Preise werden wohl steigenDB Cargo reaktiviert wegen Niedrigwasser-Krise ausgemusterte Waggons

Viele Flüsse sind derzeit für Binnenschiffe kaum befahrbar, was Lieferketten bedroht. DB Cargo ergreift mehrere Maßnahmen, um mehr Güter auf der Schiene zu transportieren. Es brauche Pläne zur Priorisierung der Transporte, sagt die Ökonomin Veronika Grimm.
Angesichts der abnehmenden Schiffstransporte wegen des Niedrigwassers in Deutschland will die Deutsche Bahn einem Bericht zufolge eigentlich ausgemusterte Güterwaggons wieder in Betrieb nehmen. Dieser Plan gehe aus einem Papier von DB-Cargo-Chef Bernhard Osburg für die "Verkehrsträgerübergreifende Koordinierungsrunde Niedrigwasser" hervor, berichtete die "Rheinische Post".
Es werde "die Reaktivierung dauerhaft abgestellter Güterwagen geprüft und vorbereitet", heißt es in dem Papier, aus dem die Zeitung zitierte. Zudem sollten weitere Wagenkapazitäten "im europäischen Markt" erschlossen werden. DB Cargo könnte so 900 Wagenmobilisieren - 300 davon sofort. "900 Wagen ersetzen 200 Binnenschiffe", führte der DB-Cargo-Chef den Angaben zufolge aus. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hatte angesichts des Niedrigwassers angekündigt, dass Fracht von den Binnenschiffen auf Schiene und Straße verlagert werden solle.
Die Preise könnten bei diversen Grundstoffen steigen, warnte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. "Bei ineffizienter Rationierung kann Niedrigwasser die Preise auch unnötig in die Höhe treiben", sagte Grimm dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "In der Chemie gibt es Effekte, auch im Energiemarkt. Der Transport von Öl zu Raffinerien ist von den niedrigen Pegelständen betroffen." Wie stark die Preise bei verschiedenen Grundstoffen reagieren, hänge davon ab, welche Lagerkapazitäten die Unternehmen jeweils aufgebaut haben.
Grimm: Fluss-Vertiefung schafft kein zusätzliches Wasser
Im Hinblick auf Anpassungen an den Klimawandel kritisierte Grimm eine mangelnde Weitsicht in der Politik. Das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen zu lockern, sei zwar eine richtige Maßnahme, "allerdings wäre es gut, wenn man auf solche Situationen vorbereitet wäre, anstatt ad hoc Notmaßnahmen zu diskutieren", mahnte Grimm. Diese Auswirkungen des Klimawandels seien vorhersehbar. "Politik macht keinen guten Eindruck, wenn sie sich von Krise zu Krise hangelt und nicht systematisch Strategien zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt."
Die Politik müsse auch Pläne zur Priorisierung von Transporten ausarbeiten, forderte Grimm. Die Transportprobleme durch Niedrigwasser ließen sich auch nicht einfach durch eine Vertiefung von Flüssen lösen, warnte Grimm. Diese Option müsse man sorgfältig evaluieren - und dabei auch ökologische Folgen berücksichtigen. "Vertiefungen an einzelnen Stellen der Fahrrinnen könnten angezeigt sein, aber eine Vertiefung schafft ja kein zusätzliches Wasser."