Wirtschaft

Unterirdisches Arbeitsklima 25. Suizid bei France Telecom

Beim französischen Telefonanbieter France Telecom hat sich ein weiterer Mitarbeiter das Leben genommen. Ein 48 Jahre Ingenieur habe sich in seinem Haus in der Bretagne erhängt, teilte das Unternehmen mit.

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(Foto: AP)

Es ist der 25. Selbstmord bei dem noch teilweise in Staatsbesitz befindlichen Unternehmen binnen 20 Monaten.

Der Familienvater habe in einem Forschungszentrum im westfranzösischen Lannion gearbeitet, sagte ein Sprecher von France Telecom. Er sei vor einem Monat auf Rat eines Arbeitsmediziners krank geschrieben worden. Konzernchef Didier Lombard sei "zutiefst getroffen" und habe sich "umgehend" auf den Weg zur Arbeitsstätte des Mannes gemacht. In Lannion ist es bereits der zweite Selbstmord bei France Telecom innerhalb weniger Wochen. In der Nacht vom 29. auf den 30. August hatte sich ein Forschungstechniker der dortigen Niederlassung umgebracht, ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen.

Aufruf zu Protestaktionen

Die Gewerkschaften riefen die Mitarbeiter auf, am 20. Oktober auf "alle möglichen Arten" gegen die Arbeitsbedingungen bei dem Unternehmen zu protestieren. Sie machen für die Selbstmordserie den rasanten Konzernumbau verantwortlich, durch den viele Beschäftigte versetzt würden und die Arbeitsorganisation stark verändert werde.

France Telecom hat wegen der Selbstmordserie bereits jegliche Art von Versetzungen bis Jahresende ausgesetzt. Mit den Gewerkschaften laufen Verhandlungen über eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Anfang des Monat musste Lombards Stellvertreter wegen der Suizidserie seinen Posten räumen.

Brief der Ministerin

Die französische Regierung rief Unternehmen, an denen der Staat beteiligt ist, generell zu einer menschlicheren Personalpolitik auf. Solche Firmen müssten in diesem Bereich "vorbildlich" sein, forderte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde in einem Schreiben an eine Reihe von Konzernen vor dem neuen Selbstmord bei France Telecom. Sie rief die betroffenen Unternehmen auf, die Regierung über Pläne bei Umbauten im Personalbereich besser zu informieren.

Die Firmen müssten zudem Strategien entwickeln, um "verzweifelte oder gefährdete" Mitarbeiter zu identifizieren und die persönliche Lage der Beschäftigten besser zu berücksichtigen.

Quelle: n-tv.de, wne/AFP

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23.04.09