Wirtschaft

Japan sucht den Aufschwung Abes Strategie lässt Wünsche offen

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Die mit Spannung erwartete Rede des japanischen Ministerpräsidenten über weitere Details des Wachstumsprogramm bringt nicht die erhofften Impulse.

(Foto: REUTERS)

Die hohen Erwartungen an die Rede von Ministerpräsident Shinzo Abe über die künftige Wachstumsstrategie Japans werden enttäuscht. Experten mangelt es vor allem an "harten Entscheidungen", um das Wachstum langfristig anzuschieben.

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Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat sein lang erwartetes Strategiepapier vorgelegt, mit dem er sein Land auf einen dauerhaften Wachstumskurs bringen will. Abes Strukturreformen umfassen weite Teile der japanischen Wirtschaft - von den stagnierenden Agrar- und Energiemärkten bis hin zu neuen Steuererleichterungen für ausländische Investoren und Wagniskapitalgeber. Positive Überraschungen sind dabei nach ersten Einschätzungen ausgeblieben. "Ein paar neue Aspekte gibt es, insgesamt hat er die Erwartungen aber enttäuscht", beurteilt Volkswirt Dai Sato von der Mizuho Corporate Bank das Abe-Papier in einer ersten Reaktion.

"Da gibt es eindeutig Enttäuschungen in der Rede. Die Details fehlen. Außerdem hat er von sehr langen Zeiträumen gesprochen, erhofft hatte man sich aber eine kurzfristigere Fokussierung, zumal wenn man gesehen hat, was sich in nur einem halben Jahr am Aktienmarkt getan hat", kommentiert Marktstratege Daisuke Uno von Sumitomo Mitsui Banking.

Pro-Kopf-Einkommen anschieben

Einige Vorhaben dürften sich kurzfristig auf die Finanzmärkte auswirken. Dort ist die Skepsis an den "Abenomics" getauften japanischen Aufschwungsprogrammen inzwischen gewachsen. Vor allem die neue Empfehlung, die Anlageregeln für Japans riesige öffentliche Rentenfonds zu lockern, dürfte zeitnah spürbar sein. Demnach könnten die Fonds mehr Aktien kaufen und einen Teil ihrer stabilen, aber renditeschwachen Staatsanleihen verkaufen. "Abenomics" ist eine Mischung aus den gerade angekündigten Strukturreformen und einer aggressiven Geld- und einer expansiven Finanzpolitik.

Zur Belebung der Wirtschaft will Abe auch das Pro-Kopf-Einkommen anschieben. Ziel ist ein Plus von drei Prozent in zehn Jahren. Zugleich kündigte der Regierungschef die Schaffung von Sonderwirtschaftszonen an, um ausländische Technologiekonzerne, Arbeitskräfte und Fonds anzulocken. Abe hat es sich zum Ziel gesetzt, die Deflation und wirtschaftliche Stagnation zu beenden, mit der die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft seit Jahren kämpft.

Harte Maßnahmen fehlen

Trotzdem umgeht das große Strategiepapier einige der harten Entscheidungen, die aus Sicht von Volkswirten nötig sind, um die anhaltende Schwäche der japanischen Wirtschaft an ihren Wurzeln zu beseitigen. So beinhalten die geplanten Strukturreformen nur bescheidene Maßnahmen, die darauf abzielen, die Lohnkosten der japanischen Industriegiganten zu senken. Diese halten viele angesichts der vorherrschenden Nachfrage für zu hoch. Auch vermeidet der Reformplan jegliche Vorstöße, um Stellenabbau zu erleichtern, der in Japan so gut wie unmöglich ist.

Abes Vorschläge "reichen nicht aus, damit Japan nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreichen und die Deflation überwinden kann", sagt Hisashi Yamada, Chefvolkswirt beim Japan Research Institute. "Ohne Arbeitsmarktreform wird Japan mit dem Wachstum an die Wand fahren", sagt Yamada.

Eine Einschätzung der möglichen Auswirkungen des Programms ist schwierig, weil viele Details - wie die angepeilte Höhe der Steuervergünstigungen - nicht sofort bekanntgegeben werden. Die Entscheidung dürfte später im Jahr fallen. Viele der Hunderte von Vorschlägen innerhalb des Programms müssen vom Parlament ratifiziert werden, und noch fehlen die Gesetzesentwürfe.

Heftige Reaktion an der Börse

Die Anleger hatten wohl mehr von Shinzo Abe erwartet. Die mit Spannung erwartete Rede des japanischen Ministerpräsidenten über weitere Details des Wachstumsprogramm brachte nicht die erhofften Impulse. An der Börse in Tokio sackte der Nikkei daraufhin innerhalb kurzer Zeit um 500 Punkte ab, zeitweise notierte der Index fast vier Prozent im Minus.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts/DJ

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