Wirtschaft

Berlin sieht Handlungsbedarf Derivatehandel im Visier

Die deutsche Regierungskoalition will Spekulationen mit "Credit Default Swaps" (CDS) erschweren. Ein besonderer Dorn im Auge ist der Politik, dass etwa Hedgefonds mit Hilfe von CDS ganze Staaten wie Griechenland unter Druck setzen können.

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Derivate gelten zwar als Zockerpapiere, dienen aber auch der Risikoabsicherung von Unternehmen.

(Foto: picture-alliance / gms)

Die Bundesregierung nimmt den umstrittenen Handel mit Kreditversicherungen ins Visier. Ziel sei es, reine Spekulationen mit "Credit Default Swaps" (CDS) zu erschweren, hieß es in Berliner Koalitionskreisen. Mit den Derivaten können sich Käufer von Schuldverschreibungen gegen Zahlungsausfälle absichern. CDS eignen sich aber auch für Spekulationen gegen Staaten, wie die Griechenland-Krise zeigt. In der EU bleibt ihr außerbörslicher Handel vorerst erlaubt.

Im Zuge der Finanzkrise war auch der CDS-Markt in den Blick von Politikern und Aufsichtsbehörden geraten. Alleine sein enormes Volumen von geschätzten 30 Billionen US-Dollar weltweit hatte den Ruf nach einer stärkeren Transparenz laut werden lassen. So hatten die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) bei ihrem Gipfel im September in Pittsburgh angeregt, dass CDS und andere Derivate künftig nur noch an Börsen oder über andere regulierte elektronische Plattformen gehandelt werden sollten. Von Meldepflichten war seinerzeit die Rede und der Möglichkeit, noch weitergehende Schritte auf diesem weithin ungeregelten Markt zu gehen, um Risiken für das globale Finanzsystem zu vermindern.

Gezocke mit Staatsanleihen

Ein besonderer Dorn im Auge ist der Politik, dass etwa Hedgefonds mit Hilfe von CDS ganze Staaten wie Griechenland unter Druck setzen können. Sie hatten die Kosten für die Ausfallversicherungen griechischer Staatsanleihen in die Höhe getrieben, ohne überhaupt im Besitz solcher Anleihen zu sein.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, es müsse geprüft werden, wie die regulatorischen Anforderungen an den CDS-Handel verschärft werden könnten. So sei zu überlegen, ob nicht ein "ökonomisch sinnvoller Sicherungszweck" erkennbar sein müsse. Im Klartext: Die Ausfallversicherung dürfte nur noch kaufen, wer auch die Anleihe besitzt, die abgesichert wird.

Globale Lösung nötig

In der Koalition hieß zugleich es, Entscheidungen über konkrete Maßnahmen seien noch nicht getroffen worden. Zurzeit liefen erste Abstimmungen zwischen dem Finanzministerium und der Börsenaufsicht BaFin. Ein deutscher Alleingang ist ohnehin schwer vorstellbar. "Bei einer stärkeren Regulierung braucht man eine globale Lösung", sagte der Ministeriumssprecher.

Einstweilen strebt die Koalition nur eine moderate Kontrolle an. Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Leo Dautzenberg, sagte, er halte Standardisierungen im CDS-Markt für sinnvoll. Der Markt müsse transparent werden, damit die Risiken auch von den Aufsichtsbehörden beurteilt werden könnten. Der Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen sagte der "Zeit": "Mit CDS ist es wie mit Rotwein: mit Augenmaß genossen gesund, im Übermaß gefährlich."

Die G20-Staaten haben bisher nur verabredet, dass die Abwicklung von Derivategeschäften bis 2012 über besondere zentrale Clearingstellen laufen soll. "Wir sehen das als Mittel dazu an, das Kontrahentenrisiko zu entschärfen", sagte Verrier. Ob alleine eine höhere Transparenz ausreicht, um die Risiken an den Derivatemärkten zu mindern, soll im Auftrag der G20 das Expertengremium des "Financial Stability Boards" überprüfen.

Quelle: ntv.de, wne/rts

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