Wirtschaft

Aufkeimender Optimismus Deutsche Wirtschaft wächst

Ende des Monats herrscht Klarheit. Dann gibt die Bundesregierung ihre Wirtschaftseinschätzung bekannt. Experten frohlocken bereits und rechnen mit einer Anhebung der Wachstumsprognose. Bundeswirtschaftsminister Brüderle hält sich noch bedeckt.

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Bundeswirtschaftsminister Brüderle zum BIP-Wachstum: "Es gibt noch keine Zahl."

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Bundesregierung steuert trotz einer verlangsamten Erholung zum Jahresende auf eine maßvolle Anhebung ihrer Wachstumsprognose für 2010 zu. Die neue Regierungsschätzung, die Ende des Monats veröffentlicht werden soll, dürfte bei etwa eineinhalb Prozent Wachstum für das Jahr 2010 liegen, hieß es aus Regierungskreisen. Bislang wird mit einem Plus von 1,2 Prozent gerechnet.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle schränkte aber ein, noch seien die Arbeiten der Regierungsexperten an der Prognose nicht abgeschlossen. Der Exportverband BGA hält sogar ein Wachstum von knapp drei Prozent für möglich. Grund für die Vorsicht der Regierung ist ein erwartetes Abflachen der Wachstumsentwicklung in den letzten Monaten des Vorjahres.

 "Bescheidenes Plus"  

Zum vierten Quartal 2009 äußern sich Regierungsvertreter inzwischen skeptischer. "Ich nehme an, dass es ein bescheidenes Plus gibt", sagte Brüderle. Fachleute aus der Koalition rechnen mit einem Zuwachs von knapp über null bis 0,5 Prozent. "Auf alle Fälle wird die Rate positiv ausfallen", sagten mehrere Experten übereinstimmend zu Reuters. Allerdings wäre das eine für manchen überraschende Abkühlung des Wachstumsprozesses. "Der Aufschwung ist ein bisschen abgebremster", hieß es. Als dauerhaft wird das aber noch nicht gesehen. Im dritten Quartal hatte das Wachstum noch bei 0,7 Prozent gelegen.

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht seine Schätzung zum Wirtschaftswachstum 2009 am Mittwoch. Die 31 von Reuters befragten Experten rechnen im Schnitt mit einem Einbruch um 4,8 Prozent. Das wäre der stärkste Rückgang in der Geschichte der Bundesregierung. Die neue Regierungsprognose wird offiziell im Jahreswirtschaftsbericht Ende Januar veröffentlicht.

Holprige Konjunkturerholung   

Die Hinweise auf eine holprige Konjunkturerholung hatten sich zuletzt gemehrt. Die exportabhängige Industrie erhielt im November den zweiten Monat in Folge weniger Auslandsaufträge. Auch der Einzelhandel klagte über Umsatzeinbußen im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Die Zahl der Firmenpleiten beschleunigt sich unterdessen. 2848 Unternehmen mussten im Oktober Insolvenz anmelden - 15,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das ist der größte Anstieg seit März.

Erschwert wird der Start in das neue Jahr durch den harschen Winter. Wegen Schnee, Frost und Eis gehen der deutschen Wirtschaft nach Berechnungen des Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zu Jahresbeginn etwa zwei Milliarden Euro verloren. Das Wachstum könne sich deshalb im ersten Quartal auf etwa 0,1 Prozent abschwächen.

Es gibt aber auch positive Konjunktursignale. Die Großhändler rechnen 2010 mit einem Umsatzplus von fünf Prozent auf 769 Milliarden Euro. "Nach einem beispiellosen Konjunkturabsturz fasst die deutsche Wirtschaft wieder Tritt", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner. Das Bruttoinlandsprodukt könne 2010 um 2,5 bis knapp unter drei Prozent zulegen.

Quelle: ntv.de, bad/rts/dpa