Wirtschaft

Alternativen zu Dax & Co. "Anleger schätzen Sachwerte"

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China investiert kräftig in Infrastruktur.

(Foto: REUTERS)

Mit Versprechen in Infrastrukturvorhaben punkten Politiker häufig bei ihren Wählern. Fondsmanager Markus Pimpl rät: Nicht von markigen Worten blenden lassen und sich die langfristigen Wachstumschancen zu Nutze machen.

Telebörse.de: Der Dax und viele andere Indizes erklimmen ein Rekordhoch nach dem nächsten. Warum sollten Anleger ihr Geld in häufig defensive Infrastrukturinvestments anlegen?

Markus Pimp: Trotz der Rekordfahrt an den Aktienmärkten hat das Interesse an Infrastrukturinvestitionen bei Anlegern in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Das Anlageziel dieser Investoren ist nicht die kurzfristige Renditeoptimierung. Geprägt durch überraschende politische Ereignisse, wie zum Beispiel dem Brexit, und auch angesichts der verbleibenden weltwirtschaftlichen Unsicherheiten schätzen Anleger nach wie vor Investitionen in Sachwerte. Sie haben üblicherweise eine geringere Konjunktursensitivität und sind elementar für die Funktions- und Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Mit diesen Investitionen haben Anleger gute Chancen, auch die nächste Krise zu überstehen. Diese defensiven Eigenschaften und das gleichzeitige langfristige Wachstumspotential eröffnen nicht nur eine neue Renditequelle für Anleger, sondern tragen auch zur Stabilität beziehungsweise Diversifikation eines Aktienportfolios bei.

Welche Infrastrukturinvestments eignen sich hierfür?

Nicht alle Anlagemöglichkeiten, die in der Vergangenheit mit dem Wort Infrastruktur versehen wurden, haben auch die erwünschten Eigenschaften aufgezeigt. Wir haben es uns daher vor mehr als zehn Jahren, als wir unseren Infrastrukturfonds aufgelegt haben, zum Ziel gemacht, Zugang zu langfristigen Wachstumstreibern zu ermöglichen, um risikoadjustierte Renditen zu erwirtschaften. Gleichzeitig sollten die für Infrastruktur typischen Eigenschaften, wie etwa eine geringere Konjunktursensitivität und ein aktiver Inflationsschutz zum Tragen kommen, damit Anleger eine defensive Diversifikation in ihrer Aktienquote erreichen können. Möglich wird dies durch eine eindeutige Definition der Aktientitel, die diesen Ansprüchen gerecht werden. Für uns sind dies ausschließlich Infrastrukturaktien, die in einem monopolistischen Umfeld agieren und somit typischerweise stabile, vorhersehbare Erträge erwirtschaften können. Wir finden solche so genannten Kerninfrastrukturtitel etwa im Bereich Transport bei Mautstraßenbetreibern oder im Bereich Kommunikation bei Satellitenbetreibern.

US-Präsident Donald Trump will die Infrastruktur der USA mit einem milliardenschweren Programm erneuern. Wird das der große Schub für die Infrastrukturbranche?

Ob Trump, Xi oder Juncker, sie alle eint der Wunsch nach einer leistungsfähigen Infrastruktur. Staatliche Förderprogramme sind daher weder neu oder gar eine Innovation der Ära Trump. In der Volksrepublik China wird der Ausbau der Infrastruktur staatlich gefördert, und bereits Obama hat 2009 in den USA ein Infrastruktur-Stimuluspaket aufgelegt, wenn auch um einiges kleiner. Trump hat immense Investitionssummen in den Mund genommen, bleibt aber genaue Informationen schuldig, wie er diese Mittel einsetzen möchte. Allerdings wirkt sich Trumps Initiative zur Steuererleichterung der Unternehmen bereits positiv auf einige US-Infrastrukturgesellschaften aus. Zu beachten ist grundsätzlich, dass die Umsetzung dieser Programme teilweise Jahre verzögert erfolgt. Dies macht es auch schwierig, die vermeintlichen Gewinner solcher Programme zu identifizieren. Am Aktienmarkt stürzt man sich nach Bekanntwerden solcher Initiativen typischerweise auf infrastrukturverwandte, eher zyklische Titel wie Baustoffhersteller und Bauunternehmen. Bereits 2009, zu Zeiten von Obamas Programm, haben diese Titel unmittelbar profitiert, konnten aber langfristig nicht überzeugen. Eine ähnliche Entwicklung würde mich daher auch in den kommenden Monaten nicht überraschen. Wir werden wie in der vergangenen Dekade unserem globalen Kerninfrastrukturansatz treu bleiben und tendenziell etwas zeitverzögert, aber dafür üblicherweise langfristiger, von diesen Entwicklungen profitieren.

Welche Regionen profitieren am meisten von Infrastrukturprojekten?

Auch wenn die mediale Aufmerksamkeit aktuell bei Trump und somit in den USA liegt, sind Ersatzinvestitionen von alter bestehender Infrastruktur in Europa und den USA nicht der einzige Treiber für Infrastrukturwachstum. In China werden, trotz aller regionalen Herausforderungen, jährlich ca.15 Prozent mehr Personenwagen zugelassen - die offensichtliche Folge einer wachsenden Mittelschicht. Diese Autos benötigen Straßen, und es muss darüber hinaus auf die steigende Luft- und Wasserverschmutzung regiert werden. Alles dreht sich hier um Infrastruktur. Gleiche Entwicklungen findet man auch in anderen Ländern Asiens und Lateinamerikas. Infrastrukturwachstum auf einige Länder oder gar Sektoren zu reduzieren, halte ich für falsch. Es nimmt dem Investor Renditequellen - und noch viel wichtiger, die Möglichkeit, sein Anlagerisiko zu streuen. Zum Vergleich: In Zeiten, in welchen in London über den Bau einer neuen dritten Start- und Landebahn für Heathrow gesprochen wird, werden gleichzeitig in China am neuen Flughafen von Peking sechs Start- und Landebahnen gebaut.

Manche Sektoren der Infrastrukturinvestments sind bereits hoch bewertet. Welche Segmente bieten derzeit die besten Chance-Risikoprofile?

In den vergangenen zehn Jahren haben wir immer wieder Übertreibungen in verschieden Infrastruktursektoren gesehen, zuletzt bei den Schiefergaspipelines in den USA, welche noch heute bei einigen Infrastrukturindizes sehr stark gewichtet sind. Als Manager ist es wichtig, diesen Trends nicht hinterher zu rennen und das Portfolio auf einen Sektor auszurichten. Das funktioniert meist nur eine gewisse Zeit und dann folgt häufig die negative Überraschung. Im Fall der Pipelines war es der fallende Ölpreis. Unser Auftrag ist es, den Wunsch unserer Investoren nach einer defensiven Portfolioausrichtung gerecht zu werden und nicht Wetten auf einzelne Themen einzugehen. Glücklicherweise bietet uns das globale Investmentuniversum mit sehr unterschiedlichen Infrastruktursektoren gute Möglichkeiten, auf Übertreibungen zu reagieren und das Portfolio entsprechend umzuschichten. In den vergangenen zehn Jahren ist uns dies auch gelungen. Aber eines ist auch klar: Aktienfonds, auch Infrastrukturfonds, sind trotz ansprechender Bewertung und einer soliden Entwicklung auch immer dem allgemeinen Marktsentiment ausgeliefert.

Wie wird sich das Umfeld für Infrastrukturinvestments verändern? Welche Trends sehen Sie?

Infrastrukturinvestoren sollten nicht in Monaten, sondern in Jahren denken. Die stabilen Ertragslagen und das langfristige Wachstumspotential eignen sich nicht zur kurzfristigen Renditeoptimierung. Aktive Portfoliostreuung und attraktive risikoadjustierte Renditen sollten ein langfristiges Anlageziel sein. Politiker und Infrastrukturprogramme kommen und gehen. Was sicher bleibt, ist der Bedarf, die bestehende, alte Infrastruktur zu erneuern und neue Infrastruktur aufzubauen. Auch die Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung führen vermehrt zur unmittelbaren Notwendigkeit in Infrastruktur zu investieren. Infrastrukturbetreiber sollten somit auch für die kommenden Jahre mit ansehnlichem Wachstumspotential ausgestattet sein.

Mit Markus Pimpl sprach Benjamin Feingold

Quelle: n-tv.de

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