Wirtschaft

Trotz Widerstand aus Deutschland Athen erwartet schnelle Hilfe

Griechenland rechnet trotz der Widerstände in Deutschland mit einer Einigung auf das Hilfspaket der Euro-Partner Anfang Mai. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Verhandlungen ziemlich schnell abgeschlossen werden können", sagte der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. Deutschland sei komplett mit an Bord.

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Optimistisch: Finanzminister Giorgos Papakonstantinou.

(Foto: dpa)

"Wir machen schnelle Fortschritte", sagte er am Rande der IWF-Frühjahrestagung in Washington über die laufenden Gespräche. Anfang Mai als Zeitpunkt für eine Entscheidung sei eine gute Schätzung. Zur endgültigen Höhe der Hilfen wollte sich der Minister nicht äußern. Das sei Bestandteil der Verhandlungen. Eine Umschuldung sei niemals eine Option gewesen. Dass das Programm letztlich anlaufen werde, steht für Papakonstantinou nicht in Zweifel. Er sei "absolut überzeugt", dass am Ende alle Euro-Partner zustimmen würden, sagte er zu der Frage, ob ihn die zurückhaltenden deutschen Äußerungen verunsicherten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte im einen Interview mit der "Bild am Sonntag" erklärt, dass auch eine Ablehnung des Antrags aus Athen noch möglich sei. Das habe er auch dem griechischen Finanzminister gesagt, meinte Schäuble.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn trat derweil Befürchtungen in Griechenland vor zu harten Auflagen für Hilfen des Fonds entgegen. "Die griechische Öffentlichkeit muss den IWF nicht fürchten", sagte Strauss-Kahn. "Wir versuchen zu helfen."

Griechenland bleibt dabei

Das vom finanziellen Zusammenbruch bedrohte Griechenland hat die EU und den IWF am vergangenen Freitag offiziell um Hilfe gebeten. Die Euro-Länder wollen Athen in diesem Jahr mit bis zu 30 Mrd. Euro unter die Arme greifen - Deutschland würde davon bis zu 8,4 Mrd. Euro übernehmen. Auf den Fonds könnten zusätzlich bis zu 15 Mrd. Euro zukommen. Die Bitte um Hilfe schlägt hohe Wogen– auch in Deutschland. So hatten CSU-Politiker die Regierung Griechenlands aufgefordert einen Austritt aus der Europäischen Währungsunion zu prüfen.

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Nicht nur Griechenlands Stern in der EU glänzt nicht mehr.

(Foto: dpa)

Finanzminister Papakonstantinou schloss aber einen Austritt aus der Währungsgemeinschaft kategorisch aus. "Griechenland ist Mitglied der Euro-Zone und wird es bleiben", betonte er und merkte zur Möglichkeit eines Ausscheidens an: "Ich denke, das ist ein Szenario, das absolut ohne eine reale Basis ist."

Was im Falle seines Landes diskutierte werde, sei im Übrigen nicht nur ein griechisches Problem, sagte Papakonstantinou. Es gebe auch in anderen Ländern große Schuldenprobleme. Die griechische Regierung tue mit aller Entschiedenheit das ihre, um die Probleme zu lösen. Das bereits angelaufene Sparprogramm der Regierung habe im ersten Quartal bereits positive Effekte. Zweifellos werde am Ende der Verhandlungen ein dreijähriges Programm zur Gesundung des Landes stehen, das alle europäischen Partner unterzeichnen können, sagte der Minister.

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Selbst eine Milliardenhilfe der Euro-Länder könnte die Krise des hochverschuldeten Griechenlands aber möglicherweise nur vorübergehend lösen. Athens Finanzbedarf sei mit mehreren hundert Milliarden Euro weit höher als bisher diskutiert, berichtete die "Welt am Sonntag". Allein bis Ende 2015 müsse das Land nach Angaben der griechischen Schuldenagentur gut 140 Mrd. Euro für 33 fällig werdende Staatsanleihen auftreiben. Aber auch wenn im politischen Berlin das Unbehagen wächst, dass die Finanzhilfen für Athen zum Fass ohne Boden werden können - eine Alternative ist nicht in Sicht.

Zu den Krediten kämen nach Berechnungen des US-Ökonomen Carl Weinberg fast 90 Mrd. Euro an Zinsen. Günstige Zinsen für Milliardenkredite der Euroländer und des IWF würden diese Last nur geringfügig verringern. Das bedeute, dass die Griechen über Jahre hinweg rund ein Fünftel ihrer gesamten Wirtschaftsleistung nur für ihren Schuldendienst ausgeben müssten - eine Last, die in ähnlichen Krisen fast immer mit Staatsbankrott oder Umschuldung geendet habe.

Athen re(a)giert falsch

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Streiks und Proteste prägen das Straßenbild in Griechenland.

(Foto: dpa)

Diese Aussichten belasten auch zunehmend die griechische Bevölkerung. Drei Viertel der Griechen sind unzufrieden mit ihrer Regierung. Diese habe entweder zu langsam oder falsch auf die Krise reagiert, ergab eine Umfrage des Instituts Alco für die griechische Sonntagszeitung Proto Thema. Lediglich 23,1 Prozent der rund Tausend Befragten waren der Ansicht, die Regierung handele richtig.

Dabei schwindet auch die Unterstützung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. 65,2 Prozent sind der Ansicht, dass sie der Regierungschef über den wahren Zustand der Wirtschaft im Unklaren gelassen hat. Einer Umfrage von Public Issue aus der vergangenen Woche zeigte zudem, dass nur noch 47 Prozent der Griechen Vertrauen in den erst im Oktober gewählten Papandreou im Umgang mit der Wirtschaft haben. Im Februar waren es noch 55 Prozent.

Quelle: ntv.de, sla/rts/dpa