Wirtschaft

Rekordstrafe für Hypothekenbetrug Deutsche Bank hat Crash "mitausgelöst"

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Mit einer Rekordstrafe von 7,2 Milliarden Dollar beendet die Deutsche Bank ihre unrühmlichen US-Geschäfte.

(Foto: picture alliance / Christoph Sch)

Mehr als sieben Milliarden Dollar zahlt die Deutsche Bank für den Verkauf windiger Immobilienpapiere. Es ist die größte Strafe, die eine Bank je für die Zockerdeals zahlen musste: Sie habe die Finanzkrise maßgeblich mitverursacht, urteilen die Ermittler.

Der lange erwartete Vergleich mit den US-Behörden ist unter Dach und Fach: Für insgesamt 7,2 Milliarden Dollar legt die Deutsche Bank ihren jahrelangen Streit mit der US-Justiz über fragwürdige Hypothekengeschäfte vor der Finanzkrise zu den Akten. Viele große Investmentbanken haben für die Verfehlungen, die 2008 in der Branche gang und gäbe waren, bereits Milliarden-Bußen geleistet. Doch der Ablass, den die Deutsche Bank nun entrichtet, ist die höchste Strafe, die je eine Investmentbank in der Sache zahlen musste.

"Die Deutsche Bank hat nicht bloß Investoren hinters Licht geführt, sondern direkt zu einer internationalen Finanzkrise beigetragen", sagte US-Justizministerin Loretta Lynch. Die Bank gibt mit der Einigung zu, im großen Stil faule Hauskredite aufgekauft, zu neuen Papieren gebündelt und dann an Investoren weitergegeben zu haben, obwohl Mitarbeiter der Bank wussten, dass sie nicht das wert waren, was sie Investoren versprach.

Die Hypothekenbonds waren vor der Finanzkrise die goldene Gans für die Wall Street. Die Deutsche Bank war einer der größten Player bei diesen fragwürdigen Deals. Als die Papiere ab 2007 mit dem Abschwung auf dem US-Häusermarkt wertlos wurden, rissen sie riesige Löcher in die Bilanzen vieler Banken. Die Verluste brachten das Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs und lösten die globale Finanzkrise aus. Weltweit mussten Regierungen Banken mit Steuergeld retten.

"Erwähnt das nicht im Prospekt"

Die Deutsche Bank trieb es im Geschäft mit den faulen Papieren besonders wild: Schon 2011 enthüllte ein Untersuchungsbericht des US-Senats, dass sie wie Goldman Sachs hinterrücks gegen die Papiere wettete, die sie ihren Kunden gleichzeitig als sicherere Investments verkaufte. Die Zocker-Geschäfte inspirierten Hollywood zum dem Blockbuster-Film "The Big Short".

Die Einigung mit den Behörden enthält nun pikante Details darüber, wie die Deals liefen und die Bank ihre Kunden täuschte. Die Deutsche Bank hat sie sämtlich bestätigt. So räumten Mitarbeiter intern ein, dass die Hauskredite in der Boom-Zeit an jeden Schuldner vergeben wurden, der noch "halbwegs einen Puls" hatte. Viele Kredite, auf denen die Papiere beruhten, waren bereits verpfändet und taugten daher nur bedingt als Sicherheit. Ein Aufseher bei der Deutschen Bank instruierte sein Team gezielt, das Investoren zu verschweigen: "Sagt es ihnen mündlich, aber erwähnt das nicht im Prospekt".

Für die Verstöße muss die Deutsche Bank nun 3,1 Milliarden Dollar Strafe zahlen. Die restlichen 4,1 Milliarden Dollar der Vergleichssumme fließen als Entschädigung an Verbraucher, die durch das Geschäftsgebaren der Deutschen Bank Schaden genommen haben. Die Bank soll Häuslebauern, die ihre Raten nicht mehr zahlen können, Schulden erlassen und den Bau günstiger Mietwohnungen in den USA mitfinanzieren.

"Unser Verhalten ist nicht akzeptabel"   

Deutsche-Bank-Chef John Cryan entschuldigte sich in aller Deutlichkeit bei Kunden und Anlegern: "Unser Verhalten in dieser Angelegenheit in den Jahren 2005 bis 2007 entspricht nicht unseren Standards und ist nicht akzeptabel", erklärte der Brite. "Wir entschuldigen uns uneingeschränkt dafür. Wir haben uns inzwischen aus vielen der betroffenen Geschäfte zurückgezogen und unsere Standards umfassend verbessert."

Die Einigung mit der US-Justiz war bereits im Dezember bekannt geworden. Trotz der Rekordstrafe kommt die Deutsche Bank nun glimpflich davon. Die Bank wird die Milliarden-Buße wohl ohne weitere Kapitalerhöhung stemmen können. Sorgen über mögliche Staatshilfen für die Deutsche Bank sind damit vorerst vom Tisch.

Zweifel an ihrer Stabilität hatten im Herbst Spekulationsattacken ausgelöst: Die US-Justiz hatte durchsickern lassen, dass die Einigung im Hypothekenstreit bis zu 14 Milliarden Dollar kosten könne - das hätte sie womöglich finanziell überfordert. Ganz aus dem Schneider ist die Deutsche Bank allerdings noch nicht. Auch beim Geldwäsche-Skandal in Russland droht eine hohe Strafe durch die US-Justiz.

Quelle: ntv.de

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