Wirtschaft

Kein Befeuern des Währungsstreits EZB vermeidet schrille Töne

In der heftiger werdenden Auseinandersetzungen um die globale Währungspolitik agiert die Europäische Zentralbank mit Besonnenheit. EZB-Präsident Trichet warnt vor "exzessiven Schwankungen und ungeordneten Bewegungen" an den Devisenmärkten. Mit China sei man dabei in Kontakt. Den Leitzins für den Euroraum belässt die EZB bei 1,0 Prozent.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) will sich nicht in den eskalierenden Streit über einen globalen Währungskrieg hineinziehen lassen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vermied es im Anschluss an den Zinsbeschluss der Währungshüter in Frankfurt, weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Stattdessen wiederholte er frühere Warnungen vor "exzessiven Schwankungen und ungeordneten Bewegungen" an den Devisenmärkten, die die Stabilität von Weltwirtschaft und globalem Finanzsystem gefährdeten.

Zum Währungsstreit zwischen China und dem Westen verwies Trichet auf jüngste "wichtige" Diskussionen mit der Regierung der asiatischen Wirtschaftsmacht. Es sei von großer Bedeutung, dass China die zugesagte Reform seines Wechselkursregimes vorantreibe. Die USA und Europa werfen der Regierung in Peking vor, den Wechselkurs des Yuan künstlich niedrig zu halten, um die heimische Wirtschaft vor der internationalen Konkurrenz abzuschirmen.

Zur jüngsten Abwertung des Dollars erklärte Trichet erneut, er gehe davon aus, dass ein starker Dollar nach wie vor im Interesse der USA sei. Der Greenback steht seit Wochen unter Druck, nachdem die US-Notenbank weitere Konjunkturspritzen per Notenpresse angekündigt hatte, sollte sich die nach wie vor schwache Lage am Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten nicht bessern.

Trichet und andere Notenbankchefs und Finanzminister treffen am Wochenende bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington zusammen. Trichet sagte, das Treffen werde eine gute Gelegenheit sein, sich ausführlich über das Streitthema Währungen auszutauschen.

Kein Rühren am Leitzins

Ihren Leitzins beließ die EZB wie von Analysten erwartet bei 1,0 Prozent. Der Schlüsselzins für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld liegt bereits seit rund eineinhalb Jahren auf diesem Rekordtief. Trichet sagte, die EZB bleibe bei ihrer schrittweisen Rückführung der in der Finanzkrise eingeführten unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen. Wann der EZB-Rat über den im Frühjahr wegen der Griechenland-Krise unterbrochenen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes entscheiden wird, ließ Trichet offen. "Wir werden ein neues Treffen zum Thema Exit haben - nicht notwendigerweise am Jahresende."

Die EZB hatte den Banken der Euro-Zone in der Krise umfassend Liquidität zur Verfügung gestellt, um ein Austrocknen der Geldmärkte und in der Folge eine Kreditklemme zu verhindern. Trichet stellte klar, dass der EZB nicht entgangen ist, dass die Nachfrage nach Zentralbank-Liquidität in der Euro-Zone zuletzt spürbar zurückgegangen ist. Am Finanzmarkt sei dies als Zeichen für eine zunehmende Normalisierung interpretiert worden, obwohl es nach wie vor Banken gebe, die vom Geld der Zentralbank abhängig seien. "Ich würde diese Analyse (der Märkte) nicht bestreiten", sagte Trichet.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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