Wirtschaft

BER bleibt vorerst eine Baustelle Mehdorns böse Botschaft

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Das als Prestigeprojekt geplante Bauvorhaben ist nur noch ein Verschiebebahnhof.

(Foto: imago/Jürgen Ritter)

Vor einem halben Jahr hatte sich BER-Chef Mehdorn weit aus dem Fenster gelehnt: Bis Jahresende versprach er einen verlässlichen Eröffnungstermin. Möglicherweise hat er den Mund zu voll genommen.

Es war an der Zeit, dass das Thema wieder in die Öffentlichkeit kommt: Vollmundig hatte BER-Chef Hartmut Mehdorn Mitte Juni angekündigt, bis Jahresende einen Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadtflughafen BER zu nennen, der auch eingehalten werden kann. Zufall kann man es wohl daher nicht nennen, dass wenige Tage vor der letzten Sitzung der Flughafenkontrolleure in diesem Jahr interne Unterlagen bekannt werden. Zumal sie wieder keine frohe Botschaft beinhalten.

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BER-Chef Mehdorn: Wie sagt er es dem Steuerzahler?

(Foto: picture alliance / dpa)

Am neuen Hauptstadtflughafens wird nicht nur bis Ende Oktober 2016 gebaut, wie die "Bild am Sonntag" berichtet, der die Unterlagen vorliegen. Der Termin bis zur Eröffnung wird sich danach möglicherweise noch bis ins Jahr 2018 hinziehen. Hintergrund ist, dass die Baugenehmigung für das Hauptterminal erlischt und neu beantragt werden muss. Die Öffentlichkeit wird wieder mal für schlechte Nachrichten vom Flughafenprojekt im Vorfeld sensibilisiert. Hartmut Mehdorn oder die Flughafengesellschaft folgen in Kürze mit der passenden offiziellen Verlautbarung. Es passt zur bisherigen Kommunikation, Nachrichten häppchenweise zu verabreichen.

Ein möglicher Starttermin in vier Jahren ist eine Katastrophe. Eigentlich sollte der Flughafen im Juni 2012 eröffnet werden. Mit jedem Jahr werden die Probleme, mit denen der Bau sowieso schon kämpft, größer. Die Zeit arbeitet gegen das Projekt. Nicht nur Baugenehmigungen laufen aus, in zwei Jahren wird der Flughafen nach einhelliger Expertenmeinung auch dramatisch zu klein sein. Das Thema ist nicht neu. Jetzt deutet sich aber an, dass es noch dicker kommen wird, als bisher erwartet.

Wie aus einer Studie der Münchener Verkehrsberatungsfirma Intraplan im Auftrag der Flughafengesellschaft hervorgeht, werden 2016 in Berlin und Brandenburg 31,4 Millionen Passagiere abgefertigt. Der BER ist aber nur für 27 Millionen ausgelegt. Spätestens 2018 wird der Flughafen aus allen Nähten platzen. Schon dieses Jahr werden die Alt-Flughäfen Tegel und Schönefeld allein mehr als 27 Millionen Passagiere abfertigen. Damit ist die BER-Kapazität bereits erreicht. Die Flughafeneigner müssen sich schnell entscheiden, wie dieses wachsende Verkehrsaufkommen in der Region in Zukunft bewältigt werden soll.

Klar war, dass Mehdorn sich mit seinem Versprechen gefährlich weit aus dem Fenster lehnt. Nicht nur wegen der anhaltenden Probleme mit dem Brand- oder Schallschutz. Sondern weil das Projekt schon immer für böse Überraschungen gut war: Die Letzte war der Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, der immerhin auch die Funktion des Aufsichtsratschefs innehat. Aber der "harte Hund" wollte beweisen, dass er es in der Hand hat. Keiner hat Mehdorn dazu gezwungen, eine "Garantieerklärung" für einen Eröffnungstermin zu geben. Er wird sich an seinen Worten messen lassen müssen. Dem Image des BER und seinen Managern droht das wieder nur zu schaden.

Eins muss man dem BER-Chef allerdings lassen. Er versteht es, Druck aufzubauen. Unermüdlich versucht er, die Anteilseigner zu überzeugen, den alten Schönefelder DDR-Terminal als zweite Abfertigungshalle weiterzunutzen, um zukünftiges Chaos zu verhindern. Durchgedrungen ist er damit bisher nicht. Der Bund pocht darauf, den Standort des alten Terminals für den geplanten Regierungsflughafen zu nutzen. Vielleicht kommt jetzt doch noch Bewegung in das Thema.

Mit jedem Jahr Verzögerung wird es schwieriger vorherzusagen, was noch auf der Strecke passieren kann. Ob 2018 als Termin das letzte Wort sein wird, darf zumindest skeptisch gesehen werden. Wer die Kosten für die nächsten Jahre übernehmen soll, ist damit auch noch nicht beantwortet. Der Starttermin für den neuen Hauptstadtflughafen bleibt eine Millionen-Euro-Frage. Mit Spannung darf man auf Ansagen des Aufsichtsrats Anfang Dezember warten.

Quelle: ntv.de