Wirtschaft

Rekordlauf der US-Tech-Aktien Apple, Facebook & Co. sind im Höhenrausch

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Der Nasdaq Composite bewegt sich derzeit klar über der 5000-Punkte-Marke.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Nasdaq-Index notiert in der Nähe des Rekordhochs. Angetrieben wird der Index von Schwergewichten wie Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und der Google-Mutter Alphabet. Geht die Party weiter?

Schlechte Nachrichten für Twitter: Nachdem Gerüchte aufgekommen sind, wonach weder Apple noch Google ein Übernahmeangebot für den Kurznachrichtendienst abgeben dürften, war die Twitter-Aktie eingebrochen. Dagegen sind die Papiere vieler anderer US-Technologiewerte im Rally-Modus. So notiert der marktbreite Nasdaq Composite Index mit rund 5300 Punkten in der Nähe des Rekordhochs. Gegenüber dem Tief vom März 2009 hat sich das Barometer damit mehr als vervierfacht.

Zuletzt war auch die Aktie des Nasdaq-Schwergewichts Apple kräftig auf dem Weg nach oben, wenngleich bis zum Rekordhoch noch ausreichend Luft nach oben ist: Dabei sind sich viele Investoren unsicher, wie es mit der Geschäftsentwicklung bei dem Konzern weitergehen wird, ist er doch stark vom iPhone-Geschäft abhängig. Als schwierig erweist sich das Auslandsgeschäft. Hier gab es zuletzt deutliche Bremsspuren, vor allem in China. Laut den Berechnungen von JP Morgan macht das US-Geschäft im September-Quartal lediglich 35 Prozent des weltweiten iPhone-Absatzes aus, während der Wert im Dezember-Quartal auf 32 Prozent sinken soll.

Konkurrenz greift Apple massiv an

Apple könnte zwar zumindest kurzfristig davon profitieren, dass der Branchenprimus Samsung Probleme mit explodierenden Batterien beim Galaxy Note 7 hat. Allerdings greifen die Wettbewerber Apple zusehends an. So hat der chinesische Hersteller Xiaomi zuletzt das Modell Mi 5S Plus vorgestellt, mit dem der Konzern gerade im Premiumsegment punkten will. Mit Preisen von 2599 Renminbi (390 Dollar) ist das Mi 5S Plus nur halb so teuer wie vergleichbare Apple-Geräte. Xiaomi lernt vom Apple-Erfolg und will in den nächsten Jahren hunderte Läden in China eröffnen.

Die Alphabet-Tochter Google nimmt ebenfalls einmal mehr Apple ins Visier und steigt ins Hardware-Geschäft mit Smartphones ein. Anfang Oktober hat Google die Modelle Pixel und Pixel XL vorgestellt, die 649 bis 869 Dollar kosten und von der taiwanesischen Firma HTC produziert werden. Den Smartphones ist ein Adapter beigefügt, mit denen Kontakte und Fotos vom iPhone auf das Pixel übertragen werden können.

Etliche Analysten sind allerdings der Überzeugung, dass Google mit dem neuen Vorstoß nur dann erfolgreich sein wird, wenn das Unternehmen eigene Läden eröffnet, in denen die Kunden die neuen Geräte ausprobieren können. Bislang verkauft Google sie hauptsächlich über den eigenen Online-Shop, sowie in den Läden des US-Mobilfunkproviders Verizon und denen der US-Elektronikhandelskette Best Buy. Dennoch sind die Investoren insgesamt zuversichtlich für die Perspektiven der weltgrößten Internetsuchmaschine, weshalb die Alphabet-Aktien in der Nähe des Rekordhochs notieren.

Amazon wächst rasant im Cloud-Bereich

Geradezu euphorisch sind die Investoren für Amazon. Nach der Rekordfahrt ist der Börsenwert auf 399 Milliarden Dollar geklettert und das 2017er-KGV auf herbe 80. Mit einem Indexgewicht von 7,1 Prozent belegt Amazon den dritten Rang im Nasdaq 100, hinter Apple (10,9 Prozent) und Microsoft (8,0 Prozent). Investoren feiern das rasante Wachstum bei Amazon, wofür vor allem das Cloud-Geschäft verantwortlich ist. Es war im zweiten Quartal um stattliche 58 Prozent gewachsen und steuert mehr als die Hälfte des Konzerngewinns bei.

Nun greifen die Rivalen Microsoft, Apple und Google den Branchenprimus im Cloud-Bereich zusehends an, der laut der Synergy Research Group im zweiten Quartal weltweit einen drei Mal so großen Marktanteil wie die Nummer zwei Microsoft hatte. Microsoft hat in den vergangenen zwölf Monaten eine Milliarde Dollar investiert, um das Cloud-Geschäft in Europa auszubauen. Im nächsten Jahr sollen die Investitionen mit der Eröffnung eines Rechenzentrums in Frankreich weitergehen. Zudem fasst Google künftig sein Cloud-Geschäft mit dem Firmenkundengeschäft unter der neuen Einheit Google Cloud zusammen. Google ist die weltweite Nummer vier im Cloud-Geschäft, hinter Amazon, Microsoft, und IBM. Laut Auch Apple will ein größeres Stück von diesem Kuchen bekommen. Gerüchten zufolge will außerdem Apple sein Service-Geschäft aus verschiedenen Standorten künftig auf dem bestehenden Infinite Loop Campus in Cupertino, Kalifornien, zusammenziehen, um so die Schlagkraft im Cloud-Bereich zu erhöhen.

Kampf um die Haushaltsgeräte

Gleichzeitig greift Google mit seinem sprachgesteuerten Lautsprechersystem Home mit integriertem Assistenten das Konkurrenzprodukt Echo von Amazon an, das sich guter Nachfrage erfreut. Die Systeme können jeweils Fragen beantworten, Aufgaben für den Nutzer erledigen und andere Haushaltsgeräte steuern. Ziel ist es, den Nutzer jeweils in das eigene Ökosystem zu ziehen, und anschließend die eigenen Dienstleistungen zu verkaufen. Die Home-Lautsprecher von Google kosten 129 Dollar, während jene von Amazon zu Preisen von 49,99 beziehungsweise 179,99 Dollar zu kaufen sind. Die genannten Maßnahmen zeigen klar, dass die einzelnen Unternehmen den Konkurrenten verstärkt im Revier des Rivalen attackieren.

Mit einem Indexgewicht von 5,3 Prozent belegt Facebook Rang vier im Nasdaq 100. Nach der Serie starker Quartalszahlen gehen Investoren davon aus, dass das rasante Wachstum bei dem sozialen Netzwerk weitergehen wird. Es profitiert davon, dass User verstärkt mit mobilen Geräten ins Internet gehen, weshalb der mobile Bereich im zweiten Quartal 84 Prozent der Werbeeinnahmen beigesteuert hat.

Neben der starken Geschäftsentwicklung kommt vielen Technologie-Aktien die Beruhigung der US-Wirtschaft zugute. Nachdem die Volkswirte ihre Prognose für das US-Wirtschaftswachstum auf zuletzt nur mehr 1,5 Prozent eingedampft haben, schauen sich Investoren nach Unternehmen um, die selbst in dem schwachen Konjunkturumfeld kräftig wachsen. Fündig werden sie dabei vor allem bei Technologiewerten. Obwohl viele Aktien, wie etwa jene von Amazon, bereits hoch bewertet sind, könnte daher die Rekordfahrt, gerade bei den Schwergewichten, noch eine Weile weitergehen.

Quelle: ntv.de