Wirtschaft

Brüssel setzt den Stempel drauf Coba radiert "Eurohypo" aus

RTR2YAP1.jpg

Darf bis 2014 nichts anderes kaufen: Martin Blessing.

(Foto: REUTERS)

Die Commerzbank bekommt klare Anweisungen: Brüssel diktiert der Nummer zwei im deutschen Bankenmarkt bis ins Detail, wie das Kapitel Eurohypo enden wird. Die Commerzbank muss scharfe Auflagen beachten - und eine neue "Bad Bank" gründen. Der Name Eurohypo ist Geschichte.

RTR2ZZV5.jpg

Abwicklung als angemessener Ersatz für den geforderten Verkauf: Joaquin Almunia ist zufrieden.

(Foto: REUTERS)

Das Ende der verlustreichen Commerzbank-Tochter Eurohypo ist besiegelt. Die EU-Kommission stimmt den Abwicklungsplänen offiziell zu. Die Commerzbank muss den Staats- und Immobilienfinanzierer nun doch nicht - wie ursprünglich gefordert - bis Ende 2014 komplett verkaufen, sondern darf die Eurohypo zerlegen.

Damit ist klar: Nur ein Bruchteil der Eurohypo wird im Commerzbank-Konzern weiterleben. Im Gegenzug muss Commerzbank-Chef Martin Blessing allerdings eine neue Auflage beachten: Er muss für weitere zwei Jahre auf Zukäufe verzichten. Die neue Vorgabe bindet Blessings Haus bis März 2014.

"Die Abwicklung der Eurohypo innerhalb der Bilanz der Commerzbank und die Verlängerung des Übernahmeverbots sind ein angemessener Ersatz für den Verkauf der Eurohypo", erklärte Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Es sei sichergestellt, dass die Eurohypo vom Markt verschwinde. Die harten Vorgaben aus Brüssel gehen direkt auf Ereignisse aus der großen Finanzkrise 2008/2009 zurück. Die Commerzbank geriet im Zuge der allgemeinen Turbulenzen in Schwierigkeiten und musste durch staatliche Rettungsmilliarden stabiliisiert werden.

Im Gegenzug für die staatliche Hilfe hatten die Wettbewerbshüter den Verkauf der Eurohypo-Tochter gefordert, um die Chancengleichheit im europäischen Bankenmarkt zu wahren.

Endstation Sondermüll

Bereits vor Wochen waren Eckpunkte der Abwicklungspläne aus Verhandlungskreisen durchgesickert. Die EU-Kommission nannte nun die offiziellen Details: Der kleine Kern der gewerblichen Immobilienfinanzierung, den die Commerzbank übernimmt, wird mittelfristig nur noch ein vergleichsweise überschaubares Volumen in einer kleinen Auswahl an Kernmarken umfassen.

Die übrigen Immobilienpapiere kommen zusammen mit der bereits eingestellten Staatsfinanzierung in eine Abwicklungseinheit. Dort sollen sie über die Zeit auslaufen. Die Commerzbank gründet dazu für ihr Staatsfinanzierungsgeschäft und den Großteil ihres Immobiliengeschäfts eine neue interne "Bad Bank".

Nach den Vorgaben aus Brüssel werden in diesem abgetrennten Bereich die bisher zur Eurohypo gehörenden Bereiche abgewickelt. Im verbleibenden Gewerbeimmobilien-Geschäft muss sich die Bank auf Geheiß der EU-Kommission jährlich auf ein Neugeschäft von fünf Milliarden Euro beschränken. Das Volumen des Bereichs darf 25 Mrd. Euro nicht überschreiten.

Die Marke "Eurohypo" muss vom Markt verschwinden. Wie der Bereich künftig heißen soll, steht noch nicht fest. Im Kerngeschäft darf die Commerzbank bis Ende 2014 maximal eine Bilanzsumme von 600 Mrd. Euro erreichen.

Die Zukunft der 1200 Eurohypo-Mitarbeiter und des Standorts Eschborn sind nach Angaben der Commerzbank noch offen. Die Details zur Umsetzung würden in den kommenden Monaten ausgearbeitet, teilte Bank in einer ersten Stellungnahme nach dem offiziellen Aus mit. Nach Informationen aus Finanzkreisen droht in einem ersten Schritt die Streichung von etwa 300 Stellen bei dem seit Jahren defizitären Immobilienfinanzierer.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts