Wirtschaft

Keine Abkehr von Niedrigzinspolitik Fed-Chef behält Kurs bei

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Ben Bernanke sieht noch keinen nachhaltigen Aufschwung am US-Arbeitsmarkt.

(Foto: REUTERS)

Ben Bernanke bleibt hinsichtlich der Entwicklung am US-Arbeitsmarkt skeptisch. Der Fed-Chef kündigt an, dass die Notenbank ihre Politik des billigen Geldes fortführt. Dagegen sagt der Chef der Fed von Philadelphia, Plosser, dass sich die Zentralbank auf einen gefährlichen Weg begeben habe.

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve, Ben Bernanke, hat sich ungeachtet der Besserungszeichen am Arbeitsmarkt für eine Fortführung der Niedrigzinspolitik ausgesprochen. Mit Hilfe der Politik des billigen Geldes wolle Fed die Langzeitarbeitslosigkeit senken, sagte Bernanke auf der Jahreskonferenz der National Association for Business Economics (NABE).

Er räumte ein, dass es positive Daten vom Arbeitsmarkt gegeben habe und dass das Tempo der Erholung angesichts des tatsächlichen Wirtschaftswachstums unerwartet hoch sei. "Wir können nicht sicher sein, dass das jüngste Tempo der Verbesserung am Arbeitsmarkt anhält", warnte er aber auch.

Nach Bernankes Aussage ist der US-Arbeitsmarkt gegenwärtig noch weit von einer Normalität entfernt. So lägen die Zahl der Beschäftigten und die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden deutlich unter den vor der Krise verzeichneten Werten. Der Fed-Chef sagte außerdem, dass die Fed bei der Beurteilung des Arbeitsmarktes der Unternehmensumfrage mehr Beachtung schenke als der Haushaltsumfrage, auf deren Basis die Arbeitslosenquote ermittelt werde.

Falke Plosser warnt

Nach Einschätzung des Präsidenten der Fed von Philadelphia, Charles Plosser, hat sich die Notenbank auf einen gefährlichen Weg begeben, als sie neben US-Staatsanleihen auch andere Wertpapiere auf ihre Bilanz nahm. "Die Bilanz der Fed bestand früher fast ausschließlich aus US-Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit, während sie heute hauptsächlich aus Langläufern besteht und zu einem bedeutenden Anteil auch aus Hypothekenpapieren", sagte Plosser bei einer Rede vor der Banque de France. "Die Konzentration von Immobilienpapieren ist problematisch, weil sie eine Form von Kredit-Allokation ist, die den Zusammenhalt von Geld- und Fiskalpolitik verletzt."

Der als geldpolitischer Falke bekannte Plosser kritisierte in seiner Rede auch die Erwartung, dass die Fed bei Schwierigkeiten schon einspringen werde. "Ich denke, verschiedene politische und private Interessen werden dann nach vorne treten und eine lange Liste mit guten Gründen präsentieren, warum die Zentralbank sie finanzieren oder retten soll", sagte der Notenbanker, der derzeit kein Stimmrecht im Offenmarktausschuss (FOMC) besitzt.

Plosser hat in den vergangenen Monaten wiederholt die expansive Geldpolitik von US-Notenbankchef Ben Bernanke kritisiert. Es sei einfach eine Form "weiser Politik", Geld- und Fiskalpolitik getrennt zu halten. "Regierungen drängen Zentralbanken dazu, die Geldpolitik auszuweiten. Die Zentralbanken kommen dann in ein Terrain, das vorher nicht als geeignet für eine unabhängige Zentralbank angesehen wurde." Wie so häufig machte der Fed-Chef von Philadelphia deutlich, dass er Inflation für die falsche Antwort auf die gegenwärtige Lage der Wirtschaft halte.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ

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