Wirtschaft

Einladung aus dem Weißen Haus Autobosse sind offen für Gespräche

Der Vorstoß zu Gesprächen im Weißen Haus kam offenbar von US-Botschafter Grenell.

Der Vorstoß zu Gesprächen im Weißen Haus kam offenbar von US-Botschafter Grenell.

(Foto: picture alliance / dpa)

Immer wieder greift US-Präsident Trump deutsche Autohersteller an - nun lädt er sie zum Dialog ein. Das bringt die Konzernbosse in eine Zwickmühle. Denn eine Lösung im Handelsstreit wäre zwar wünschenswert, Verhandlungshoheit haben sie aber nicht.

Die deutschen Autohersteller sind Brancheninsidern zufolge einem Gespräch mit der US-Regierung nicht abgeneigt, um einer Einigung im Handelsstreit näherzukommen. Die Bosse von Daimler, BMW und Volkswagen würden sich einer Einladung aus dem Weißen Haus nicht entziehen, sagten mehrere Eingeweihte der Nachrichtenagentur Reuters.

Eine formale Einladung für ein Treffen liege allerdings noch nicht vor, hieß es aus den Unternehmen in Stuttgart, München und Wolfsburg. Auch seien bislang keine Reisevorbereitungen getroffen worden. Das Treffen könne allerdings kurzfristig stattfinden, womöglich bereits kommende Woche, bestätigten Insider einen Bericht des "Handelsblatt". Offiziell äußerten sich die drei Autokonzerne nicht.

Der Vorstoß aus den USA für Gespräche im Weißen Haus bringt die drei Vorstandschefs Dieter Zetsche (Daimler), Harald Krüger (BMW) und Herbert Diess (Volkswagen) in eine Zwickmühle. Denn formal liegt die Verhandlungshoheit bei der EU-Kommission und damit bei EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström. Darauf wies auch ein Regierungssprecher in Berlin hin. Zugleich bestätigte er, dass dem Kanzleramt "die Idee" eines Treffens der deutschen Autobosse mit der US-Regierung bekannt sei.

Nur Blitzlichtgewitter?

Übermittelt wurde die Initiative offenbar durch den US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, der sich Branchenkreisen zufolge schon im Sommer mit den drei Autobossen in Berlin getroffen hatte, um ihnen einen Vorschlag zur Lösung des Handelskonflikts zu unterbreiten. Die US-Botschaft lehnte einen Kommentar ab und verwies an das Weiße Haus.

US-Präsident Donald Trump hatte damit gedroht, europäische Autos mit einem Einfuhrzoll von 20 Prozent zu belegen, sollte die EU ihre Handelsbarrieren nicht abbauen. Trump wiederholte dabei vor seinen Anhängern eine Ungleichbehandlung der USA und versprach im Wahlkampf, Amerika 'wieder groß' zu machen. Derzeit erheben die USA auf Pkw Zölle in Höhe von 2,5 Prozent, die EU von zehn Prozent. Die Zölle auf die in den USA besonders beliebten Pick-ups mit offener Ladefläche und auf Lkw liegen bei bis zu 25 Prozent, in der EU bei bis zu 22 Prozent.

Die hiesigen Autokonzerne wissen, dass die Gespräche, wenn sie denn zustande kommen, eine sensible Angelegenheit sind. "Sie können sich vorstellen, wie schwierig die Gesamtsituation ist, wenn man aufpassen muss, niemandem auf die Füße zu treten", hieß es bei einem der Unternehmen. Die Vorstandschefs könnten sich zwar an der EU-Kommission und der Bundesregierung vorbei mit der US-Administration unterhalten, nur wäre der Effekt "gleich Null", sagte ein Manager. "Dann fahren die da runter, stellen sich ins Blitzlichtgewitter, und fertig ist der Lack."

"Vielleicht letzte Gelegenheit"

Einem Gespräch wollen sich die Autobauer jedoch nicht entziehen. "Entscheidend ist doch, dass wir zu Lösungen kommen. Und die gehen ja weit über die Branche hinaus", betonte ein Industrievertreter. Für die Unternehmen sei entscheidend, dass sie weiterhin so weit wie möglich Zugang zum US-Markt hätten, dem nach China zweitgrößten für die Automobilindustrie.

Ähnlich äußerte sich die SPD. "Es ist eine gute - vielleicht letzte - Gelegenheit, im direkten Gespräch zu versuchen, den US-Präsidenten von Strafzöllen abzubringen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagesfraktion, Bernd Westphal. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer pflichtete ihm bei: "Wir müssen im transatlantischen Dialog bleiben." Er erwarte, dass die Autobosse für die Position der EU werben. Das Bundeswirtschaftsministerium wollte die Einladung nicht kommentieren.

Die deutschen Autobauer exportierten im vergangenen Jahr knapp 500.000 Fahrzeuge nach Amerika, ein Rückgang um ein Viertel. Den mit mehr als 800.000 Einheiten weitaus größeren Teil produziert die Autoindustrie in dem Land selbst und beschäftigt dort gut 38.000 Menschen. Hinzu kommen rund 80.000 Mitarbeiter bei deutschen Zulieferern, die auch andere Hersteller beliefern, die in den USA oder im Nafta-Raum produzieren. Insgesamt hat die deutsche Automobilindustrie nach Angaben des VDA mehr als 118.000 Mitarbeiter in ihren US-Werken.

Quelle: n-tv.de, lri/rts

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