Wirtschaft

Mysteriöse Aktienumsätze in Frankfurt Behörden fahnden an der Börse

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"Grundsätzlich geeignet, das Vertrauen in die Ordnungsmäßigkeit des Börsenhandels und der Integrität des Marktes zu beschädigen": Seriöse Händler fürchten den Vertrauensverlust.

(Foto: dpa)

Der Verdacht wiegt schwer und er droht, das Vertrauen der Deutschen in die Abläufe an der Börse erschüttern: In Frankfurt gehen Ermittler Hinweisen auf gezielte Manipulationsversuche nach. Alarm geschlagen hatte der Marktbetreiber selbst. Die Finanzaufsicht erstattet Anzeige.

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Ursprünglich von Kapitalismus-Kritikern stammt die Forderung "Spekulanten in die Schranken": Ein Aktienhändler hat sie sich - als Scherz oder Mahnung - hinter seinen Monitor geklemmt.

(Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat wegen des Verdachts auf künstlich aufgeblähte Aktienumsätze am größten deutschen Handelsplatz Ermittlungen aufgenommen.

Eine Sprecherin der Behörde in der Main-Metropole bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Wirtschaftswoche" vom Wochenende. Demnach sollen Marktteilnehmer Aktien zwischen dem Xetra-System und den Spezialisten auf dem Parkett der Frankfurter Börse im Kreis gehandelt haben. Auf diese Weisen sollen einzelne Händler die Börsenumsätze mit ausgewählten Papieren künstlich in die Höhe getrieben haben. Falls die Verdachtsmomente zutreffen, könnte möglicherweise der Straftatbestand eines Betrugs erfüllt sein.

Marktmanipulation ist in Deutschland nach Paragraph 20 des Wertpapierhandelsgesetzes verboten. Das Spiel mit künstlich angefachten Umsätzen kann konkrete Vorteile erzeugen: Die Liquidität einer Aktie ist eines der entscheidenden Kriterien für die Aufnahme in einen bestimmten Index, womit Unternehmen wiederum mehr große institutionelle Investoren anlocken können. In der Regel reagiert der Kurs einer Aktie positiv auf die Aufnahme in einen Index.

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Ausgelöst hatte die Ermittlungen die Deutsche Börse selbst. In einem internen Schreiben an Marktteilnehmer machte der Marktbetreiber bereits im November 2012 darauf aufmerksam, dass es Auffälligkeiten im Handel gebe. In dem Brief heißt es: "Das beschriebene Handelsverhalten wiederholt sich regelmäßig, ohne dass Aufträge Dritter zur Ausführung gelangen."

Auffällige Bewegungen in der Grauzone

Auch wenn diese Aktivitäten nur in Einzelfällen festgestellt worden seien, seien sie "grundsätzlich geeignet, das Vertrauen in die Ordnungsmäßigkeit des Börsenhandels und der Integrität des Marktes zu beschädigen, da hier Marktteilnehmern maßgebliche falsche oder irreführende Signale (Umsatzvolumen) gegeben werden."

Die Deutsche Börse alarmierte die Finanzaufsicht Bafin, die nach eigenen Angaben Ende 2012 Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattete. In einem Fall wurden die Ermittlungen gegen Zahlung von Geldstrafen bereits eingestellt, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte.

In diesem speziellen Fall soll es sich um Mitarbeiter der Bank Close Brothers Seydler gehandelt haben, die jeweils zwischen 2250 und 9900 Euro zahlen mussten. Von Close Brothers Seydler war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Gegenüber der "Wirtschaftswoche" hatte die Bank erklärt, mit der Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage sei "keine Schuldfeststellung" verbunden.

In einem zweiten Fall dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch an. Wer im Zentrum dieses Verfahrens steht, war zunächst nicht zu erfahren.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts