Wirtschaft

Fulminanter Jahresauftakt verpufft Auftragsflaute in der Industrie

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Am großen Rad dreht der deutsche Maschinenbau - wenn es nach den Auftragsbüchern geht - bald nicht mehr.

(Foto: picture alliance / dpa)

Noch kann die deutsche Industrie mit Wachstum punkten, aber die Dynamik lässt mehr und mehr nach. Das Neugeschäft schrumpft im Juli erstmals seit zwei Jahren. Vor allem der Maschinenbau bereitet Sorgen.

Der deutschen Industrie geht im Aufschwung zunehmend die Puste aus. Erstmals seit rund zwei Jahren verbuchte sie im Juli ein Auftragsminus. In den 17 Euro-Ländern kam das Wachstum sogar fast zum Stillstand, wie aus einer am Montag veröffentlichen Markit-Umfrage unter rund 3000 Firmen hervorgeht. "Seit dem fulminanten Jahresauftakt hat die Eurozonen-Industrie kontinuierlich an Schwung verloren", sagte Markit-Ökonom Rob Dobson. Wegen des zweiten Orderrückgangs in Folge sei die Produktion fast zum Erliegen gekommen.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Einkaufsmanagerindex sank um 1,6 auf 50,4 Zähler und lag damit nur noch minimal über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. "Besonders fatal daran ist, dass der Nachfragerückgang nach den Peripherie-Ländern jetzt auch die Schwergewichtsländer Frankreich und Deutschland erfasst und auch hier für eine drastische Wachstumsabkühlung gesorgt hat", betonte Dobson. Das Barometer für die hiesige Industrie sank um 2,6 auf 52 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2009.

Noch im Februar hatte es ein Rekordhoch gegeben. Nach rund zwei Jahren boomender Exportaufträge nach der Rezession mussten die Firmen im Vergleich zum Vormonat sogar ein schrumpfendes Neugeschäft hinnehmen.

Nachfragerückgang im Maschinenbau

Auch bei den erfolgsverwöhnten Maschinen- und Anlagenbauern sind die zweistelligen Wachstumsraten vorbei. "Das Schuldenthema macht uns zu schaffen, mehr als der starke Euro", sagte Konjunktur-Experte Olaf Wortmann vom Branchenverband VDMA.

Bei wichtigen Handelspartnern der deutschen Wirtschaft schlagen die Sparpakete heftig zu Buche und drücken die Nachfrage nach Waren "Made in Germany". Beschleunigt abwärts ging es für die Industrie in Griechenland, Irland und Spanien. In Italien verzeichnete sie trotz leichter Verbesserung nur Stagnation.

In Großbritannien, wo die Wirtschaft im zweiten Quartal kaum noch wuchs, schrumpften die gesamten Geschäfte der Industrie erstmals seit rund zwei Jahren. "Wir haben eine Verlangsamung der Weltwirtschaft und einen Rückgang der heimischen Nachfrage - und das ist eine sehr gefährliche Mischung", sagte Commerzbank-Analyst Peter Dixon.

Noch neue Jobs

Auch aus China, der stärksten globalen Wachstumslokomotive, kommen klare Signale einer Abkühlung: Die dortige Industrie verlor erneut an Fahrt und legte so wenig zu wie seit 28 Monaten nicht mehr. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet dies in der Summe, dass die Erholung nach dem kräftigen Schub zum Jahresauftakt abnimmt.

Dennoch sagen Ökonomen für 2011 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von mehr als 3,5 Prozent voraus. Es wäre das zweite Boomjahr in Folge. Trotz der jüngsten Abkühlung setzte die Industrie im Juli die geplanten Neueinstellungen um, der Jobaufbau hält damit seit 16 Monaten an.

Positives gab es auch von der Preisfront. Der Kostenauftrieb ließ nach, die Einkaufspreise stiegen so gering wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. In der Folge erhöhten die von Markit befragten Industriebetriebe ihre Verkaufspreise so wenig wie seit acht Monaten nicht.

In der Euro-Zone erhielten die Unternehmen auf der Kostenseite ebenfalls eine "willkommene Atempause", wie Volkswirt Dobson sagte. Er warnte zugleich: "Zieht die Nachfrage jedoch nicht bald wieder an, dürfte es mit den Neueinstellungen und den Preiserhöhungen wohl vorbei sein."

Quelle: ntv.de, rts

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