Wirtschaft

Unternehmen im Notfallmodus Europa ist nicht gewappnet für Homeoffice

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Einige Länder sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Struktur stärker auf ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz angewiesen als andere.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Europa wappnen sich Arbeitgeber gegen das Coronavirus. Die Deutsche Bank verteilt ihre Mitarbeiter auf unterschiedliche Büros oder lässt sie zu Hause arbeiten. Doch das Konzept Homeoffice ist noch längst nicht weitverbreitet - und könnte Firmen in manchen Ländern vor Probleme stellen.

Immer mehr Unternehmen in Europa schalten wegen der Coronavirus-Epidemie in den Notfallmodus. Die Finanzinstitute verteilen Mitarbeiter auf verschiedene Standorte oder schicken sie ins Homeoffice, um wichtige Geschäftsbereiche wie Handel und Zahlungsverkehr am Laufen zu halten. Gleichzeitig schließen sie Filialen und Büros, in denen Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet wurden.

Dabei dürfte besonders die Isolierung von Mitarbeitern im Homeoffice für Menschen, die normalerweise nicht von zu Hause arbeiten, für die Wirtschaft zur Herausforderung werden. Denn bislang ist die Arbeit vom heimischen Schreibtisch aus noch nicht besonders verbreitet. Der Anteil der Beschäftigten, die normalerweise von zu Hause arbeiten, lag laut Eurostat 2018 hierzulande bei fünf Prozent. In Italien liegt der Anteil derer, die in den eigenen vier Wänden arbeiten, nur bei 3,6 Prozent.

Nicht jedes Land ist prädestiniert für Homeoffice

Einige Länder sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Struktur zudem stärker auf ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz angewiesen als andere. In Deutschland macht das verarbeitende Gewerbe fast die Hälfte der Produktion aus. Das macht es schwierig, Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. In Großbritannien sieht das anders aus. Hier liegt der Anteil des verarbeitenden Gewerbes bei nur etwa zehn Prozent und Heimarbeit ist eh weitaus verbreiteter. Probleme, das Tagesgeschäft am Laufen zu halten, dürften auch Länder haben, die beim Breitbandausbau hinterherhinken.

"Mitarbeiter von zu Hause arbeiten zu lassen, kann für eine Reihe von Unternehmen eine Notlösung sein, insbesondere im Bereich der Unternehmensdienstleistungen. Aber für die meisten der 17 Prozent der Europäer, die in der verarbeitenden Industrie, 7 Prozent im Baugewerbe und 14 Prozent im Handel und 5 Prozent im Hotel- und Gaststättengewerbe arbeiten, wird das nicht funktionieren", sagt Bloomberg-Experte Maeva Cousin.

Die Europäische Bankbehörde (EBA) nimmt die Notfallpläne der Geldhäuser derweil genau unter die Lupe. Wie viel für die Institute der Euro-Zone wirtschaftlich auf dem Spiel steht, ist noch gar nicht absehbar. Einige Banken sind eng verbandelt mit Italien, wo das Virus besonders stark grassiert.

Geldhäuser setzen Notfallpläne um

Die Deutsche Bank musste in der Nacht zum Dienstag ihre Handelsabteilung im Frankfurter Bankenviertel schließen und grundreinigen, weil das Virus bei einem Mitarbeiter festgestellt wurde. Ein Teil der Beschäftigten arbeitet in einem Ausweichbüro in der Nähe von Frankfurt, andere bleiben in dem desinfizierten Gebäude oder arbeiten zu Hause am Laptop. Die Notfallmaßnahmen gelten zunächst bis 27. März. Laut Finanzkreisen ist eine höhere zweistellige Personenzahl davon betroffen. In London gelten die Notfallmaßnahmen schon seit Anfang der Woche. Folgen für den laufenden Betrieb sieht die Bank nicht. "Wir erwarten keine Auswirkungen auf unsere Dienstleistungen für unsere Kunden und sind uns bewusst, dass diese Maßnahmen zusätzliche Anstrengungen und Disziplin von allen erfordern werden", schrieb sie in einem Mitarbeiterbrief.

Die Commerzbank schloss wegen der Maßnahmen der italienischen Regierung zur Eindämmung der Epidemie ihre Büros in Mailand, rund 50 Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. In der Mailänder Filiale gebe es aber eine Notbesetzung, sagte ein Banksprecher. Einen bestätigten Corona-Fall gab es bislang bei der Commerzbank nicht. Institute wie die DZ Bank, die staatliche Förderbank KfW und die Deka proben bisher nur für den Ernstfall. Sie schickten Mitarbeiter in wichtigen Abteilungen vorsichtshalber in unterschiedliche Gebäude, um bei bestätigten Corona-Fällen schnell handlungsfähig zu sein.

Auch in anderen europäischen Ländern setzen Geldhäuser ihre Notfallpläne um. BBVA und Santander in Spanien teilten Beschäftigte auf. Die britische Bank Lloyds schickte gleich 1000 Beschäftigte der Hypotheken-Tochter Halifax nach Hause oder in andere Büros, nachdem ein Mitarbeiter an dem Virus erkrankt war. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) meldete einen ersten Corona-Fall. Mitarbeiter arbeiten nun von zu Hause, die Zinssitzung am Donnerstag soll nach aktuellem Stand dennoch stattfinden.

Quelle: ntv.de, jki/rts