Wirtschaft

"Die Märkte wollen mehr" EZB will EFSF stärken

EZB-Direktoriumsmitglied Bini Smaghi hält eine Stärkung des Euro-Rettungsschirms EFSF für erwägenswert. Er bezieht sich damit auf die unter anderem von den USA angeregte Möglichkeit, EFSF durch EZB-Mittel mit zusätzlicher Hebelwirkung auszustatten. Dazu müsste die EFSF eine Banklizenz erhalten, um an EZB-Refinanzierungsgeschäften teilnehmen zu können.

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(Foto: dpa)

In der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es offenbar Unterstützung für die Idee, die Ausleihkapazität des Euro-Rettungsschirms mit EZB-Mitteln deutlich zu erhöhen. "Wir müssen begreifen, was die EFSF leisten kann. Die Märkte wollen mehr", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington.

Der Italiener bezog sich damit auf die unter anderem von der US-Administration angeregte Möglichkeit, die Europäische Finanzstabilitätsfazilität (EFSF) durch EZB-Mittel mit zusätzlicher Hebelwirkung auszustatten. Dazu müsste die EFSF eine Banklizenz erhalten, um an EZB-Refinanzierungsgeschäften teilnehmen zu können. Solchermaßen gestärkt könnte der Rettungsfonds im Bedarfsfall auch größere Länder des Euroraums mit Krediten stützen und damit einer Ausdehnung der Schuldenkrise schlagkräftiger entgegentreten.

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder haben mit ihrer Vereinbarung vom 21. Juli bereits eine Stärkung der EFSF beschlossen. Diese soll dem Rettungsfonds unter anderem ermöglichen, Ländern in finanziellen Schwierigkeiten vorsorglich Kredite zur Verfügung zu stellen, Staatsanleihen von Krisenländern zu kaufen und Banken im Währungsraum direkt zu rekapitalisieren. Um in Kraft zu treten, muss diese Vereinbarung in den Ländern auf nationaler Ebene angenommen werden. Diese Maßnahmen seien aber "nicht ausreichend", sagte Bini Smaghi: "Wir müssen eine mögliche Hebelwirkung erwägen."

Keine Zinssenkungen

Luxemburgs Notenbankchef Yves Mersch hat Spekulationen über eine deutliche Zinssenkung der EZB einen Dämpfer verpasst. "Diese wilden Spekulationen zeigen nur, dass einige Leute ihre Orientierung verloren haben", sagte das EZB-Ratsmitglied in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Market News International. "Wir haben nur eine Nadel in unserem Kompass."       

Angesichts der merklichen Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone wurde an den Märkten über eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt gemutmaßt. Wegen steigender Inflationsgefahren hatte die EZB in diesem Jahr ihren Leitzins in zwei Schritten von 1,00 auf 1,5 Prozent angehoben. Wegen der schlappen Konjunktur hatte sie zuletzt aber angedeutet, auf weitere Zinserhöhungen zu verzichten.

Quelle: n-tv.de, DJ/rts

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