Wirtschaft

BER-Technik-Chef Amann muss gehen Das Comeback von Wowereit

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Vor einem Jahr hätte niemand gewettet, dass Wowereit Amann am BER überlebt.

(Foto: dpa)

Vor einem Jahr galt Horst Amann noch als großer Hoffnungsträger für den Pannenflughafen BER. Das war bevor Hartmut Mehdorn als Flughafenchef dazustieß. Seitdem sind die Fetzen geflogen. Jetzt ist der Technikchef weg und derjenige, der eigentlich für das Desaster verantwortlich schreibt, wieder voll im Geschäft.

Das nächste Bäumchen-wechsle-dich am Berlin-Brandenburger Pannenflughafen ist bemerkenswert: Der noch Anfang des Jahres als Hoffnungsträger gehandelte Technikchef Horst Amann wird vom Aufsichtsrat vom Platz gestellt. Gleichzeitig wird der maßgeblich Verantwortliche an dem ganzen Flughafendesaster, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, in seiner Funktion als oberster Kontrolleur bestätigt.

In einer kurzen und diplomatisch gehaltenen Abschiedsrede kam es ausgerechnet Wowereit, der derzeitig kommissarisch den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden innehat, zu, von einer Entscheidung "in gegenseitigem Einvernehmen" zu sprechen. Er hob hervor, dass Amann in einer schwierigen Zeit zum Flughafen gekommen sei. Mit seiner Bestandsaufnahme der mehr als 60.000 Mängel habe er eine Grundlage für die weiteren Entscheidungen geschaffen. Gleichzeitig äußerte Wowereit sich aber enttäuscht darüber, dass ein von Amann genannter Eröffnungstermin ebenfalls kippte.

Was alles in der Zeit unter Wowereit an der Spitze des Kontrollgremiums schief gelaufen ist, steht auf einem anderen Blatt.Viermal wurde die Eröffnung bereits verschoben, beide langjährigen Geschäftsführer - Manfred Körtgen und Rainer Schwarz - wurden auf der Strecke entlassen, sieben Jahre nach Baubeginn gibt es noch keinen Termin zur Inbetriebnahme. Das Kürzel BER ist in Deutschland zum Synonym für das Versagen öffentlicher Bauplanung geworden.

Hoffnungsträger Amann wurde nicht seine Unprofessionalität, sondern vor allem sein katastrophales Verhältnis zu Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn zum Verhängnis. Seit Mehdorn zum Pannenprojekt BER dazugestoßen ist, sollen zwischen Amann und ihm die Fetzen geflogen sein. Fast täglich soll es Auseinandersetzungen gegeben haben. Mehdorn stellte den Ex-Technikchef öffentlich als bloßen Verwalter der Mängelliste hin. Amann bezichtigte Mehdorn, ein Blender und "aggressiv" zu sein. Mehdorn kündigte im August an, dass im kommenden Frühjahr in einem Teil des Flughafens der Betrieb aufgenommen werde. Amann habe dagegen dafür plädiert, den gesamten Flughafen Schönefeld in den benachbarten BER umzuziehen, heißt es.

Auf dem Schleichweg zurück

Seit zwei Jahren dämmert der BER in einem Baustellen-Dornröschenschlaf vor sich hin und das Management ist immer noch mehr mit sich selbst als mit der Bausstelle beschäftigt. Mancher Kopf ist inzwischen gerollt, aber ausgerechnet Chefkontrolleur Wowereit sitzt fester im Sattel als vor einem Jahr. Nach seiner kurzzeitigen Abstrafung Anfang des Jahres und Degradierung ins zweite Glied könnte er vor einem bemerkenswerten Comeback stehen. Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Das Kontrollgremium hat sein Mandat im Aufsichtsrat nicht nur verlängert und ihn wieder zum stellvertretenden Vorsitzenden ernannt. Offenbar traut man ihm inzwischen wieder etwas zu und hält es durchaus für denkbar, dass er den Chefposten wieder übernimmt.

Wowereit führt das Kontrollgremium, seit sich der damalige Brandenburger Regierungschef Matthias Platzeck im August zurückgezogen hat, nur kommissarisch. Er soll aber wieder Ambitionen auf den Posten geäußert haben. Alle anderen Kandidaten, die als Anwärter gehandelt wurden, haben bereits dankend abgelehnt. Wenn es keine Alternativen gibt, könnte Wowereit also wieder im Geschäft sein. Das hat auch das Bundesverkehrsministerium eingeräumt. Es erklärte kürzlich, dass der Bund als Gesellschafter eine externe Lösung bevorzugen würde, doch damit wären zwangsläufig wieder Zeitverzögerungen verbunden.

Hofreiter:  "Wowereit muss weg"

Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Anton Hofreiter, kritisierte die Entlassung Amanns scharf. Hofreiter forderte zudem den Rückzug von Wowereit aus dem BER-Aufsichtsrat. "Wowereit sollte den Aufsichtsrat völlig verlassen, statt weiter die Lösung der Probleme zu stören", sagte der Grünen-Fraktionschef. "Die Zustände am BER haben ein Ausmaß erreicht, das man sich kaum vorstellen kann", sagte er weiter. Der amtierende Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer müsse "endlich Verantwortung übernehmen und nicht weiter so tun, als hätte er mit all dem nichts zu tun". 

Amann soll nun ab November die Tochterfirma Flughafen Energie und Wasser GmbH leiten. Sie betreibt das Strom-, Wasser-, Abwasser-, Wärme- und Kältenetz der bestehenden Airports Tegel und Schönefeld sowie des neuen Berliner Flughafens. Amanns Bezüge behalten die bisherige Höhe. "Wir wollen, dass dieser Bereich entwickelt wird", entgegnete Wowereit auf die Frage, ob Amann lediglich einen Versorgungsposten erhalten habe. Es bleibt spannend, wie lange es dauern wird, bis Wowereit als neuer alter Hoffnungsträger ausgedient hat.

Quelle: ntv.de, mit AFP

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