Studie ist, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten. Bereits im Februar hatte Telekom-Sprecher Andreas Middel die damalige Studie gegenüber Golem.de kritisiert, weil sie für die Datenerhebung auf Nutzer angewiesen sei, die eine App herunterladen, und das mache in Deutschland kaum jemand. Tatsächlich habe Deutschland eine der besten Mobilfunk-Infrastrukturen weltweit, und das sei vor allem den Investitionen der Telekom zu verdanken. So oder so, in diesem Punkt sind sich Middel und OpenSignal einig. In der Studie der Briten heißt es, dass die schlechten Ergebnisse der anderen Anbieter, vor allem von O2, den Schnitt nach unten ziehen und Deutschland im internationalen Vergleich schlecht aussehen lassen.

Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland laut OpenSignal mit einer durchschnittlichen LTE-Verfügbarkeit von 65,7 Prozent in der unteren Hälfte. Auch bei der Übertragungsgeschwindigkeit liegt Deutschland mit durchschnittlich 22,7 MB/s nur im Mittelfeld. Immerhin gibt es Hoffnung: OpenSignal sieht Verbesserungen bei allen drei großen deutschen Anbietern und eine wachsende Konkurrenz, wodurch sich die Situation schnell bessern sollte. Die deutschen Mobilfunknutzer können nur hoffen, dass die Briten Recht behalten.

Quelle: n-tv.de