Wirtschaft

Neue Regulierung Anlegerschutz auf die Spitze getrieben

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(Foto: dpa)

MiFID II soll für mehr Transparenz bei der Produktwahl sorgen, allerdings ist vieles verwirrend und abschreckend . etwa die Angaben zur Renditechance.

Die Idee einer neuen Regulierung ab 2018 ist gut. Wer seit diesem Jahr ein Finanzprodukt kauft, sieht auf den ersten Blick die Kosten, die damit verbunden sind. Transparenz haben sich die Regulierer mit dem neuen Regulierungsgesetz MiFID II auf die Fahnen geschrieben, aber in einigen Bereichen sind sie deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Die mangelnde Übersichtlichkeit der neuen Produkterklärungen ist vielleicht noch vertretbar. Dagegen sind die Szenarioanalysen möglicher Produktentwicklungen für Hebelpapiere verwirrend, weil aus einer beispielhaft angegebenen Tagesbewegung eine jährliche Durchschnittsrendite berechnet wird.

Aber wer hält schon ein hochgehebeltes Wertpapier ein Jahr lang? Diese Angabe ist verwirrend, weil bei moderaten Hebeln von fünf schnell eine jährliche Durchschnittsrendite von mehr als 1000 Prozent zustande kommt, obwohl sich der Dax am Tag um nur wenige Prozentpunkte in die gewünschte Richtung bewegt hat. Die Tagesbewegung auf das Jahr hochzurechnen macht bei Hebelpapieren daher keinen Sinn. Besser wäre bei der Tagesbetrachtung zu bleiben, also die Tagesrendite anzugeben.

Noch mehr Verwirrung

Auch die Angabe der Marge ist gut gemeint, aber in der Umsetzung nicht überzeugend. Die Angabe auf Jahresbasis mag für Fonds oder ETFs ein angemessener Anhaltspunkt sein, weil diese Produkte für ein längerfristiges Engagement geeignet sind, aber für andere Produktkategorien ist diese Angabe überflüssig. Hier können Anleger leicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Betroffen sind wieder die Hebelpapiere. So ist eine Marge bei hochgehebelten Papieren von vier Prozent am Tag nicht viel, da der Emittent Absicherungskosten hat und vier Prozent Gewinn durch die hohe Hebelwirkung schnell die Kosten wieder hereinholen können. Wer aber wieder die vier Prozent Marge aufs Jahr hochrechnet, erreicht ebenfalls Zahlen jenseits der 1000 Prozent - wieder irreführend.

Man stelle sich beim Betreten eines Autohauses vor, die Einzelteile eines Autos sind mit Preisschildern versehen, die Kosten und Margen aufs Jahr umgerechnet haben. Dann kann ein Lenkrad oder ein Kotflügel schon mal eine Marge von 1000 Prozent im Jahr haben, und was will uns das als Verbraucher sagen? Absolut nichts, vielmehr dürfte das potenzielle Autokäufer verwirren und vor allem abschrecken.

Aber vielleicht ist das auch das Ziel der MiFID II-Regulierer gewesen. Daher macht die Margenangabe keinen Sinn und verstößt auch gegen das Gleichheitsprinzip zu Produkten aus anderen Branchen. Die neue Regulierung bietet mit der Veröffentlichung der Kosten allerdings auch Vorteile, sollte aber in Relation zu einer vernünftigen Vergleichszahl stehen und transparent erläutert werden. Bei MiFID II besteht noch viel Verbesserungsbedarf.

Quelle: n-tv.de

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