Wirtschaft

Erstes Werk vor Boeing-Haustür Airbus startet US-Vorstoß

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Airbus macht sich auf, die USA zu erobern.

(Foto: dpa)

Es ist soweit: Airbus macht den ersten Spatenstich für sein Werk in den USA. Der europäische Flugzeugbauer nimmt damit den wichtigen amerikanischen Markt ins Visier, der bislang die Schwachstelle ist. Denn dort herrscht Boeing.

EADS
Airbus 131,58

Als hätte Boeing nicht schon genug Probleme. Der Vorzeigejet "Dreamliner" steht nach Batterieproblemen seit fast drei Monaten zwangsweise am Boden, und Fluggesellschaften fordern Schadenersatz für den Ausfall. Da startet Airbus auch noch seinen angedrohten Vorstoß auf den Heimatmarkt des Erzrivalen. Der europäische Flugzeugbauer legt an diesem Montag den Grundstein für sein erstes Montagewerk auf amerikanischem Boden.

"Wir müssen in den USA sichtbar sein", hatte Airbus-Chef Fabrice Brégier im vergangenen Sommer den kühnen Plan begründet, ausgerechnet in den Vereinigten Staaten Maschinen der Erfolgsbaureihe A320 zu montieren. 2015 soll die Fertigung starten. Wenn das Werk rund läuft, sollen hier jährlich 40 bis 50 der Mittelstrecken-Jets entstehen. "Wir sind der Überzeugung, dass wir einen größeren Anteil am Markt bekommen können", sagte Brégier selbstbewusst.

Kampfansage an Boeing

Das Werk ist eine direkte Kampfansage an Boeing. Der US-Hersteller beherrscht den wichtigsten Flugzeug-Markt der Welt mit Abstand. Manche amerikanische Airline setzt auf eine reine Boeing-Flotte wie die größte Inlandslinie Southwest mit fast 700 Jets.

Vom zukünftigen Geschäft will Airbus nun ein größeres Stück abhaben. Der Hersteller rechnet damit, dass in den USA binnen zwanzig Jahren fast 5300 neue Verkehrsflugzeuge benötigt werden, Rivale Boeing geht sogar von einer noch größeren Anzahl aus. Gefragt sind dabei vor allem Maschinen mit 100 bis 200 Sitzplätzen - wie der Airbus A320 oder Boeings Gegenstück 737.

Airbus' Hoffnung ist, dass eine Fertigung vor Ort das Eis bei den US-Fluggesellschaften bricht. Die Chefs mehrerer Airlines hatten sich bereits positiv zum neuen Werk geäußert. Überdies fällt das Wechselkursrisiko durch die US-Produktion weg. Flugzeuge werden weltweit in Dollar gehandelt.

Beispiel Autobranche

Der europäische Flugzeug-Bauer hat offenbar genau studiert, wie andere ausländische Firmen in den USA den Durchbruch geschafft haben: Mit Werken im Land. Bestes Beispiel sind die japanischen und deutschen Autobauer, die den "Big Three" aus Detroit Marktanteile abgenommen haben. Oder Siemens. Der Münchener Technologiekonzern wurde sogar schon zweimal von Präsident Barack Obama in wichtigen Ansprachen lobend erwähnt.

Airbus lässt sich seinen Vorstoß in den USA umgerechnet eine knappe halbe Milliarde Euro kosten. Dafür entstehen nahe der Südstaaten-Stadt Mobile mehrere Montagehallen plus Startbahn. Bis zu 1000 Leute sollen hier Arbeit finden, was die Airbus-Mannschaft im Land verdoppeln würde. Bislang unterhalten die Europäer in den USA vor allem Trainings-, Wartungs- und Entwicklungszentren.

Die Produktion von Verkehrsmaschinen könnte auch die Tür zu einem anderen Kunden weiter aufstoßen: dem US-Militär. Beim multimilliarden Dollar schweren "Jahrhundert-Auftrag" der Air Force für Tankflugzeuge hatte Boeing gesiegt. Für Airbus und seine Konzernmutter EADS war es eine der größten Schlappen überhaupt. Ein eigenes US-Werk dürfte Airbus auch in Washington mehr Gehör verschaffen.

Quelle: n-tv.de, Daniel Schnettler, dpa

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