Wirtschaft

Schluss mit kurzfristigen Anreizen Bund verschärft Boni-Regeln

Die deutschen Banken dürfen ihre Mitarbeiter nicht mehr mit Boni zu kurzfristigen hohen Renditen anstacheln. Die Vergütungssysteme müssten sich künftig am langfristigen Erfolg der Institute orientieren, schrieb die Bankenaufsicht BaFin fest.

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Mit den geplanten Änderungen setzt die Bundesregierung einen Beschluss des G20-Gipfels in London um.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Außerdem müssen die Geldhäuser ihr Risikomanagement verbessern, um Schieflagen wie bei der Münchner Hypo Real Estate früher zu erkennen. "Gehaltsexzesse und falsche Anreize für übermäßiges Risiko darf es nicht mehr geben", erklärte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Die Banken begrüßten die Neuregelung, die sie bereits umsetzten.

Mit den neuen Bonus-Regeln zieht die BaFin Konsequenzen aus der Finanzkrise und setzt Beschlüsse der G-20-Weltfinanzgipfel um. Aggressive Vergütungssysteme hätten zur Krise beigetragen, begründete die BaFin ihr Kurzfrist-Boni-Verbot. Davon betroffen sind neben dem Vorstand bestimmte Mitarbeitergruppen wie zum Beispiel Aktienhändler. Künftig müssen sich ihre Boni am Gesamterfolg der Bank orientieren. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass ein Institut nur wegen unvertretbar hoher Risiken Gewinne gemacht hat, müssen sie einen Teil oder den gesamten Bonus zurückzahlen.

Die neuen "Mindestanforderungen für das Risikomanagement" (MaRisk) müssen bis zum Jahresende umgesetzt werden. Sie sehen auch vor, dass die Mitarbeiter finanziell nicht von ihren Boni abhängig sein dürfen. Außerdem schreibt die BaFin fest, dass sie nicht nur am Erfolg teilhaben dürfen, sondern auch mögliche Verluste mittragen müssen. Vor allem im Investmentbanking machen erfolgsabhängige Boni einen Großteil der Jahresvergütung aus.

Risiken sollen transparenter werden

Auch Abfindungen nimmt die Bankenaufsicht aufs Korn. So gilt es künftig als "schädlicher Anreiz", wenn ein Mitarbeiter zwar Verluste verantworten muss, trotzdem aber Anspruch auf eine hohe Abfindung hat. Damit zieht die BaFin Konsequenzen aus Skandalen, in denen sich erfolglose Manager mit einem "goldenem Handschlag" aus ihrem Unternehmen verabschiedet haben. Die Bankenlobby hatte die neuen Regeln im Vorfeld als Eingriff in die Privatwirtschaft kritisiert. In einem Brief an die Verbände verteidigte sich die Behörde, es gehe nicht um jedes dreizehnte Monatsgehalt, sondern nur um die Personengruppen, die hohe Risiken eingehen könnten.

Mit den neuen MaRisk reagiert die BaFin auch auf die Schieflage der Immobilienbank Hypo Real Estate, die im Zuge der Finanzkrise in Liquiditätsnöte geraten war. Künftig müssen die Geldhäuser belegen, dass sie Probleme bei der Refinanzierung ihrer Geschäfte am Kapitalmarkt frühzeitig erkennen können. Der Aufsichtsrat bekommt ein Auskunftsrecht gegenüber der Revision der Bank und muss nicht mehr den Umweg über den Vorstand gehen.

Steinbrück erklärte, die Neufassung der MaRisk gebe der BaFin das tägliche Handwerkszeug, um ihre gesetzlich bereits erweiterten Eingriffsrechte auch umzusetzen. Die Privatbanken bezeichneten die neuen Regeln als zielgerichtet und ausgewogen. Die Institute prüften Bonus-Malus-Systeme oder hätten solche bereits eingeführt, erklärte der Bankenverband. Dabei wird ein Teil der Leistungsprämien einbehalten, um sie in späteren Jahren mit eventuellen Verlusten zu verrechnen.

Quelle: ntv.de, wne/rts

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