Wirtschaft

Stimmungswandel für US-Biotechs Amgen, Biogen – besser als Facebook?

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(Foto: REUTERS)

Im Gegensatz zur Facebook-Aktie tendieren die Papiere der US-Biotechwerte wie Amgen und Biogen seit etlichen Jahren lediglich seitwärts. Sorgt ausgerechnet Trump für einen Trendwechsel?

Die Aussichten für den US-Biotechsektor verbessern sich allmählich. Nachdem US-Präsident Donald Trump lange damit gedroht hatte, die Regierung werde für niedrigere Medikamentenpreise sorgen, sorgte zuletzt eine Studie von Goldman Sachs für Aufsehen, wonach Trumps Team an einem Dekret arbeitet, das auf Zustimmung in der Gesundheitsindustrie treffen werde. Das sorgte für Erleichterung bei Biotech-Investoren.

Ein derartiges Dekret würde nicht zuletzt den Druck auf den US-Branchenprimus Amgen mildern, hat er doch mit etlichem Gegenwind zu kämpfen. So sank der Umsatz des Präparats Enbrel zur Behandlung von Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung), der zweitgrößte Umsatzlieferant von Amgen, im ersten Quartal um 15 Prozent auf 1,18 Milliarden Dollar. Damit lag er deutlich unter den Erwartungen der Analysten von 1,38 Milliarden Dollar. Gleichzeitig befürchten Investoren, dass der Wettbewerbsdruck auf Enbrel durch Biosimilars zunehmen wird. Das sind Nachahmerprodukte eines Biopharmazeutikums, beispielsweise eines biotechnologisch erzeugten Proteins, das nach Ablauf der Patentzeit des Originalwirkstoffs zugelassen wird. Für Verunsicherung bei Investoren sorgte zudem, dass der Absatz des neuen Cholesterinsenkers Repatha mit 49 Millionen Dollar ebenfalls unter den Prognosen der Finanzprofis lag.

Marge statt Wachstum

Obwohl sich das Team um Vorstandschef Bob Bradway bei der Analystenkonferenz zuversichtlich gab, dass sich das Geschäft mit Enbrel in den nächsten Quartalen beleben werde, sind viele Analysten für Amgen weiterhin skeptisch. So sagt der Konsens für das laufende Jahr einen leichten Rückgang des Umsatzes vorher, während er 2018 um lediglich 0,4 Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar klettern soll. Trotz anhaltender Kostensenkungen werde der Branchenprimus den Gewinn je Aktie im nächsten Jahr um lediglich 2,5 Prozent steigern. Auf dieser Basis erscheint das 2018er-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,4 nicht billig. Allerdings glänzt der Konzern mit einer sensationellen operativen Marge von 52 Prozent. Der Konsens der Analysten preist bereits viel von den schlechten Nachrichten in der Aktie ein. Das Überraschungsmoment könnte auf Amgens Seite liegen, zumal Bradway Akquisitionen anpeilt, um das Wachstum anzukurbeln.

Auf der anderen Seite des Aktienspektrums ist der Highflyer Facebook zu finden, der von Analysten weiterhin eine rosige Zukunft eingepreist bekommt. Immerhin sagen die Analysten für das soziale Netzwerk für 2017 ein Umsatzplus von hohen 39 Prozent voraus, und für 2018 von 28 Prozent. Zuletzt hat Facebook wie andere US-Techgrößen enormen Gegenwind verspürt, weil die Aktie zu den Titeln gehört, die bereits sehr stark in den Fonds vieler Amerikaner vertreten ist.

Blockbuster gefragt

Analysten sind für den anderen großen US-Biotech Biogen sogar noch optimistischer gestimmt. Zwar soll der Umsatz für dieses Jahr laut den Schätzungen leicht sinken. Doch für 2018 wird ein Anstieg um 5,8 Prozent auf 12,0 Milliarden Dollar vorhergesagt, wobei der Gewinn je Aktie um zehn Prozent nach oben schießen soll. Zwar bekommen die Präparate Tecfidera und Tysabri gegen Multiple Sklerose den verstärkten Wettbewerbsdruck durch das Konkurrenzprodukt Ocrevus des Schweizer Konzerns Roche zu spüren. Der neue Biogen-Chef Michel Vounatsos setzt aber darauf, dass neue Präparate, wie Spinraza gegen spinale Muskelatrophie (Muskelschwund), stärker nachgefragt sein werden. Analysten gehen sogar davon aus, dass Spinraza innerhalb von zwei Jahren einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar erreichen und damit zum Blockbuster werden wird. Diese geschäftlichen Aussichten und nicht allein Trump sind die Grundlage für einen nachhaltigen Stimmungswandel bei Biotechwerten, die künftig sogar Facebook und andere große US-Technologiewerte herausfordern könnten.

Quelle: n-tv.de