Wirtschaft

Mehdorn legt Kassen offen BER braucht noch eine Milliarde

Der neue Flughafen Berlin-Brandenburg wird wohl noch einmal deutlich teurer. Der Aufsichtsrat will heute über mehr als eine Milliarde Euro zusätzlich beraten. Neben Problemen am Bau könnten auch Anwohnerproteste zu weiteren Verzögerungen führen.

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"Außer Betrieb": Die Entrauchungsanlage ist das größte Sorgenkind beim BER-Bau.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Berlin kommt heute der Aufsichtsrat des neuen Hauptstadtflughafens zusammen, um die weitere Finanzierung des Milliardenprojektes zu diskutieren. Dabei ist eine Finanzspritze von weiteren 1,1 Milliarden Euro im Gespräch. Mit dem Geld soll einerseits der Bau fertiggestellt werden, andererseits der Einbau von Schallschutzfenstern für die Anwohner bezahlt werden.

Die Summe hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hartmut Mehdorn, nach Angaben von Teilnehmern im Finanzausschuss des Aufsichtsrats genannt, der am Vorabend in Schönefeld abermals tagen sollte. Über Ergebnisse drang nichts nach außen. Mehdorn gab am Donnerstag auch Haushaltspolitikern im Bundestag Einblick in die Kassenlage. Nach Informationen des "Handelsblatts" sagte der Manager auch den Parlamentariern, dass er weitere 1,1 Milliarden Euro brauche.

Die Baukosten für den drittgrößten deutschen Flughafen hätten sich damit seit dem ersten Spatenstich 2006 von 2 Milliarden auf insgesamt 5,4 Milliarden Euro erhöht. Dazu führten neben Planungsfehlern und Baumängeln auch Vergrößerungen des Projekts. Zuletzt hatten der Bund, Berlin und Brandenburg als Eigentümer des Flughafens BER in Schönefeld vor eineinhalb Jahren 1,2 Milliarden Euro nachgeschossen. Davon sind nach "Handelsblatt"-Angaben 325 Millionen Euro ausgezahlt. Die restlichen 875 Millionen solle der Aufsichtsrat nun freigeben. Mehdorn hatte angekündigt, dass ihm am Jahresende das Geld ausgeht.

Streit um Nachtflugverbot

Ähnlich äußerte sich am Donnerstag der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). "Ich gehe davon aus, dass genügend Spielraum für 2014 da ist", sagte er im Abgeordnetenhaus. Der Aufsichtsrat werde die Wirtschaftspläne für 2014 beraten. Thema dürfte auch der Jahresabschluss der Flughafengesellschaft sein, die ebenfalls die alten Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld betreibt. Die geplatzte Eröffnung des Vorzeigeprojektes BER hatte das Unternehmen 2012 trotz steigender Passagierzahlen in die roten Zahlen gedrückt.

Brandenburg will in der Sitzung eine längere Nachtruhe für die Anwohner durchsetzen. Bislang ist ein Flugverbot von 0.00 Uhr bis 5.00 geplant und höchstrichterlich genehmigt. Potsdam folgt jedoch einem Volksbegehren, das fordert, dass von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr nicht geflogen wird, was Berlin und der Bund ablehnen. Als Kompromiss will Brandenburg beantragen, zumindest am Morgen erst ab 6.00 Uhr zu fliegen. Auch das lehnen jedoch die beiden anderen Gesellschafter ab.

Thema im Aufsichtsrat wird auch der Stand der Arbeiten auf der Baustelle sein. Der Umbau geht nur schleppend voran. Wowereit sagte im Parlament: "Ein Terminplan zur Eröffnung wird nicht vorgelegt werden können, da die notwendigen Baufortschritte an der Entrauchungsanlage noch nicht so weit einzuschätzen sind." Mehdorn will vom Aufsichtsrat zudem den Auftrag, den alten Flughafen Schönefeld vorübergehend weiter zu nutzen, wenn der Neubau eröffnet ist. Denn dieser könnte mit seiner Kapazität von 27 Millionen Passagieren schon bald nach dem Start zu klein sein.

Quelle: ntv.de, bwe/dpa

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