Wirtschaft

Von wegen "kranker Mann Europas" Brüderle in BIP-Stimmung

Die Jubelstimmung der Wirtschaftsforscher steckt auch Bundeswirtschaftsminister Brüderle an. Statt 1,4 Prozent BIP-Wachstum - wie noch im Frühjahr angenommen - könnte das Plus 2010 nun deutlich über 2,5 Prozent liegen. "Deutschland ist nicht mehr der kranke Mann Europas", urteilen zudem die Privatbanken.

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Brüderle: "Wir haben entschieden, dass die Krisenmaßnahmen jetzt sukzessive auslaufen."

(Foto: REUTERS)

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle rechnet inzwischen mit einem deutlich stärkeren Wachstum in Deutschland als die Bundesregierung noch im Frühjahr angenommen hatte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte 2010 deutlich mehr als 2,5 Prozent wachsen und damit mehr als doppelt so kräftig wie von der Regierung geschätzt, sagte der FDP-Minister bei den Haushaltsberatungen im Bundestag.

Die Prognose der Regierung vom April lag bei einem Wachstum von 1,4 Prozent. Ihre aktualisierte Vorhersage wird die Regierung am 21. Oktober vorlegen.

Der Aufschwung sei exportgetrieben und wirke sich auf dem Arbeitsmarkt positiv aus. "Der Aufschwung ist ein Beschäftigungsaufschwung", sagte Brüderle. Ein Rückgang der Arbeitslosenzahl unter drei Millionen Personen sei schon im Herbst erreichbar.

"Wir haben entschieden, dass die Krisenmaßnahmen jetzt sukzessive auslaufen", sagte Brüderle. Das werde in der Realwirtschaft mit dem Auslaufen des Deutschlandsfonds anfangen. "Das wird sich aber auch in der Finanzwirtschaft bis hin zur Commerzbank fortsetzen", sagte der Minister. Auch beim Bundeshaushalt werde die Regierung vom "Krisenmodus auf Wachstumsmodus" umschalten. 

Banken optimistischer

Auch der Privatbankenverband BdB erwartet in diesem Jahr deutlich mehr Wachstum in Deutschland als noch Anfang dieses Jahres prognostiziert: Real plus 3,3 Prozent trauen die im Bundesverband deutscher Banken (BdB) organisierten Chefvolkswirte großer deutscher Kreditinstitute der deutschen Wirtschaft 2010 zu.

"Deutschland ist nicht mehr der kranke Mann Europas, sondern die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Eurozone", sagte BdB- Chefvolkswirt Bernd Brabänder bei der Vorstellung der Prognose. Für 2011 lautet die Vorhersage für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) plus 2,0 Prozent.

Krise (fast) verdaut

Zuletzt hatte es von diversen Wirtschaftsforschungsinstituten Prognoseerhöhungen gegeben. Die staatliche KfW erwartet 2010 gar 3,6 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland und 2011 um 2,3 Prozent. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ist sogar der Ansicht, dass die deutsche Wirtschaft die Krise bis Ende nächsten Jahres vollständig verdaut haben wird. Das IWH prognostiziert beispielsweise 3,5 Prozent BIP-Plus 2010 und 2,0 Prozent 2011.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet einen Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts von 3,4 Prozent 2010 und von 2,2 Prozent 2011, nach bisherigen Prognosen von plus 1,9 Prozent und plus 1,7 Prozent.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/dpa

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