Wirtschaft

Berlin bringt Weber an den Startblock Feilschen um EZB-Krone

Nach der überraschend zügigen Einigung auf das Multimilliarden-Rettungspaket zur Stabilisierung der Euro-Zone treten immer mehr heikle Details zu Tage: Einem Medienbericht zufolge will Kanzlerin Merkel Bundesbankchef Weber in den EZB-Chefsessel hieven. Die Bundesregierung dementiert dies.

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Axel Weber hat gute Chancen auf das Amt des EZB-Präsidenten.

(Foto: dpa)

Trotz seiner Kritik am jüngsten Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Euro-Krise hat Bundesbankchef Axel Weber im Poker um den Chefposten der Notenbank offenbar beste Karten: Die Bundesregierung habe ihr Ja zum milliardenschweren Rettungspaket für klamme Euro-Staaten an eine informelle Nebenabsprache zur Nachfolge von EZB-Chef Jean-Claude Trichet gekoppelt, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Regierungskreise.

So habe sich Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich in die Verhandlungen auf dem Brüsseler Krisengipfel eingeschaltet, um Webers Weg an die EZB-Spitze zu ebnen. Die Bundesregierung dementierte umgehend. "Eine solche Nebenabsprache hat nicht stattgefunden. Der Bericht entbehrt jeder Grundlage", erklärte eine Regierungssprecherin.

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Jean-Claude Trichet gibt das Amt 2011 auf.

(Foto: dpa)

Trotz des Dementis kocht die Debatte um die Nachfolge Trichets nun rund anderthalb Jahre vor dem Ende der Amtszeit des EZB-Chefs richtig hoch. Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf einen deutschen Regierungsvertreter, angesichts der Vertrauenskrise in der Euro-Zone habe auch den Franzosen eingeleuchtet, dass ein stabilitätsorientierter Deutscher Trichet nachfolgen müsse. Die Kandidatur des italienischen Notenbankchefs Mario Draghi habe "keine Chancen mehr" auf Erfolg.

Weber hat jüngst mit unverblümter Kritik am EZB-Beschluss zum Ankauf von Staatsanleihen aufhorchen lassen. Die Aktion berge erhebliche stabilitätspolitische Risiken, warnte der Bundesbankchef. Die EZB hatte zuvor bekanntgegeben, im Kampf gegen die Schuldenkrise und zur Abwehr eines Angriffs auf den Euro Staatstitel von Euro-Ländern anzukaufen. Kritiker werfen den Euro-Hütern vor, damit dem Druck der Politik in der Schuldenkrise nachgegeben zu haben und mit dem Ankauf der Staatsanleihen Inflationsgefahren zu schüren.

"Gelddruckmaschinen rotieren nicht"

Mit der Kritik Webers traten zugleich Differenzen im EZB-Rat offen zu Tage, die Trichet mit dem Verweis auf die in dem Gremium erzielte "überwältigende Mehrheit" nicht zu übertünchen vermochte. Unterstützt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark ging der EZB-Präsident danach in die Offensive und verteidigte den Beschluss in den Medien: "Wir lassen jetzt nicht die Gelddruckmaschinen rotieren. Unser Ziel ist Preisstabilität auf mittlere und lange Sicht", betonte der Franzose. Die Liquidität, die dem Markt im Zuge der Ankäufe zugeführt werde, müsse auch wieder abgeschöpft werden.

Stark legte im Deutschlandfunk nach und betonte, die Entscheidung der Notenbank sei nicht auf politischen Druck zurückzuführen. Der Beschluss zum Ankauf von Staatsanleihen stelle zudem "keinen Tabubruch" dar.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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