Wirtschaft

Linde-Chef sieht auch Vorteile Euro-Aus schreckt Reitzle nicht

Linde-Chef Reitzle bringt einen Euro-Austritt Deutschlands ins Gespräch. Er glaube zwar, dass die Rettung des Euro gelingen könne, aber er sei nicht der Meinung, dass der Euro um jeden Preis gerettet werden müsse.

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Linde-Chef Wolfgang Reitzle.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Chef des Industriegasekonzerns Linde bringt einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone ins Gespräch. "Wenn es nicht gelingt, die Krisenländer zu disziplinieren, muss Deutschland austreten", sagte der Vorstandschef des im Dax -Konzerns, Wolfgang Reitzle, dem "Spiegel". "Natürlich würde das zu einer Aufwertung der D-Mark, des Euro-Nord oder welche Währung wir dann auch hätten, führen. Aber die würde schnell geringer sein, als wir befürchten."

Zwar würde in den ersten Jahren nach einem solchen Schritt die Arbeitslosigkeit zunehmen, da der Export infolge der Währungsaufwertung einbrechen werde, sagte Reitzle. Dies würde jedoch den Druck auf die deutsche Wirtschaft erhöhen, noch wettbewerbsfähiger zu werden. "Und schon fünf Jahre später könnte Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Wettbewerbern stärker dastehen."

Sein "Lieblingsszenario" sei jedoch eine Rettung der Euro-Zone, sagte Reitzle. "Der Lackmustest wird Italien sein. Wenn Italien es schafft, wird Spanien ein Vorbild haben, und dann könnte vielleicht sogar Frankreich Reformen angehen, was bisher nicht absehbar ist", sagte der Linde-Chef. "Und dann könnten die Euro-Länder das Problem über die Zeit ausschwitzen." Das Schicksalsjahr des Euro sei nicht 2012, sondern liege drei oder vier Jahre später. 

Griechen ohne Euro?

In jedem Fall erwarte er allerdings einen Abschied Griechenlands vom Euro. "Griechenland muss mittelfristig austreten. Und die Schulden des Landes werden nicht zu 50 oder 70, sondern am Ende zu 100 Prozent abgeschrieben werden müssen", sagte Reitzle. Solange Griechenland noch dem Euro-Raum angehöre, müsse es unterstützt werden. "Das ist alles in allem ein 500-Milliarden-Euro-Problem."

Der Münchner Gasekonzern ist Reitzle zufolge für jedes Szenario gerüstet. Zwar habe er keinen Plan B für ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone in der Schublade. Doch Linde erwirtschafte nur noch 30 Prozent seines Umsatzes von 13 Mrd. Euro in Europa, ein Großteil komme aus dem Asien-Geschäft. "Linde würde also in jedem Fall überleben", sagte der Konzernchef. "Wir werden noch schneller und flexibler auf Veränderungen reagieren müssen und unsere fixen Kosten so niedrig wie möglich halten."     

Der Berliner Finanzwissenschaftler Markus Kerber kritisierte Reitzles Überlegungen zu einem Euro-Austritt Deutschlands. "Deutschland muss entgegen der politisch defizitären Analyse von Reitzle zusammen mit den Handelsüberschussländern einen Plan B ausarbeiten. Einseitige Schritte führen nur in die politische Isolation", sagte der Professor an der Technischen Universität zu Berlin dem "Handelsblatt". Kerber hatte ein EU-Gerichtsverfahren gegen den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB angestrengt.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

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