Wirtschaft
Sonntag, 20. Februar 2011

Aus 28 mache 1 Prozent: Barclays mit Traum-Steuersatz

Da staunt der kleine Steuerzahler: Die britische Barclays-Bank ist eines der größten Finanzinstitute der Welt. Jetzt kam heraus, dass sie 2009 nur etwa ein Prozent ihres Gewinnes ans britische Finanzamt abgeführt hat - offenbar völlig legal.

(Foto: REUTERS)

Die britische Großbank Barclays steht in ihrem Heimatland als Steuerflüchtling in der Kritik. Die Bank musste zugeben, 2009 lediglich 113 Mio. Pfund (rund 134 Mio. Euro) an Unternehmenssteuern an das britische Finanzamt abgeführt zu haben - bei einem Bruttogewinn von 11,6 Mrd. Pfund. Das geht aus einem Brief von Barclays-Chef Bob Diamond an den Labour-Abgeordneten Chuka Umunna hervor. Dieser bezeichnete die Zahlen laut Berichten in britischen Medien als "schockierend".

Niedrigverdiener müssen in Großbritannien 20 Prozent Steuern zahlen, der normale Satz für Unternehmenssteuern liegt derzeit bei 28 Prozent. Barclays generiert seine Gewinne jedoch nicht ausschließlich im Heimatland, sondern auch im Ausland - unter anderem in Steueroasen. 30 Barclays-Töchter sitzen auf der Isle of Man, 38 im Steuerparadies Jersey, 181 weitere auf den Cayman Inseln in der Karibik.

Am Samstag versuchten Demonstranten, mehrere Barclays-Filialen in London und anderen Städten Großbritannien aus Protest gegen die Steuerpolitik zu besetzen. Es gehe nicht darum, Barclays zu schaden, hieß es. Die Demonstranten eröffneten in den Bankfilialen dagegen stattdessen symbolisch Bibliotheken - um auf die Schließung öffentlicher Einrichtungen wegen des Sparkurses nach der Bankenkrise hinzuweisen.

Nach Berechnungen von Experten hat die Bank nur zehn Prozent ihrer Gewinne aus dem Jahr 2009 in Großbritannien versteuert. Es sei aber zu bezweifeln, dass nur jedes zehnte Pfund in Großbritannien verdient worden sei.

Komplexe Angelegenheit

Die Bank selbst gab an, 2009 zwei Mrd. Pfund an Steuern bezahlt zu haben, 2010 sollen es bis zu 2,8 Mrd. Pfund werden. "Die Körperschaftssteuer-Angelegenheiten eines Unternehmens mit globaler Ausrichtung wie Barclays sind sehr komplex und lassen sich nicht auf einfache Vergleiche reduzieren", hieß es in einem Statement der Bank, das dem "Guardian" vorliegt.

Steuerexperten geben zu bedenken, dass auch in der 2010er Zahl die Einkommenssteuer aus den Gehältern der Bankangestellten eingerechnet ist, die Barclays nur weitergibt. Tatsächlich aber werden sie aus der Tasche der Bediensteten selbst bezahlt.

Die Banken stehen in Großbritannien schwer unter Beschuss, weil sie als Auslöser der Wirtschafts- und Finanzkrise für die enormen Kürzungen in den öffentlichen Haushalten verantwortlich gemacht werden. "Wenn die Banken ihren ehrlichen Anteil an Steuern zahlen würden, könnten wir die schlimmsten Kürzungen vermeiden und denen, die am härtesten getroffen werden, obwohl sie nichts für die Krise können, wäre geholfen", sagte Max Lawson von der Steuerkampagne "Robin Hood".

Quelle: n-tv.de

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